Bericht vom 2-Tages-Workshop mit David Lichman (5-Stern-Instruktor aus den USA), 30.-31. Juli 2011
"Come bearing gifts" ...
So ist Davids Einstellung zur Pferdearbeit.
Billy hat das ganz außerordentlich gefallen. Und mir auch! Ich war vom Kurs hellauf begeistert, wir haben wieder Unmengen gelernt. Grund dafür war sicher nicht zuletzt, dass das Niveau der Teilnehmer recht hoch war, und so konnte man auch einen Blick in die vielleicht eigene Zukunft sehen, wenn David mit einer Teilnehmerin Spins at Liberty erarbeitete oder Liberty-Figure-8s.
Wie die Überschrift vermuten lässt, arbeitet David sehr viel über Lob, und auch gerade Futterlob. Am meisten von allen Instruktoren, die ich bisher kennengelernt habe. Um ein neues Pferd kennenzulernen, gabs erst mal Streicheln, hallo sagen und eine Karotte. Sooo gefiel das dem Billy, er liebte den Mann sofort von Anfang an ;-).
Dazwischen gab es bei allen kleinen Zwischenschritten, die gut gelungen waren, gleich ein Stückchen Karotte. David hatte sich gleich zu Beginn eine ganze Schüssel voll bringen lassen ;-) .
Los ging es am ersten Vormittag - wie ja meistens - mit Theorie bzw. Kennenlernen der Teilnehmer. Einige kannten sich untereinander schon. Und was mir sehr gut gefallen hat - David lässt schon Wochen vorher jeden Teilnehmer ein online-Formular ausfüllen, mit ganz schön vielen ausführlichen Fragen. Die eigenen Horsemanship-Goals im allgemeinen, die Ziele für den anstehenden Kurs; die Einschätzung, wo man gerade steht; Einschätzung des Charakters des Pferdes und der eigenen Person; Probleme die mit dem Pferd auftreten; und ob er sonst noch etwas über Teilnehmer und Pferd wissen muss. Das fand ich toll, beim Ausfüllen musste ich direkt viel nachdenken, was ich denn da nun hinschreiben soll. Somit hat es den Vorteil, dass jeder Teilnehmer sich bereits VOR dem Kurs ausgiebig Gedanken gemacht hat; David ist vorbereitet, hatte die Fragebögen eindeutig genau angesehen und "kannte" die Leute also bereits - was viel Zeit zu Kursbeginn spart.
Wir haben nur die Ziele von jedem durchbesprochen. In den Formularen waren von uns die drei Dinge zusammenfassend genannt worden, die offenbar immer die Problemstellen sind:
- motivation
- relaxation
- liberty.
David brachte kurz vergleichend das Schema von Karen Rohlf, bestehend aus den 3 "Arbeitskreisen" realaxation, energy und balance. Wenn alle 3 zusammentreffen, sich diese 3 Kreise überschneiden, hat man den "sweet spot" gefunden (meist nur kurz, bevor eins davon wieder flöten geht und man erneut daran arbeiten muss, den entsprechenden Bereich wieder herzustellen und die drei Kreise sich wieder überschneiden zu lassen) - ein Zufall, dass ich ihre DVD kurz davor geschaut hatte ;-)
Im Zusammenhang mit diesen 3 großen Zielen brachte David ganz kurz (da fortgeschritten, kannten es wohl eh alle) das Horsenality-Muster und brachte es mit den 3 Zielen in Zusammenhang:
- LBE: Möchte Spiel, braucht Gehorsam, mittels Kreativität.
- RBE: Möchte Hilfe, braucht calmness, mittels consistency (= patterns)
- LBI: Möchte ... hier hab ich nichts aufgeschrieben, also: nichts *g*, braucht Motivation, mittels Futter
- RBI: Möchte Sicherheit, braucht Selbstsicherheit, mittels Zeit und einer Spur "get over it" (das erwähnte David, weil RBI-Besitzer wohl oft so viel Rücksicht auf ihr Pferd nehmen, dass sie gar keine Fortschritte machen - bezüglich gewisser Dinge müsse man zum Pferd auch sagen können: "get over it", um ihm zu zeigen, dass es nichts Schlimmes ist).
Das Diagramm fand ich eine gute Gedächtnisauffrischung.
Auf das Thema relaxation ging er dann noch ausführlich ein. David bringt vielen Pferden erstmal bei, bei Angst/Unsicherheit den Kopf zu senken. Ganz einfach mittels Konditionierung, fast schon clicker-mäßig ;-). Eine Teilnehmerin mit ihrem oft unsichern, ängstlichen Pferd, demonstrierte dann an den zwei Tagen, wie gut das klappt. Wenn auch Kopf unten noch nicht gleichzusetzen ist mit Entspannung, so ist es doch ein erster Schritt dahin. Bis es funktioniert, durchläuft das Pferd die Stufen 1) tolerate (d.h. entgegen dem natürlichen Fluchtinstinkt bei Angst oder Diskomfort stehen bleiben), 2) accept, 3) relax, 4) generalize (d.h. das unter kontrollierten Bedingungen antrainierte Kopfsenken funktioniert auch in anderen Situationen).
Gut, dann ging es an die Praxis. David hatte uns schon zuvor in 2 Gruppen eingeteilt, jeweils nur 3 pro Gruppe, das war toll
Wir arbeiteten - weil ich das nach wie vor als unser Problemfeld angegeben hatte - am Rückwärts, zuerst vom Boden. Hier sah man einen sehr großen Unterschied zum letzten Kurs. Wenig Druck, trotzdem ein schönes Ergebnis. Bald war es flüssig genug, dass David mich eine weitere Zutat hinzufügen ließ: flüssig Rückwärts, dabei Kopf nach unten, mittels Porcupine Game unten am Halfterknoten. Klappte schnell sehr gut. Dann durfte ich an diesem Vormittag noch aufsitzen und gemeinsam mit David am Boden erarbeiteten wir mit Billy ein Rückwärts nur mit Neckstring! Genial. Ich glaube 10 Minuten und Billy ging rückwärts auf Sitz + Neckstring. Seither übe ich auch vermehrt das Reiten mit dem Neckstring, hab ich irgendwie ganz vernachlässigt, das mal zu probieren.
Die anderen werkten - z.T. On Line, z.T. Liberty - am Draw in einer Figure 8. David hat das mit ihnen durch eine Art Stick To Me bzw. Zirkel auf sehr geringe Distanz, gefolgt von schnellem Rückwärtslaufen, um das Pferd bis zur Mitte der 8 zu ziehen. Daraus erhöhten sie langsam die Distanz und veränderten die eigene Position - am Anfang liefen sie quasi den 8er (bzw. halben 8er) mit, Füße still halten kam erst später. Eine ander Teilnehmerin am Nachmittag arbeitete eben daran, ihr nervöses Pferd den Kopf senken zu lassen, während Sackerln etc. raschelten, und hatte gute Erfolge. Außerdem wurden stehende einzelne Tonnen gehüpft - On Line und auch Liberty. Eine andere Teilnehmerin hatte als Ziel angegeben, ihr Pferd bridleless im Trab dazu zu bringen, entspannter den Kopf zu senken - da war auch spannend, wie es erarbeitet wurde.
Zu Mittag und am nächten Tag vormittags zeigte uns David auch noch inspirierende Videos.
Billy und ich arbeiteten am zweiten Tag zunächst an Liberty-Zirkeln. David zeigte sich als kein Freund von zuviel Circling Game. Er erarbeitet den Zirkel folgendermaßen, und ich denke das hilft wirklich, um den Draw zu fördern und zu erhalten: Als erster Schritt sollte ich drauf achten, dass Billy mir immer 2 Augen schenkt. Reichlich belohnen, wenn ja. Dann nur wenige Schritte zur Seite um mich rum schicken, mit einer ganz kleinen Bewegung. Wobei es für David egal war, ob er dabei vorwärts ging und mich ansah, oder überhaupt seitlich trat. Sobald die Aufmerksamkeit flöten gehe, sollte ich sie wiederholen, durch Hinterhand disengagement, danach aber rückwärtslaufen, sodass er wieder zu mir gezogen wurde. Tatsächlich hatten wir so recht bald eine ganze Zirkelrunde in beide Richtungen. Zuerst online, klappte danach aber genauso at Liberty. ich habe es seither nur wenig weiterentwickelt, aber etwas mehr Distanz und 2, 3 Trabtritte gehen nun schon auf diese Weise - und Billy nimmt keinen Augenblick den Blick von mir.
Mit den anderen arbeitete David am Spin at Liberty, weiter am Kopfsenken im Trab oder Halten, und Tonnenhüpfen und Reiten von 8ern.
Am Nachmittag sind wir dann alle gemeinsam geritten, und es war echt lustig. Zuerst spielte David unterschiedliche Lieder an, und wir sollten zuerst den Schritt, dann den Trab, den unterschiedlichen Takten (mal schnell, dann langsam, noch schneller, noch langsamer) anpassen. Das war total interessant; vor allem erkannte ich, dass Billy und ich exakt ein einziges Trabtempo gehen können. Der SChritt ließ sich so noch gut regulieren, aber im Trab gibt es nur einen einzigen Takt bei uns, will ich langsamer, geht er Schritt, will ich schneller, gibts Galopp. Interessant, und eine Hausaufgabe ;-).
Überhaupt bindet David Musik stark in den Unterricht ein, macht es kurzweilig und unterhaltsam!
Zuletzt pappte David Ringe an Sprungständer, die wir mit unseren Sticks auffädeln sollten - zuerst im Schritt, dann Schritt ohne Zügel, dann Schritt ohne Zügel mit der linken Hand statt der rechten, dann im Trab ohne zügel mit der linken, und auch im Galopp. Ich war ganz überrascht, dass ich überhaupt was getroffen habe *lol* - 2x sogar im Galopp.
Das war auch schon das letzte für den Kurs.
Fazit: David ist total unterhaltsam und hebt sich durch das viele Loben mit Futter von den anderen Instruktoren (die ich bisher kennenlernen durfte) deutlich ab. Der Kurs war gleichzeitig lustig und lehrreich (bisher wars meist eher entweder-oder). David erarbeitet ganz konkrete Aufgaben nach Wunsch der Teilnehmer, er erklärt ganz genau was wie wann warum, lässt einen aber auch selbst machen und probieren. Außerdem ist er durchaus auch einmal "risiko"freudig und probiert einfahc mal aus, ob das Pferd nun reif ist, das Seil abzunehmen - war beim "Nervösling" 2x die falsche Entscheidung, machte aber nix.
Also alles in allem eine wirklich schöne Mischung!
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