you live you learn you love you learn you cry you learn you lose you learn you bleed you learn you scream you learn you grieve you learn you choke you learn you laugh you learn you choose you learn you pray you learn you ask you learn you live you learn
Alanis Morissette

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Montag, 22. September 2014

Rezension

Alfonso Aguilar – Professionelle Ausbildung am Boden… für jedes Alter, für jede Rasse. Schondorf: Wu Wei Verlag, 2013. 359pp.

Dieses Buch hat mich positiv überrascht. Bot es beim ersten Durchblättern nicht wirklich etwas Neues in punkto Praxis, so hat es mich dann auf den letzten Seiten dazu gebracht, es mitzunehmen. Dort bietet es nämlich eine „Roadmap“, die Aguilars Methode und Aufbau der Ausbildung eines Pferdes von Anfang bis … nun ja, Ende gibt es ja nie, also bis „ziemlich weit“ darstellt. Scheinbar haben Alfonso Aguilar und ich etwas gemeinsam: wir mögen listenhafte Darstellungen ;-). Schon in „Wie Pferde lernen wollen“ hat mich die dortige Liste verschiedener Konditionierungsmethoden beeindruckt – und hier nun die schöne Liste, in der er alle Übungen einer Kategorie zuordnet (z.B. alle Seitwärtsbewegungen) und diese dann von Level zu Level auf immer höheres Niveau bringt (zur allgemeinen Verwirrung nennt er „Kategorie“, was in meinem Kopf Niveau bzw. Level ist).

Aber abgesehen von dieser schönen Liste, die einen wirklich guten Überblick bietet, habe ich in dem Buch auch sonst noch einiges lesenswertes gefunden.

Aguilar beginnt mit dem Fohlen-ABC. Er beschreibt im Zeitraffer, wie er ein Fohlen ausbildet; dabei setzt er es in bestimmten Lebensabschnitten jeweils kurzen intensiven Lernblöcken von einigen Tagen aus, in denen er es täglich für kurze Einheiten mit Neuem konfrontiert (z.B. das Thema „Anbinden“), um das junge Tier danach wieder für Wochen oder Monate ganz Pferd zu lassen. Ich denke dieser Abschnitt des Buches ist toll für Leute, die ihr erstes Fohlen erziehen müssen und zwar das Handwerkszeug prinzipiell kennen, aber einen Fahrplan brauchen.

Nach dieser Beschreibung des „Volksschul“-Niveaus geht das Pferd dann „aufs Gymnasium“. In „Levels“ von 1-8 zusammengefasst geht Aguilar jeweils eine bestimmte Übung durch. Nicht jede Übung beginnt auf Level 1 (z.B. beginnt die Freiarbeit erst ab Level 2, Übungen mit der Doppellonge auf Level 6), und nicht jede Übung geht hinauf bis Level 8 (z.B. die Übung „Kopf senken“ – da ist nach Level 2 alles zu Erreichende erreicht).
Die einzelnen Übungsgruppen dabei sind: Kopf senken – Biegen – Rückwärtsgehen – Verschieben der Hinterhand – Verschieben der Vorhand – Kombination aus beidem – Longieren – das Pferd zu sich holen – Führen und Schicken – Seitwärtsbewegungen – Freiarbeit – Doppellonge – Arbeit am langen Zügel.
Jede dieser Übungsgruppen wird im Hauptteil des Buches beschrieben und mit vielen Fotos und Skizzen gut illustriert.

Insgesamt würde ich trotzdem sagen, dass das Buch eher nur einen Überblick über die Methode „Horsemanship“ gibt. Zwar ist jede Übung auf jedem Niveau beschrieben, aber erstens meist sehr kurz, und zweitens lebt Alfonso Aguilar wie die meisten anderen Ausbilder in einer Welt, in der alles klappt und funktioniert, wenn man nur die richtigen Knöpfe drückt. Es wird gut beschrieben, wie man diese „Knöpfe drückt“, aber es gibt keine „Was tun, wenn…“-Hilfe für den weniger talentierten Horseman; und wie immer scheinen Pferde, die auch mal mit dem linken Huf aufstehen und heute einfach keine Lust zur Mitarbeit haben, nicht zu existieren. ;-) Da wird jemand, der noch wenig Erfahrung hat, sich u.U. etwas alleine gelassen fühlen.
Sehr gut fand ich, dass Aguilar ein paar Übungen im Repertoire hat, die mir neu waren – nicht unbedingt Weltbewegendes, aber Dinge, wo man beim Lesen gleich Lust bekommt, sie auszuprobieren.

Ich denke, das Buch ist eine tolle Ergänzung zum Parelli-Level-System. Letzteres widmet sich – zumindest in seiner ursprünglichen Version – oft so sehr den kleinen Details, dass man als Anfänger den roten Faden nur allzuleicht verliert. Aguilar wiederum zeichnet diesen roten Faden so deutlich auf wie eine Autobahn, hält sich aber nicht großartig mit Details auf. Die Vorgangsweise, die Reihenfolge und die Übungen selbst und ihre Durchführung sind dagegen auf weiten Strecken mehr oder weniger identisch, sodass beides eine wunderbare Kombination ergibt.

Fazit: Lesenswert und sicher ein Buch, das man gerne immer wieder in die Hand nimmt, um etwas nachzusehen. Super für Leute, die das große Ganze manchmal aus den Augen verlieren; nichts für Totalanfänger, hier fehlen zu viele kleine, aber wichtige Informationen.

Sonntag, 1. Juli 2012

Rezension


Mark Rashid: Whole Heart, Whole Horse: Building Trust Between Horse and Rider. Skyhorse Publishing, 2009. 205 pp. € 21,99.


Mark Rashid ist ein fantastischer Geschichtenerzähler. In Whole Heart, whole Horse nimmt er uns mit auf eine Erinnerungsreise. Kreuz und quer durch seine Jugend bis hin zur Gegenwart bringt er Episoden, die den Leser nachdenklich machen, manchmal aber auch ganz konkret weiterhelfen. Wir begleiten Mark durch seine Jugend, wo wir natürlich dem „alten Mann“ wieder begegnen, bei seinen Kursen, im Alltag.

Das Buch ist in thematische Kapitel unterteilt. Die Kapitel im ersten Teil, „Perception“, widmen sich Themen zur Einstellung des Horseman, sie ändern den Blickwinkel und die Wahrnehmung des Lesers und helfen, sich ins Pferd zu versetzen.

Gleich im ersten namens „Mistakes“ lernen wir, dass die Angst vor Fehlern jeden Fortschritt zum Stillstand bringen kann, dass auch ein Mark Rashid Fehler gemacht hat und noch macht, dass aus Fehlern manchmal ganz wunderbare Ereignisse entstehen können, und schließlich die Quintessenz des „alten Mannes“: „Did you learn something today? Because if you did, it wasn’t a mistake.“

Das zweite Kapitel widmet sich dem Thema „Boundaries“: Mark erzählt, was Einkaufswagen im Supermarkt mit Horsemanship gemeinsam haben, über Pferde, die keine Boundaries kennen, und welche, für die die Boundaries ihrer Besitzer unüberwindbare Hindernisse in der Beziehung darstellen.

3. Trauma. Wir kehren zurück in Marks Kindheit, lernen mit ihm, wie sich manche Dinge von allein lösen, wenn man der Natur (und dem Pferd) einfach ihren Lauf lässt, und springen zurück in die nahe Gegenwart, als er durch Zufall und einen Kursteilnehmer den Grund dafür erfährt.

Information: Mark nimmt uns mit zum Pferde-Einkauf und erzählt, wie kleine Ursachen große Wirkung haben können und wie man lernt, dass alles, was ein Pferd tut, nicht gut, nicht schlecht, sondern einfach nur Information für uns ist.


Der zweite Teil nennt sich „Leadership“. Nachdem es zuerst um die Wahrnehmung ging, geht’s nun um die Taten des wahren Horseman.

Zuerst teilt Mark seine Gedanken zu „Direction, Speed, Destination“ mit, warum Pferde ungern Entscheidungen treffen, Menschen aber umso lieber – und warum sich die Rollen trotzdem oft umkehren. Er spricht sich für klare Führung des Pferdes aus und stellt die Methode, Pferde die Verantwortung für Richtung und Geschwindigkeit abzutreten, in Frage, zumindest für junge Pferde und solche, die nicht schon perfekt ausgebildet sind. Er erzählt von dem Pferd, das wie ein Betrunkener hin und her schwankt und dem Springpferd, das immer vom Kurs abkam – beides aufgrund mangelnder Führung.

Ein wichtiger Punkt in Sachen „Leadership“ ist auch die „Energy“, Kapitel 2 im entsprechenden Teil des Buches. Mark berichtet von Pferden mit zu viel und solchen mit zu wenig Energie und bringt – anhand eines Beispiels aus einem seiner Kurse – Übungen, wie man die eigene Energie „hochfahren“ kann.

Im folgenden Kapitel „Balance Point“ geht es um ähnliches. Wer Parelli kennt und unter Balance Point etwas versteht, was mit dem Sitz des Reiters zu tun hat, muss erst einmal umdenken. Der „Balance Point“ ist für Rashid der Punkt, an dem die Emotionen und Energie von Pferd und Reiter ausbalanciert sind. Gemeinsam sollen sie 10 Punkte auf die Waage bringen, idealerweise 5 vom Pferd, 5 vom Reiter. Macht die Energie des Pferdes einen Ausreißer nach oben, so muss der Reiter seine senken, um wieder auf die 10 Punkte zu kommen. Und umgekehrt, senkt ein Pferd seine Energie auf wenige Punkte, muss der Reiter mit seiner eigenen Energie ausgleichen.
Wichtig ist hier auch der Grundsatz: „Do less sooner“. Mark bringt das Beispiel eines Balance-Bretts, auf dem man zu stehen versucht. Je früher man winzigste Korrekturen vornimmt, umso sicherer steht man darauf. Lässt man das Brett erst einmal in eine Richtung stark kippeln, ist es viel schwerer, es wieder auszubalancieren, oder sogar unmöglich.

Es folgt der letzte Teil des Buches: „Whole Horse“. Wer gefühlsduselig ist wie ich, sollte jetzt die Taschentücher holen gehen.
Mark erzählt nun – über mehrere Kapitel verteilt – die Geschichte wie er als Kind und Schüler des „Alten Mannes“ das erste Mal eine außergewöhnliche Beziehung zu einem Pferd, einfach nur „Der Schwarze“ genannt, entwickelt - ein misshandeltes Pferd, das der alte Mann übernimmt, aufpäppelt und dem er das Vertrauen in die Menschen wieder zurückgibt. Die Kapitel des letzten Teils sind dabei nach den Stufen benannt, die diese Umwandlung durchläuft: Consistency, Dependability, Trust, Peace of Mind und Softness. Genauso wie Der Schwarze diese Stufen durchläuft und so sein Vertrauen in die Menschen wiederfindet, so muss jedoch auch der junge Mark die gleichen Stufen durchlaufen, bis er  Vertrauen in Den Schwarzen findet. Denn zu Anfang wird er vor ihm gewarnt. Er sei tendenziell gefährlich, und so entwickelt er eine so große Angst, dass er regelrecht vermeidet, zur Ranch des alten  Mannes zu fahren – bis dieser ihn in einer Notsituation aufsucht und um Hilfe bittet. Mark wird nun gezwungen, sich seiner Angst zu stellen und Den Schwarzen zu versorgen – und es entwickelt sich eine höchst außergewöhnliche Beziehung zwischen den beiden. Der kleine Mark schenkt dem Schwarzen schließlich sein ganzes Herz – und dieser ihm im Gegenzug sich selbst …. Whole Heart, whole Horse.

Dienstag, 20. März 2012

Rezension

Philippe Karl, Die Schule der Légèreté 1+2. (2 DVDs). Pferdia TV, 2011. 212 Minuten. ~ € 80,-

Ich kannte von Philippe Karl neben seinen Büchern schon die 4-er DVD Serie "Klassische Dressur". Die gefiel mir gut, dort sieht man aber ausschließlich Philippe Karl selbst reiten, und natürlich sieht alles leicht und einfach aus. Diese 4 DVDs sind eine Darstellung des Ausbildungswegs.

Auf der DVD-Serie der "Schule der Légèrteté" sieht man nun nicht mehr Ph. Karl selbst reiten, sondern seine Schüler, während er sie unterrichtet. Durch dieses Format und auch durch den Titel habe ich mir erhofft, dass man hier das Erarbeiten von Lektionen bzw. auch der Grundlagen sehen wird; so ganz ist das dann leider nicht der Fall. Zwar reiten Karls Schüler, aber noch immer sieht alles leicht aus, und die gezeigten Lektionen werden zwar verfeinert, aber im Grunde sitzen sie schon einmal. Man nimmt einfach an einzelnen Reitstunden, erteilt von Ph. Karl, teil, die eben zu verschiedenen Zeitpunkten in der Ausbildung eines Pferdes herausgepickt wurden.

Was mir sehr gut gefallen hat sind die vielen verschiedenen Pferdetypen. Hier ist vom Quarter (dessen Gebäude Ph. Karl offenbar als so misslungen sieht, dass er ihn extra nochmal ohne Sattel vorführt *g*) über mehrere Hafis bis hin zum Warmblut wirklich viel an verschiedenen Typen herangezogen worden.

Die Kommentare von Ph. Karl an seine Schüler (und manchmal auch die hie und da fallengelassenen Bemerkungen in Richtung DVD- und Vorort-Publikum) sind durchaus hilfreich. Die DVDs unterscheiden sich aber inhaltlich nicht wirklich von der ersten Serie; was ich mir gewünscht hätte, wäre, dass man z.B. einen Zusammenschnitt der Entwicklung einer bestimmten Lektion an einem Pferd sieht, wenn man also z.B. über Wochen oder Monate hinweg immer wieder Aufnahmen der Lektion zusammengeschnitten hätte und so die Entwicklung vom ersten Heranführen des Pferdes bis hin zum aktuellen Könnenstand mitverfolgen könnte. Beispiel Spanischer Schritt: Alle Pferde haben das Grundprinzip verstanden, es wird verfeinert; es wird aber kein Pferd gezeigt, dass seinen ersten Ansatz zum Spanischen Schritt gerade lernt. So etwas hätte ich gern gesehen.
Es ist eine sehr runde, harmonische, brave DVD, durchaus anschauenswert. Wer aber eh schon die 4-er Serie zu Hause hat, muss sie denke ich nicht unbedingt auch noch besitzen; vor allem angesichts des doch recht stolzen Preises ;-).

Dienstag, 6. März 2012

Rezension


Karen Rohlf: Dressage, Naturally. Results in Harmony (Book and DVD). A Guide to the Basics of Dressage from a Natural Horsemanship Perspective.Temenos Fields, 2007.187pp. US $ 99,-

Der Klappentext:
„A result of Karen Rohlf's combined experience as a dressage professional and her immersion in natural horsemanship, this book/DVD bridges the gap between these two worlds. The material will take every horseman on a practical and philosophical journey to create healthy bio-mechanics and stronger partnerships through combining principles of natural horsemanship with the art of dressage.“

Dieses Buch war eins der besten, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Karen Rohlf teilt das Buch in 3 große Teile. Im ersten stellt sie ihre Prinzipien dar, spricht über Horsemanship und Dressur im allgemeinen, beschreibt Sinn und Zweck der Dressur und die Zutaten, die dafür nötig sind. Hier kann man gleich einwerfen, dass sich das Buch sicher nicht an Anfägner richtet, weder in Sachen Dressur noch in Sachen Horsemanship. So setzt Karen Rohlf z.B. für die später folgenden Übungen zum Zügelkontakt voraus, dass alles ohne Zügel ohnehin klappt. Wie man dahin kommt, wird nicht beschrieben, es wird vorausgesetzt, dass man das alleine hinkriegt. Eher noch ist das Buch sinnvoll für Dressur-Anfänger, die also recht weit in Sachen Horsemanship und vielleicht FreeStyle Reiten sind, aber noch wenig Erfahrung mit Zügelkontakt und Dressur im allgemeinen haben.
Im zweiten Teil geht es dann ans Eingemachte. Es ist der umfangreichste Teil und besteht aus sehr genau beschriebenen Übungen, die in Themenschwerpunkte zusammengefasst sind. Einer davon ist z.B. Energie; hier finden sich Übungen, wie man sein Pferd „vor den Schenkel“ bekommt, wie man selbst seine Energie an- und abschalten, hoch- und runterfahren kann. Ein weiterer Schwerpunkt ist Balance, hier finden sich Übungen, die das Pferd geraderichten oder das Gewicht vermehrt auf die Hinterhand bringen. Weitere wichtige Themen sind Flexibility und Mobility.
Im dritten Teil gibt es noch eine Reihe kurzer Essays zur Einstellung gegenüber dem Pferd und dem Training, die auch noch einmal sehr nett zu lesen sind. 

Am wichtigsten ist der zweite Teil. Eigentlich ist er sehr gut strukturiert. Eigentlich, denn durch die vielen Unetrkapitel und Unterpunkte verlor ich hie und da den Faden. Er ist aber definitiv da, da hilft auch noch einmal die Übersicht ganz hinten, die alle Übungen ihrem Namen nach einzeln auflistet. Man sollte das Buch wohl zuerst in einem durchlesen, um das „big picture“, das Karen Rohlf immer wieder erwähnt, einmal zu sehen, bevor man es dann wieder und wieder in seinen Details durchsieht und anfängt, die Übungen auszuprobieren.
Was mir besonders gefallen hat, war die „kochrezeptartige“ Anleitung zu den einzelnen Übungen. Hier hat man wirklich minutiös beschrieben, worauf zu achten ist, worauf man bei sich selbst achten soll und worauf beim Pferd, wie man erkennt wann es richtig ist, welche Fehler man nicht machen sollte. Am besten sollte man das Buch zum Pferd mitnehmen ;-). Manchmal steht man natürlich auch an, immer dann, wenn Pferd nicht so reagiert, wie es lt. Buch-Vorschrift eigentlich reagieren sollte ;-). Hier merkt man wieder, dass es sich an fortgeschrittene Horsemanshipler richtet, die diese auftretenden Probleme zu lösen wissen.

Nicht zu vergessen ist, dass es zum Buch eine DVD gibt. Ich habe den Fehler gemacht, mir diese schneller anzusehen, als ich mit dem Lesen des Buches hinterherkam. Ich würde empfehlen, das Buch zu lesen, und jeweils parallel die entsprechenden Kapitel auf der DVD anzusehen. Ich fand in umgekehrter Reihenfolge die DVD völlig konfus mit ihren ebenfalls vielen Unterkapiteln; Karen zeigt hier manche der Übungen mit ihren Pferden vor; den Hintergrund dazu findet man aber nur im Buch!

Ich kann das ganze Buch wirklich nur uneingeschränkt empfehlen und muss es gleich noch einmal lesen, denn ich habe die Flut an Information schon wieder halb vergessen. 

Ich würde sogar sagen, dass man das Buch auch als quasi Level 5 des Parelli-Programms bezeichnen könnte, das sich ganz besonders der Finesse widmet; es hat alles, was bei Parelli in dieser Hinsicht fehlt! Also: unbedingt lesen!

Donnerstag, 16. Februar 2012

Rezension

Jaime Jackson: The Natural Horse. Foundations for Natural Horsemanship. Star Ridge Publishing, 1997. 192pp. € 19,99.

Nachdem ich Paddock Paradise und die Natural Hoof Care Bücher von Jaime Jackson mit großem Interesse gelesen habe, habe ich auch dieses Buch erstanden.

Ich war ein bisschen enttäuscht. Vieles daran sind sehr oberflächlich beschriebene Tatsachen. Jacksons Beobachtungen an den Wildpferdeherden sind zwar interessant, aber die Erkenntnisse, die er daraus zieht, nicht wirklich neu.
Die Gestaltung gefiel mir auch nicht so, ich fand es deshalb etwas mühsam zu lesen (und ehrlich gesagt ist es eins der wenigen Bücher, die ich nicht fertig gelesen habe). Immer wieder hat er lange Tabellen, das macht das ganze recht trocken.
Ein sehr großer Teil des Buches wird von der ganzen Hufgeschichte eingenommen - mehr als zu erwarten war. Wer das Natural Hoof Care Buch kennt, kennt damit auch schon den Hauptteil dieses Buches.
Man findet viel Basiswissen, z.B. Fußfolgen der Gangarten etc.

Ich denke es ist ein nettes Buch für jemanden, der von Jackson noch gar nichts kennt und auch sonst kein großesWissen hat. Es liest sich ein wenig wie eine Zusammenfassung von "Horse Owner's Guide to Natural Hoof Care" und "Paddock Paradise". Bzw. sind wohl umgekehrt diese beiden Bücher (die m.W. später herauskamen) die Folge weiterer Forschungen und Überlegungen nach "The Natural Horse". Ich empfehle, gleich die beiden o.g. zu lesen und sich dieses hier zu sparen ;-)

Freitag, 4. November 2011

Rezension

Bill Dorrance: True Horsemanship Through Feel. 2nd Edition. Verlag Pryons, 2007. 384pp. € 23,85.


Dieses Buch bekommt von mir 6 (von maximal 5 *g*) Sterne! Sollte man als Horsemanshipler wirklich gelesen haben.

Der Inhalt ist gewaltig, teilweise sehr theoretisch, aber auch oft mit praktischen Übungen versehen, die mit zahlreichen Fotos und Fotoserien untermauert sind. Das Hauptthema "Feel" ist nicht leicht in Worte zu fassen. Trotzdem schafft Bill Dorrance es, dass man am Schluss beim Zuklappen des Buches eine gewisse Vorstellung davon hat, was er damit meint. Und durch die Anleitungen zu den praktischen Übungen auch tatsächlich auch die Idee, wie man es vielleicht erreichen kann.
Prinzipiell verstehe ich - von meinem Parelli-Hintergrund aus gesehen - Bill Dorrance's "Feel" als das perfekte Porcupine Game. Bill arbeitet offenbar viel mehr mit stetem, feinem Kontakt, weniger mit Driving Games (diese werden nur kurz erwähnt und sammeln sich offenbar unter dem Begriff "indirect feel").
Nach allgemeinen theoretischen Überlegungen zum "feel" kommt man mit Kapitel 4 dann zum praktischen Teil. Bill erklärt die Grundübungen: Kopf senken, Hals biegen, Führen, Rückwärtsrichten. Alles ist detailiert beschrieben, gut nachzumachen. Detailiertest auch die Beschreibung des Aufzäumens - wie man das Gebiss ins Pferdemaul kriegt, nimmt ca. 5 volle Seiten ein (ebenfalls reich bebildert) und hat mir z.B. extrem geholfen.
Ein weiteres Highlight ist das Kapitel zu den Fußfolgen, und da besonders zum Galoppwechsel. Das hab ich auch noch selten so schön und klar beschrieben gelesen.

Weiters gibt es ein Kapitel mit Q&A, wo zum großen Teil genau das aufgegriffen wird, was dem Leser zuvor bei der Lektüre so durch den Kopf ging.

Und was man auch nicht unterschätzen darf, ist der kommentierte Index, in dem Bill häufig vorkommende Begriffe aufgreift und noch einmal definiert, was er darunter versteht. Ich wähnte mich schon fertig mit dem Buch - "nur noch der Index" - aber der hat es noch einmal so sehr in sich, dass ich ein Monat dafür gebraucht habe.
Mehr als einen längeren Absatz oder ein Unterkapitel auf einmal konnte ich nie lesen, dazwischen musste ich immer wieder alles sacken lassen ... und das ist für mich auch recht ungewöhnlich, ich lese Bücher normalerweise in einem Zug durch, wenn sie gut sind.

Einen richtigen Schlagwortindex gibt es auch, der scheint sehr akribisch und damit hilfreich.

Schließlich noch ein Wort zur Sprache:
Das Buch gibt es m.W. nur im Original, und das ist gut so. Es wurde von Bill Dorrance gemeinsam mit Leslie Desmond geschrieben, wobei ich denke, dass sie wohl aufgeschrieben hat, was er ihr sagte. Es ist toll, dass hier nicht versucht wurde, den teilweise umgangssprachlich anmutenden Ton in irgendeiner Weise zu "bereinigen". Alles wirkt so direkt, so unmittelbar, als würde Bill Dorrance persönlich vor einem stehen und eine Konversation mit einem führen. Gleichzeitig finde ich, dass die Art, Dinge auszudrücken, eine Menge von der Persönlichkeit Bills durchblicken und einen fast zwangsläufig darüber traurig werden lässt, dass dieser so weise und dabei so bescheiden wirkende Mann nicht mehr unter uns weilt.
Die Sprache ist derart klar und eindringlich, dabei so sehr poetisch in meinem Empfinden, dass ich so manchen Absatz mehrmals gelesen hab - einfach weils so schön ist! Anfangs hatte ich mein Notizbuch neben mir liegen, um Dinge zu notieren, die ich gerne als Zitate verwenden möchte. Dann stellte sich bald heraus, dass ich von so gut wie jeder Seite zeilen- und absatzweise zitieren oder mir T-Shirts drucken lassen würde, also habe ich es aufgegeben.
Dazu passt dann auch noch der absolut letzte Abschnitt, der einige Seiten mit Gedichten oder Liedtexten umfasst.
Obwohl ich mich ewig nicht entscheiden konnte, welchen, möchte ich doch gern einen meiner Lieblings-Absätze zitieren (p. 327):
* HELPING THE HORSE: That's our main goal and through feel is how you go about this. Whatever you're trying to do is to help him. If a person approaches a horse with other ideas that do not include helping that horse, well, to my way of thinking, there's room for improvement in that. There's a place in the attitude they have about the way a horse's mind works that will make it more difficult for them to develop the better results we're talking about here in this book, I'll put it that way. No, Im in hopes that getting ghese ideas getting down in print can help them learn how to help those horses, all right. Because this is my main plan.

Fazit: Kaufen, lesen, nochmal lesen, sacken lassen und nochmal lesen ;-). Bill sitzt jetzt auf meinem Nachtkästchen und in mir der Vorsatz, jeden Abend einen Absatz zu lesen :-).

Montag, 3. Oktober 2011

Rezension

Stacy Westfall: Basic Ground Work. 2 DVDs. $49,99

Dieses DVD-Set ist genau das was der Titel besagt: Wirklich basic, wirklich nur groundwork.

Stacy Westfall beginnt mit dem Führen und Weichen in alle Richtungen und mit allen Zonen des Pferdes. Damit ist auch schon der Inhalt zum größten Teil abgedeckt. Ziemlich ausführlich werden noch Desensibilisierung mit allen möglichen GEgenständen gezeigt, sowie einige kurze Kapitel mit Schülern von Stacy.

Stacy legt v.a. viel Wert auf die Sicherheit des Menschen, ziemlich ausführlich und immer wieder wird gezeigt, wie man sich rüpelige Pferde vom Leib hält - manchmal ganz schön ruppig; Phasen wie bei Parelli gibt es nicht, daher kommt für manches (v.a. junges) Pferd das ein oder andere Seilrucken offensichtlich ziemlich überraschend.

Fazit: Alle beiden DVDs fand ich relativ langweilig, bin ja aber hoffentlich schon über "Basic" zumindest teilweise hinaus. ;-) Vom Informationsgehalt ist das Set wirklich nur für blutigste Anfänger geeignet, und für diese wiederum vermisse ich dahinterstehende Theorien und Feinheiten. Am interessantesten fand ich noch die Kapitel, wo Stacy ihre Schüler coacht, die sind aber ziemlich kurz und auch da fehlen Feinheiten. Der eine oder ander Tip mag ganz brauchbar sein, aber insgesamt würde ich mein Geld in anderen DVDs besser angelegt sehen.

Montag, 21. Februar 2011

Rezension

Alexandra Zich: Calme, en avant, droit. Ruhig, vorwärts, gerade. Ein Buch über den Weg zur Reitkunst. Schondorf: Wuwei Verlag, 2007. 196pp. EUR 19,80.

Dieses Buch ist, auch wenn der Titel ein bisschen danach klingt, keine Reitlehre, wie gleich im Vorwort klargestellt wird:

„Calme, en avant, droit […] möchte Sie sensibilisieren für unser aller Verantwortungsbewusstsein dem Pferd gegenüber. […] Es erwartet Sie keine Reitlehre – und dennoch ist dies ein Buch, das es sich zur Pflicht gemacht hat, Ihnen einen Weg zur Reitkunst zu ebnen.“

So geht es dann auch gleich los mit der Geschichte der Mensch-Pferd-Beziehung. Dabei zeigt sich sofort der rote Faden, der sich durchs ganze Buch zieht: immer steht die Beleuchtung des schmalen Grats zwischen Nutzung und Ausnutzung des Pferdes durch den Menschen im Mittelpunkt. Nach relativ kurzer Abhandlung des Einflusses des Pferdes auf die Wirtschaft, Kriegsführung usw. gibt es einen sehr schönen Überblick über die „alten Reitmeister“ – von Xenophon bis ins 19. Jh. Dabei werden auch die behandelt, über die nicht schon zig Bücher geschrieben wurden und deren Namen man nicht unbedingt dauernd hört.

Im 2. Kapitel gibt es dann doch so ein kleines bisschen Reitlehre. Anatomische Hintergründe werden behandelt, die Begriffe Gleichgewicht und natürliche Schiefe definiert und ihre Ursachen, Symptome und Auswirkungen auf die verschiedenen Körperpartien des Pferdes beleuchtet. Ich muss sagen, dass ich diese Begriffe selten so kompakt und gut erklärt gelesen habe. Weiters wird der Weg der Remonte zum künstlichen Gleichgewicht, d.h. zur Gewichtsverlagerung auf die Hanken, erklärt; und auch manches neues, das ich noch nirgendwo gelesen habe, wurde erwähnt, wie z.B., dass das Gebiss gemeinsam mit dem Hinterbein eine Drehung im Pferdemaul machen soll und dies die Voraussetzung für „durch das Genick Gehen“ ist (p. 164) – ganz ehrlich – noch nie gehört… interessant.

Immer wieder wird der Text mit Zitaten veschiedener Reitmeister gewürzt, deren Quellen – endlich einmal in der Reitsportliteratur!! – genau, korrekt und vollständig angegeben sind. Das hat wirklich Seltenheitswert ;-).

Schließlich widmet sich das 3. Kapitel dem „Pferd heute“, im Sport, in der Zucht, in Reitpferde- und Leistungsprüfungen, deren Vorgangsweise kritisch betrachtet wird. Schließlich noch abschließend – das Ende fand ich etwas abrupt – 3 neumodische Reitarten, die als falsch dargestellt werden, weil sie nur den Pferdehals bearbeiten … so weit so gut, dass dann aber nach 1) Schlaufzügeln, 2) Rollkur schließlich als 3) Philipp Karls „hohe Hand“ angeführt wird, hat mich doch etwas schlucken lassen. V.a. da nur seine Schüler angeprangert werden, untermauert durch ein winziges, schemenhaftes Schwarz-Weiß-Bild aus dem Internet einer Schülerin (deren Name nicht genannt wird) erschien mir schon irgendwie kindisch, oberflächlich und mehr wie eine persönlich motivierte Spitze, die - gerade auf der letzten Seite - am Ende noch einen komischen Nachgeschmack hinterließ.

Noch ein Wort zum Layout: Das ist… nennen wir es einmal so… innovativ. Es ist auf jeden Fall Geschmacksache – meinen Geschmack trifft es nicht ganz. V.a. die Zitate der Reitmeister sind – orange auf weißem Hintergrund – nicht sehr augenfreundlich zu lesen; aber wie auch immer, das tut dem Inhalt sicher keinen Abbruch.

Insgesamt hat mir das Buch besser gefallen als ich erwartet habe, da ich schon einige enttäuschte Meinungen gelesen hatte. Wenn man es aber nicht mit der Erwartungshaltung liest, eine Reitlehre vorzufinden, erfährt man doch kompakt und gut zusammengefasst und erklärt einiges neues.

Montag, 13. Dezember 2010

Rezension: Kerstin Diacont, Erfolgreich arbeiten mit Pferden

Kerstin Diacont, Erfolgreich arbeiten mit Pferden. Cham: Müller-Rischlikon, 2004. 159pp.

Der Titel dieses Buches von Kerstin Diacont ist etwas schwammig, und teilweise trifft das auch auf den Inhalt zu. Zwar wie man es von Diacont gewohnt ist, fundiert, gut erklärt und motivierend, doch die Aneinanderreihung der Inhalte vor allem im hinteren Teil des Buches lässt einen gewissen roten Faden vermissen; es ist nicht unbedingt ein Nachschlagewerk, in dem man schnell etwas findet, wenn man etwas bestimmtes sucht.

Der erste Teil ist noch sehr gut gegliedert und übersichtlich.

Diacont beginnt im 1. Kapitel mit der Erklärung anatomischer Grundlagen und den Grundlagen der klassischen Reiterei.

Im 2. Kapitel widmet sie sich sehr genau und interessant dem „Funktionskreis Reiter“. Sie beschreibt, was im Reiterkörper passiert, wenn er diesen oder jenen Muskel verspannt, wenn er schief sitzt, die Knie nach außen oder innen dreht, oder wie Muskelketten zusammenhängen; sie motiviert dabei, auch einmal vom Lesesessel aufzustehen und den einen oder anderen Effekt auszuprobieren, den eine kleine Veränderung in Haltung und Positur bewirken kann.

Das 3. Kapitel widmet sich dann dem „Funktionskreis Pferd“. Genau wie beim Reiter zuvor werden Zusammenhänge von Muskelgruppen und -ketten sowie Auswirkungen bestimmter Körperhaltungen erklärt und an Zeichnungen und Bildern gut veranschaulicht.

Im 4. Kapitel schließlich wird es etwas unüberschaubar. Hier beschreibt Diacont die Zusammenwirkung von beiden Funktionskreisen – denen des Reiters plus denen des Pferdes. Teil für Teil geht sie den Funktionskreis Pferd-Mensch durch, von der Hals- und Kopfhaltung des Pferdes, über Zügellänge, Rückentätigkeit bis zur Hinterhandaktivität. Es ist klar, dass derart große Themenkreise zum Teil nur angekratzt werden können. Alles erscheint logisch und ist gut erklärt, und wie gewohnt weiterhin gut bebildert und mit Skizzen und Zeichnungen untermauert.

Durch das Fehlen eines klaren roten Fadens (die Unterkapitel im letzten Teil wirken teilweise recht unmotiviert aneinandergereiht) nimmt man vielleicht aus dem Buch weniger mit, als man wahrscheinlich könnte. Deshalb keineswegs schlecht! Sondern einfach ein Buch zum Mehrmals-Lesen.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Rezension: Mark Rashid, Pferde suchen einen Freund

Mark Rashid, Pferde suchen einen Freund... denn Pferde brauchen Sicherheit. 238pp. Stuttgart: Kosmos, 2010.

Vorweg: Wie man vom englischen Titel „Horsemanship through Life“ auf den deutschen Titel kommt, ist mir ein Rätsel. Vor allem, wenn Rashid im Vorwort erklärt, warum er den englischen Titel wählte; um nämlich zu zeigen, wie sich die Einstellung, die mit Natural Horsemanship einhergeht, auf das gesamte Leben, nicht nur hinsichtlich des Umgangs mit Pferden, auswirkt. Tatsächlich bin ich hier versucht zu sagen, dass dann auch der englische Titel nicht so passend ist, es müsste vielleicht tatsächlich „Aikido through Life“ heißen – dann würden aber keine Pferdeleute das Buch kaufen, und das wäre sehr schade. ;-)

Alle von Rashids Büchern sind ja immer schon eine Mischung aus Biographie und Ratgeber gewesen. Durch aneinandergereihte Episoden aus seinen Erfahrungen als Pferdetrainer bekam man zwar kein Lehrbuch, aber jede Menge Tips, die man auf den eigenen Umgang mit den eigenen Pferden umlegen konnte.
Dieses Buch macht noch einmal einen großen Schritt hin zur Biographie und weg vom Ratgeber. Und doch habe ich aus diesem Buch am allermeisten von allen mitgenommen.
Es geht nicht um Techniken, es geht nicht um Pferdekorrektur, es geht fast ausschließlich um Persönlichkeitsentwicklung und Einstellung gegenüber den Pferden. Dabei scheut Rashid – eher ungewöhnlich in der Welt der Pferdetrainer! – nicht davor zurück, seine eigenen Prinzipien aus früheren Büchern (z.B. das Prinzip, das Erwünschte angenehm und das Unerwünschte unangenehm zu machen) zwar nicht gleich vollständig über Bord zu werfen, aber immerhin in Frage zu stellen.

Das Buch beginnt mit einem Tiefpunkt in Rashids Leben, den er sehr ehrlich und ungeschönt beschreibt: Wie er sich im Alltagstrott des Pferdetrainings verlor, eigene körperliche Probleme überging, nicht mehr genug auf die Pferde hörte und das Training immer stereotyper gestaltete... bis es zu einem Unfall kommt, der ihm die Augen öffnet und ihn dann – durch eine Zufallsbekanntschaft – zu Aikido bringt. Die Einstellung, die er beim Aikido lernt, scheint alles zu verändern und wird von Rashid direkt und erfolgreich auf das Pferdetraining umgelegt. Rückblenden auf seine Jugend in der Lehre des „alten Mannes“ dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Dieses Buch ist philosophischer und irgendwie privater als die bisherigen. Ungeschönt zeigt Rashid einen Tiefpunkt in seinem Leben und wie er sich daraus wieder aufrappelt. Das ist sympathisch und gibt all denen Hoffnung, die derlei Tiefpunkte zur Genüge kennen – also allen Pferdebesitzern ;-). Es gibt jede Menge Anregungen zum Nachdenken und Anstöße, die eigene Einstellung zu überdenken und vielleicht manches aus anderem Blickwinkel zu betrachten.
Und auch wenn man nicht unbedingt Aikido betreiben muss, um etwas aus dem Buch mitzunehmen, könnte ich mir vorstellen, dass der Prozentsatz der Pferdebesitzer unter den Aikido-Schülern seit Erscheinen des Buches ganz schön gestiegen ist ;-).

Dienstag, 3. August 2010

Rezension

Robert M. Miller: Natural Horsemanship Explained. From Heart to Hands. Guilford: Lyons Press, 2007. 186pp.

Robert M. Miller ist Veterinärmediziner, der eng mit diversen Horsemen zusammenarbeitet und die Bewegung der „Natural Horsemanship Revolution“ (wie er es selbst nennt und wie auch der Titel eines weiteren Buches von ihm ist) seit ihrem Beginn unterstützt.

In diesem Buch reiht er locker Kapitel um Kapitel aneinander, um dem Leser einen Eindruck zu geben, worum es in Natural Horsemanship geht und wodurch sie dieses v.a. von anderen Umgangsmethoden mit Pferden unterscheidet. Den größten Unterschied ortet Miller darin, dass NH mit dem kleinstmöglichen Signal beginnt, um dieses zu verstärken, bis die gewünschte Reaktion eintritt – während andere Methoden gleich mit dem stärksten Signal beginnen.

Die angewandten Methoden, die Miller selbst noch von Horsemen gelehrt wurde, scheinen für uns Europäer – zumindest für mich – eher absurd und höchstens aus Filmen bekannt. Ich denke nicht, dass es in Europa selbst vor Jahrhunderten in großem Stil üblich war, Pferde umzuwerfen, um sie danach einzureiten. Millers selbst erlebte Erfahrungen derartiger Praktiken machen den „clash of cultures“ doch sehr deutlich. Besonders eingehend war ein geschilderter Fall, in dem Miller ein Pferd einreiten sollte und seinem Lehrer berichtete, es würde schlecht wenden – worauf dieser dem Pferd kurzerhand die Vorderhufe fühlig raspelt, um es zu zwingen, mehr auf der Hinterhand zu wenden. Derartige Schilderungen haben mir klar gemacht, warum NH im amerikanischen Raum als verweichlichte Methode gilt, während es im europäischen Raum umgekehrt eher als brutal (weil konsequent) verschrieen ist. Ein interessanter Aspekt.
Miller eklärt, warum die Methoden des „Werfens“ u.ä. funktionieren – ein Pferd unterwirft sich, wenn es an der Flucht gehindert wird. Einem Pferd ein Bein hochzubinden funktioniert daher besser, um es ruhig zu bekommen, als ihm z.B. eine Nasenbremse anzulegen.

In weiteren Kapiteln geht Miller auf „tools“ wie Gebisse ein, auch mit historischem Rückblick, er erklärt wie Desensibilisierung funktioniert und beschreibt kurz das „Flooding“ und „Imprint Training“ mit Fohlen, welcher Begriff von Miller geprägt wurde (das er aber, wie er betont, keineswegs erfunden hat). Auch positive und negative Verstärkung werden in einem eigenen Kapitel kurz und bündig erklärt, um falsche Verwendung dieser Begriffe auszuschließen. Dem Begriff „Feel“, geprägt von den Dorrance-Brüdern, ist ein weiteres kurzes Kapitel gewidmet.
Etwas fehl am Platz wirkt auf den ersten Blick das Kapitel mit der Überschrift „Schimpansen“; dieses beinhaltet aber eine für mich ganz interessante Erkenntnis: Während Pferde als Fluchttiere meist von einer älteren Stute angeführt werden, ist bei Schimpansen – Primaten wie wir – ein junges Männchen der Anführer, der seine Dominanz durch Aggression zeigt. Ich denke diese interessante Beobachtung könnte eine Erklärung liefern, warum es uns Menschen so schwer fällt, Dominanz von Aggression zu trennen.

Wie erwähnt, werden die – durchgehend sehr kurzen – Kapitel lose aneinandergereiht, einen roten Faden gibt es nicht wirklich. Manche der Kapitel haben auch nicht unbedingt viel mit NH zu tun. Abgesehen von den erwähnten kleinen interessanten Aspekten wird das Buch für jemanden, der sich bereits etwas für NH interessiert hat, nicht viel Neues bieten. Dennoch ein lesenswertes Buch, denn Miller schreibt leicht lesbares Englisch und gibt einen deutlichen Einblick in die amerikanische colt-breaking-„Kultur“, die vielen Europäern wohl nicht bewusst ist.

Dienstag, 13. April 2010

Rezension: Stodulka, "Das Phänomen Francois Baucher"

Im Urlaub hatte ich schön viel Zeit zum Lesen. Vielleicht interessiert den einen oder anderen eine Zusammenfassung diverser Bücher :-) . Selbstverständlich gibt das Folgende nur meine eigene Meinung wieder ;-).
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Robert Stodulka: Das Phänomen Francois Baucher. Sein Leben – Seine Lehre – Der Mythos. Schondorf: Wuwei Verlag, 2009. 332p. EUR 68,-


Stodulkas Buch teilt sich in zwei große Abschnitte: Erstens allgemeine Informationen zur Person Francois Bauchers, Erläuterungen aus tierärztlicher Sicht zu seiner Lehre und Methode, zweitens der Text von Bauchers „Methoden der Reitkunst nach neuen Grundsätzen“, und zwar in der Übersetzung von Carl von Kopal nach der 12. Auflage dieses Werkes.

Zum ersten Teil: Da hat Stodulka wirklich große Arbeit geleistet; von der Entwicklung der französischen Schulen der Reitkunst, über eine Auflistung sämtlicher Schriften Bauchers, eine Biographie, seine Schüler, seine Pferde bis hin zu einer Analyse der Baucher’schen Methoden aus biomechanischer und veterinärmedizinischer Sicht ist hier alles dabei. Vor allem die letzten Kapitel (Erklärung z.B. der „cession de machoire“ im Sinne der Biomechanik) ist dabei sicher sehr wertvoll, wenn Stodulka auch manchmal zu vergessen scheint, dass nicht jeder seiner Leser Veterinärmedizin studiert hat (z.B. p. 141:„Das Ceratohyoid geht in das beim erwachsenen Pferd verknöcherte Epihyoid fließend in die paarig angelegten Stylohyoide über, die dann als Tympanohyod mit dem Schädel gelenkig verbunden sind.“ – Aha. Wer sich noch dazu in der Lage sieht, kann umblättern und die Fachtermini in den Bildunterschriften auf der nächsten Seite suchen; leider gibt es keine Verweise auf die Bebilderung, das hätte mir viel Verzweiflung erspart ;-) ). Hier heißt es u.U. nur einen Absatz pro Abend lesen, um die geistige Verdauung nicht überzubelasten. Die gewonnenen Erkenntnisse sind die Mühe aber wert ;-).

Was in diesem ersten Teil sehr schade ist, ist die etwas willkürliche Aneinanderreihung der Kapitel, noch mehr aber die oft mangelhaften Angaben der Quellen. Stodulka muss unglaubliche Mühe aufgewendet haben, um all die Informationen zusammenzutragen, doch in vielen Fällen ist es dem Leser nicht möglich (oder nur sehr schwer) nachzuvollziehen, wer oder was genau hier zitiert oder wiedergegeben wird, wenn er z.B. den Zusammenhang nachlesen wollte oder überhaupt seine Leseliste erweitern möchte. Von S. 59-67 gibt es z.B. ein durchgehendes Zitat, dessen Quelle unklar bleibt, Stodulka schreibt nur von einem „sehr unbekannten Text, welcher den „hippologischen Reisen“ Heinzes entstammt...“ Leider fehlt besagter (Theodor) Heinze in der Bibliographie völlig, wie auch viele andere, die nach Zitaten oder Inhaltswiedergabe nur per Nachname in Klammern genannt werden. Das ist einfach schade, manchmal möchte man den Zusammenhang eines Zitates nachlesen können ... nun gut, tut aber dem Informationsgehalt natürlich trotzdem keinen Abbruch.

Am besten im Buch hat mir dann aber der zweite Teil gefallen. Denn Stodulka ließ den Text Bauchers (in Übersetzung) nicht nur abdrucken, sondern kommentiert ihn zwischendurch, abgesetzt durch Klammer und Fettdruck. Hier wird vieles erst so richtig klar, was man bei Lektüre des bloßen Baucher’schen Textes vielleicht einfach überlesen hätte.
Einige Anmerkungen halte ich allerdings auch für überflüssig, z.B. p. 229 kommentiert Stodulka Baucher folgendermaßen: „[...] im anderen [Falle] hingegen bildet [der Reiter] aus [dem Pferd] ein fügsames Werkzeug (Partner), das sich von den Eingebungen seines Willens unterwerfen wird (führen lässt).“ Warum er meint, Bauchers „Werkzeug“ mit „Partner“ und „unterwerfen“ mit „führen“ beschönigen zu müssen, weiß ich nicht. Ich glaube wer bis hierhin gelesen hat, dem ist mittlerweile schon klar, dass Bauchers Sprache und Einstellung gegenüber dem Pferd die des 19. Jahrhunderts und daher vermutlich etwas anders als die unsrigen sind. Vielleicht wollte Stodulka ja aber nur solcherlei Aussagen in unser Jahrhundert hinüber übersetzen oder kund tun, dass er selbst das Pferd nicht als Werkzeug oder zu unterwerfen sieht.

Was ansonsten zu erwähnen ist sind die schönen Fotos und abgebildete Zeichnungen sowie anatomischen Darstellungen, die vieles schön klar werden lassen. Viele Fotos zeigen Stodulka selbst, manche Zeichnungen stammen vermutlich aus Bauchers Werk (??? auch Bildnachweise fehlen teilweise, aber lassen wir das ;-) ).

Insgesamt empfehlenswert, v.a. wenn man vielleicht noch nicht viel oder gar nichts über oder von Baucher gelesen hat, ein schöner Einstieg also in die theoretische Lehre der Légèreté! Praktischen Nutzen sehe ich momentan wenig, aber das ist, denke ich, auch gar nicht so gedacht.

Und meine I-Tüpferl-Reiterei, die muss halt sein ;-).