you live you learn you love you learn you cry you learn you lose you learn you bleed you learn you scream you learn you grieve you learn you choke you learn you laugh you learn you choose you learn you pray you learn you ask you learn you live you learn
Alanis Morissette

Freitag, 31. Januar 2014

Podestspielereien

Tsss, wie schrieb ich beim letzten Post? ... außer es wird kalt und der Boden friert...
Ja genau, 2 Tage später wurde es kalt und der vom Regen sehr nasse Sand im Viereck gefror zu einer steinharten Muggelwüste.

Ich versuchte einmal verzweifelt, etwas Handarbeit zu machen, aber da war nix zu machen, ich konnte ja selbst mehr schlecht als recht gehen, da wollte ich von Billy keine gefinkelten Seitengänge verlangen.

Aber dann.....
fiel mein Blick auf das Podest! DAS müsste doch gehen. Und es ging. Die nächsten Trainingseinheiten haben wir endlich einmal viel Zeit genommen dafür. Anfangs, bei der ersten Einheit, blieb ich stur beim Versuch, Billy durch DG die Hinterbeine aufs Podest zu "driven". Die Vorderbeine sind ja nie ein Problem. Billy stellt einen dritten Fuß dazu, traut sich dann aber nicht, diesen zu belasten, er stellt ihn nur mit der Hufspitze ab. Er wagt nicht, Gewicht darauf zu legen und so den 4. Fuß (und sich als ganzer) hochzustemmen. Große Erfolge hatte ich so keine, einmal fast hätte er sich hochgestemmt, aber meistens geht er dann lieber gleich ganz mit den Hinterbeinen vom Podest.
Bei der nächsten Einheit dachte ich, dass eine STrategie, die seit Jahren nicht funktioniert, vielleicht abgewandelt werden sollte ;-). Ich kam plötzlich auf die Idee, Billy über das Podest drüberzuschicken wie über sonstige Hindernisse. Und tatsächlich war das ein Schlüssel, wir machten einen Riesenschritt in Richtung Vollerfolg (das wären alle 4 Beine am Podest). Wieder einmal konnte man sehr gut beobachten:
Anfangs versuchte Billy krampfhaft zu vermeiden, dass er mit den Hinterbeinen aufs Podest draufsteigt. Lieber ließ er sich vorne runterrutschen und machte mit den Hinterbeinen einen Riiiiesenschritt über das ganze Podest drüber. Ich blieb geduldig dran, wieder und wieder musste er drüber. Mit jedem Mal wurde er sicherer, irgendwann stieg  er mit einem Hinterhuf drauf, zog es zwar gleich wieder weg, aber immerhin. Der nächste Schritt war, dass das Wegzucken wegfiel, er vertraute nun darauf, dass das Podest auch das Gewicht des Hinterbeines tragen würde ;-). Zum ersten Mal ging er fast "normal" drüber wie eben über eine kleine Stufe. Als nächster Schritt trat er mit beiden Hinterbeinen drauf beim Überqueren (das rechte war deutlich schwieriger), und er wurde sicherer und sicherer. Irgendwann konnte ich ihn mit beiden Hinterbeinen am Podest stoppen (vorne unten, hinten oben) und loben.
Weiter gings. Höhepunkt und weitester Fortschritt bisher war, dass er mit drei Beinen oben stand und auch verharrte, das vierte Bein hing in der Luft.
Riesenlob und aus für diesmal!

Tja, so hatte ich in 20 Minuten mehr Fortschritt als die letzten 5 Jahre, und wieder gelernt: Der Grundsatz: "Wenn du Dinge immer gleich machst, wirst du immer das gleiche Ergebnis bekommen; willst du ein anderes Ergebnis, ändere was!" - der stimmt.

Donnerstag, 23. Januar 2014

Es werde LICHT!!

Licht, Licht, LICHT, wir haben Liiiiicht am Reitplatz! *freu* *tanz* *hüpf* Und ordentliches noch dazu, der Riesenplatz wird beleuchetet, dass man sich wie im Fußballstadion fühlt!

Natürlich wollte ich das sofort ausprobieren, wie es sich da spielt. Leider war ich planlos, ich hatte nicht mit beleuchtetem Platz gerechnet und wollte eigentlich nur kurz nach dem Rechten sehen und gleich wieder fahren.
Nun ja, Billy eingepackt und für Bodenarbeit vorbereitet. Wir spielten ein wenig simples Yoyo, Circling Game mit ganz ganz vielen Richtungswechseln in Schritt und Trab, und dann über den gesamten, hellerleuchteten Platz Travelling Circles auf einen kleinen Cavaletti-Sprung zu, der in der Gegend herumstand.
Als Billy mit den Travelling Circles direkt vor dem kleinen Sprung ankam, rammte er verwundert die Beine in den Boden und machte einen ganz tollen Stop. Schließlich war der völlig plötzlich aus den Untiefen des Bodens aufgetaucht, nicht wahr? War ja nicht so, dass er gerade 10x davor, dahinter, innen und außen vorbei getrabt wäre ;-))).
Ab dem 2. Versuch fand Billy dann aber überraschend viel Gefallen an der Springerei, es sieht nun auch schon richtig nach Springen (statt Drüberstolpern wie früher einmal) aus. Aus dem Trab kann er die Entfernung schon gut taxieren und springt flüssig und in angemessener Höhe und Weite, trabt danach auch flüssig weiter. Ich ließ ihn ein paarmal am durchhängenden Seil drüberhüpfen in beide Richtungen. Focus war wichtig, wenn ich mich auf den Sprung konzentrierte, tat sich Billy leichter, in mittig zu nehmen und flüssiger.

Dann forderte ich ihn auf, den Sprung aus dem Galopp zu nehmen. DAS haben wir noch kaum gemacht. Billy tut sich schwer zu taxieren und sich die Galoppsprünge einzuteilen. Immer wieder fiel er in Trab vor dem Sprung. Danach galoppierte er brav wieder weiter. Auf beiden Händen durfte er es so oft versuchen, bis er es einmal jeweils flüssig aus dem Galopp heraus schaffte. Danach gab es sofort ein Bringback, und nachdem er das auch auf der linken Hand geschafft hatte (da brauchte es mehrere Anläufe, fällt ihm schwer!), waren wir fertig für heute.

Tja, und ab heute gibt es keine Ausreden mehr! Den Weg im Finsteren zur Halle muss ich jetzt höchstens noch absolvieren, wenn die Temperaturen soweit fallen, dass unser Platz mugglig friert. Aber sonst! Ab jetzt wird ernsthaft *ähem* trainiert!

Samstag, 18. Januar 2014

Ich war ausreiten!! So richtig echt, mit obensitzen und so!

Natürlich nicht allein, davor hab ich immer noch die Hosen voll, ist leider so. Aber ich habe nicht weit entfernt einen Bekannten, der langjähriger Wanderreiter und ein Mensch mit sehr viel Leadership ist. Seit ich mit Billy umgezogen bin, hat er mir stets angeboten, ich könnte mich ihnen anschließen, er würde mir ein paar schöne Runden zeigen und würde ohnehin regelmäßig an unserem Stall vorbeireiten. Ich lehnte die Angebote immer ab, erstens passte - wie so oft - einfach immer irgendwas nicht (Zeit, Ausrüstung, Dunkelheit, Wetter ... jaja, es gibt viele Ausreden!!) und zweitens habe ich mich - ich gebs zu - auch ein wenig geniert wegen meiner Ängstlichkeit. Er gehört eher zu den Menschen, die sowas nicht kennen und vermutlich auch nie kennenlernen werden. Die Angebote, mich mitzunehmen, wurden mit jeder Absage meinerseits dann seltener und seltener, klar. Er dachte wohl, ich will einfach nicht. Aber am Freitag hab ich mir ein Herz gefasst, schnell angerufen bevor ichs mir anders überlegen konnte, und für Samstag vormittag einen gemeinsamen Ausritt vereinbart.

Ich wurde sogar vom Stall abgeholt! Und da konnte ich auch gleich erleben, was Leadership ausmacht, sei es von Menschen oder Pferden. Ich wurde also abgeholt, die beiden Mitreiter saßen auf ihren Pferdchen und ich kletterte auf den Billy, schon etwas skeptisch, was er heute wieder für eigene Pläne haben würde. Wir hatten gerade eben das Stallgelände verlassen, das Tor lag einen Meter hinter uns. Die anderen beiden ritten los- und Billy folgte ihnen. Faszinierend. Er stapfte von alleine hinterher, obwohl es zwei völlig unbekannte Pferde waren, und der Stall gerade hinter ihm lag. Man merkte einfach auch sofort, dass sowohl Menschen wie Pferde völlig routiniert und selbstsicher und völlig entspannt sind. Seine Stute, meinte mein Bekannter, müsse überhaupt eine für Pferde sehr gewinnende Ausstrahlung haben, denn fast alle Pferde würden sich ihr sofort anschließen. Leadership halt ;-). Jedenfalls fand auch Billy, dass er sich in sicheren Händen/Hufen befand, und trottete tiefenentspannt hinter den beiden her. Hie und da hielt ich kurz an, um mehr Abstand zu gewinnen, das funktionierte problemlos, er hörte also schon auch noch auf mich ;-).

So ritten wir - die Straße entlang, AUF der Straße ein kurzes Stück, am Nachbarstall entlang, wo die Pferde ziemlich ausrasteten, als wir knapp an ihrem Zaun entlang ritten - unsere Leaderstute zuckte mit keinem Ohrwaschel, und ebenso (fast) nicht der Billy. Wir kletterten Böschungen rauf und stapften durch Pfützen, über Äste und Stämme, alles höchst gemütlich. Bei einem lauten Geräusch im Wald schaute der Billy genau einmal auf, war dann aber sofort wieder entspannt. Tja. Muss mir nur noch wer lernen, so zu sein wie unsere Leaderstute oder ihr Herrli ;-)

Dann kam der große Moment, wo wir uns trennten, und ich allein auf unbekannten, aber genau geschilderten Wegen nach Hause sollte. Ich war unsicher, ob das unproblematisch vor sich gehen würde und stieg sicherheitshalber ab. Und blieb übrigens auch unten den Rest des Weges ;-). Ich musste allein bis zur Straße, dann ein kurzes Stück direkt auf der Straße (hätte ich mich NIE getraut, wenn mich die nicht einfach hier "ausgesetzt" hätten - ich musste ja irgendwie heim kommen!), dann eine Straßenüberquerung, und das alles noch dazu in mittlerweile so dichtem Nebel, dass es auch Nieselregen sein hätte können. Wir fanden die beschriebene Wegmarkierung und folgten ihr durch schmale Wegelchen durch den Wald. Billy ging völlig zufrieden mit mir mit, er stapfte über alles drüber: Wurzeln, Stufen, Straßengraben, wir spazierten an Häusern entlang, an fremden Pferden vorbei, bis wir auf den Teil des Wanderweges kamen, den ich schon kenne, und kamen nach insgesamt 1:40 flotten Schrittspaziergang wieder zu Hause an.

Stolz bin ich auf uns!!


Donnerstag, 16. Januar 2014

Etwas, was ich mit Billy schon seit ewigen Zeiten nicht mehr gemacht habe, ist klassische Handarbeit. Das fiel mir wieder ein, als eine der Teilnehmerinnen beim Bosal-Kurs das Buch von Oliver Hilberger "Gymnastzierende Arbeit an der Hand" in der Tasche mit sich schleppte ;-).
Und DANN fiel mir ein, dass Handarbeit sich ja total gut eignet, um auf dem kleinen beleuchteten Fleck des Sandpaddocks im Auslauf ausgeführt zu werden. Denn da braucht man kaum Platz, man kann ja immer hin und her gehen und diverse Seitengänge üben. Für eine Volte ist auch genug Platz, und mehr brauche ich nicht. Trabende Seitengänge an der Hand sind noch in weiter Ferne, überhaupt nach dieser (jahre?)langen Pause.

Also, rauf mit dem staubigen Kappzaum auf die Billy-Nase!
Zuerst bin ich unseren Rundlauf des Stalles 3x flott rundherum gegangen mit Billy, zum Aufwärmen. Es war etwas neblig anfangs, aber der Nebel lichtete sich, und der Vollmond ging auf. Statt dunkler und dunkler wurde es heller und heller. Irgendwann fand ich, die Stirnlampe auf dem Rundlauf nicht mehr zu brauchen. Und dann fand ich, wenn ich auf dem Rundlauf genug sehe, dann ja wohl auch auf dem Viereck!

So war es auch, wir hatten zum 2. Mal eine tolle Einheit im Mondenschein. Das hat schon was!

Ich begann mit mehr oder weniger normalem Führen, dann mit Biegung, dann mit etwas Beizäumung. Dann auf beiden Händen abwechselnd immer wieder ein paar Schritte Schulterherein eingebaut, das klappte bald recht flüssig, hat Billy toll gemacht. Dann gingen wir über zu Kruppherein, und ich erinnerte mich bald dran, dass das immer schon recht schwierig gewesen war. Ich zerlegte es in kleine SChrittchen: Kommando für "Kruppe her!" etablieren, im Stillstand. Dann in Bewegung, aber unabhängig von der Biegung oder Stellung (woraufhin Billys Kopf natürlich stark nach außen zeigt). Dann habe ich versucht, gleichzeitig Biegung und Kruppherein zu kriegen, naaaaja. Billy verstand mich nicht oder konnte es einfach nicht und wurde langsam wieder grantig. Ich ließ es sein und probierte Renvers, also 2. Hufschlag, und Kruppe hin zur Bande bei Biegung nach außen. Aaaaha, das ging schon besser. Ich erinnerte mich vage, dass ich das bisher immer nur nach außen, von mir weg, gehend hingekriegt hatte.
Nach ein paar guten Versuchen entließ ich Billy dann. Er durfte sich zur Belohnung aufs Podest stellen und dann noch wälzen. Er kam dann nach einer Weile in den Wald schauen freiwillig zu mir und wir konnten gemeinsam heimgehen.

Ach ja, und coming soon: Reitplatzbeleuchtung!!! Die Lampen lagern schon seit einiger Zeit in der Werkstatt, und für nächste Woche wurde ihre Montage angekündigt. Ich bin sooo gespannt und freu mich riesig! :-)))

Sonntag, 12. Januar 2014

Unser 2. Hackamore-Ritt :-)

Heute hab ich nicht mit Knoti vorher angetestet, sondern ging gleich in voller Montur zum Reitplatz. Der war, wie gestern erwähnt, frisch abgezogen. Eine Riesenfläche, glatt wie ein stiller See....
Was tun heute mit dem Billytier? Ganz klar, wir reiten ein Muster in den frischen Platz :-) - Perfekt für ein Riesen-Clover-Leaf, perfekt um unsere Wendungen zu perfektionieren.

Billy war brav und eifrig. Im Schritt ein bisschen transusig wie immer, aber im Trab dann in angenehmem Tempo unterwegs, ohne jegliche Anstalten, den Trab zu unterbrechen. Das ist wirklich toll geworden. Im Gegenzug bemühe ich mich, nur ja nicht zu micromanagen, auch nicht mit den Schenkeln. Die bleiben jetzt weg.
Jede Wendung im Clover-Leaf probierte ich als Phase 1 ausschließlich übers Gewicht zu reiten. Das klappte auch gut, immer dann, wenn die Wendung in Billys Sinne war - nämlich hin zum Stall, zum Kraftfutterautomat oder zu den Kumpels. Die Wendungen in die andere Richtung brauchten dann schon mehr, manchmal reichte es die Hand auszustrecken, an bestimmten Punkten wollte er partout aber immer in die andere Richtung, da gab es dann eben als nächste Phase einen kurzen, aber deutlichen Impuls. Spätestens das wurde dann immer verstanden, und mit der Zeit auch immer unnötiger, auch an diesen "heiklen" Stellen.
Es juckte mich sehr, das Clover Leaf zum ersten Mal in meinem Leben im Galopp zu reiten. Das habe ich nie geschafft, die Wendungen waren immer zu eng für Billy auf unserem früheren "normal" großen Viereck. Ich habe es aber heute sein lassen, ich wollte nicht gleich die ganze in dieser Einheit gewonnene Feinheit wieder verderben.

Stattdessen begann ich zum Abschluss, Billy im Stand zu biegen. Das geht einfach, er kennt das vom Knotenhalfter. Die Biegung aber nach dem kurzen Impuls halten ist schon schwieriger, aber 2x mehr ein Impuls, und Billy beschließt, dass es einfacher ist, den Kopf in der Flexion alleine zu halten, als dauernd wieder hergezupft zu werden. Erfolg!
Beim letzten Versuch, ihn zu einem wenigstens kurzen Nachgeben im Genick zu bringen, brauche ich dann noch einmal Geduld. Billy versteht und versteht nicht... er beginnt sich zu ärgern, strampft auf, kriegt dann einen seiner cholerischen Anfälle und beginnt nach allem zu schnappen, was in seiner Reichweite ist - wie z.B. nach meiner 150-Euro-Mecate! Neiiiinnnnnn! *g*
Aber 5 Sekunden später hat er dann einmal die richtige Antwort gegeben, kurz im Genick nachgegeben, Oberlinie rundet sich hübsch -- Ruhe und Lob gekriegt und ab da hatte ers kapiert - "ach so, das willst du"... zupf-knick, zupf-knick, zupf-knick --> Danke schön und Feierabend, Herr Billy! :-)

Mal sehen, ob er sich nächstes Mal noch erinnern kann ;-)

Samstag, 11. Januar 2014

Tadaaa, unser erster Ritt mit Hackamore ist absolviert!

Billy ist recht zufrieden mit dem Ding auf der Nase, was sich vor allem darin zeigt, dass er auch am zweiten Tag des Wochenendes bereitwillig selbige hinhielt, als ich ihm das Bosal hingehalten habe. Da war ich erleichtert, ich habe nach dem allerersten Ritt am Samstag schon gefürchtet, dass er vielleicht davor flüchtet, wie vor dem Gebiss (nicht dass es einen Grund dafür gegeben hätte, aber bekanntermaßen braucht Billy ja nicht immer einen Grund, um irgendwas doof zu finden). Aber ganz im Gegenteil, ich hielt die Hackamore vor seine Nase, und Billy steckte sie freiwillig und zufrieden hinein.

Am Samstag bin ich großteils mit Knotenhalfter geritten; irgendwie habe ich das in den letzten Wochen und Monaten vernachlässigt. Wenn ich schon nur am Wochenende Zeit und Licht zum Reiten hatte, dann wollte ich halt auch immer unsere Übungen à la Kreinberg machen, wo die so schön klappen - aber halt mit Gebiss und zwar leichtem, aber doch stetigem Kontakt. Lieber wäre mir immer gewesen, ich könnte die gleichen ÜBungen mit der gleichen Biegung mit bloßen Impulsen reiten- was mir nur nie gelungen ist (auch mangels Trainer, der es so vermittelt) - nun, nach dem Workhsop mit Kurt, habe ich neue Ideen und neuen Mut und auch Hilfe wenn nötig, das konsequent auszuprobieren. Mal sehen, ob wir's hinkriegen!

Zuerst also auf Knoti warmgeritten. Quer über unser Riesenviereck, das war leergeräumt, weil es danach frisch abgezogen wurde. Ich hab darauf geachtet, Billy wieder mehr auf Lenkung durch Gewichtverlagerung zu konditionieren. Dabei auf einige Punkte geachtet, die wir im Hackamore-Workshop gelernt haben:
  • Oberkörper tendenziell weiter vor als zurück.  Tatsächlich hatte ich beim Workshop das Gefühl, völlig vorderlastig zu sitzen, als ich in Wirklichkeit (und von allen Teilnehmern bestätigt) den Oberkörper in der Senkrechten hatte. Den meisten anderen ging es ähnlich.
  • Arme weit vorstrecken, die Hände bleiben jedenfalls immer VOR dem Sattel(horn). Kurt wollte uns mit recht weit ausgestreckten Armen das Pferd "dirigieren" sehen (er hatte den Vergleich mit einem Dirigenten, der den Arm aus der Schulter bewegt, statt nur aus dem Ellbogen oder gar dem Handgelenk). Angewinkelte Ellbogen verleiten dazu, rückwärts zu ziehen. Tatsächlich ist rückwärts ziehen mit ausgestreckten Armen so gut wie unmöglich. 
  • In Wendungen sollten wir den jeweils inneren Arm nach vorne/seitwärts ausstrecken, mit dem Handrücken nach oben, "als wollten wir auf die Uhr schauen". Das - wie wir später auf der Holzbank ausprobierten und deutlich spüren konnten - führt ganz automatisch dazu, dass das Gewicht nach innen verlagert wird, und somit zu einem weiteren wichtigen Punkt:
  • Gewicht immer in Bewegungsrichtung!
  • In Wendungen bleibt die äußere Hand unten und vorne am Sattelblatt fixiert, um auf jeden Fall zu verhindern, dass man mit beiden Händen agiert. 
Zwei der Punkte stehen dabei in einem direkten Gegensatz zu dem, was ich in 4 Kursen von Peter Kreinberg eingetrichtert bekommen habe: Peter wollte die Ellbogen stets angewinkelt an den Körper und das Gewicht in vielen Fällen (v.a. in Volten, beim Slalom etc.) nach außen! Ersteres begründete Peter, wenn ich mich recht erinnere, mit der Gefahr sonst zu verspannen; zweiteres begründete er mit seiner Erfahrung, nämlich nicht dass er das Gewicht eigentlich nach außen haben wollte, sondern vielmehr, dass die meisten Reiter v.a. in Volten oder engeren Wendungen, oder um Pylonen herum, die innere Pferdeschulter mit ihrem Blick fixieren, also nach unten schauen. Das ist tatsächlich ein Punkt, gilt auch für mich. Peters Logik weiter: Durch das Nach-unten-schauen komme viel zu viel Gewicht nach innen/vorne und blockiere eben das innere Vorderbein. Er wollte daher, dass wir explizit nach außen/hinten sitzen, ließ uns auf einem Slalom sogar aufstehen und bewusst nach außen sitzen. Allerdings mit dem Ziel, die Innenlastigkeit der meisten Reiter zu korrigieren, sodass sie halbwegs mittig sitzen.
Ich selbst sitze mal außen, mal innen. In seitwärts-Bewegungen "schiebe" ich den Billy gern vor mir her, einfach weil es bisher immer besser funktioniert hat. Freilich verwirrt das ganze vielleicht, und ich werde jetzt einmal eine Zeitlang versuchen, konsequent in Bewegungsrichtung zu sitzen.

Nachdem Billy und ich uns so langweiliiiig über den Platz bewegt hatten, saß ich ab, schnallte das Knoti ab und die Hackamore dran, und weiter gings wie gehabt. Ich bemühte mich, den Zügel wenn möglich gar nicht zu verwenden und über Gewicht zu reiten, Schritt und Trab. Tja, und dann war unser erster Hackamore-Ritt auch schon beendet!

Hier ist nun mein Programm für die nächste Zeit:
  • Wendungen wieder perfektionieren, sodass sie auch ganz ohne Kopfstück fein justiert funktionieren. 
  • Biegung mit der Hackamore mittels Impulsen herstellen und Billy beibringen, diese zu halten.
Auf geht's! :-)







Sonntag, 5. Januar 2014

Bosal Workshop mit Kurt Murauer

Gegen Ende November ging es los mit zählen: noch 38x schlafen, noch 37x schlafen, noch ... Am 23. Dezember begann der Feiertagscountdown: noch 13x schlafen!! Moment... 13x?
Jaaa, weil Weihnachten war gestern - heute war endlich endlich unser Bosal-Workshop bei Kurt Murauer in OÖ!

Eine Handvoll (wörtlich) Hackamore- und Altkalifornien-Enthusiasten machte sich in aller Herrgottsfrühe im Dunkeln von Wien und Umgebung auf nach Ried zu Jac's Stable. Wir wurden super herzlich mit Kaffee empfangen, und dann gings auch schon los:
Zuerst einmal stand Theorie auf dem Programm. Was bedeutet altkalifornisch überhaupt? Wir erfuhren Grundlegendes zur Reitweise und zur Bedienung Hackamore. Und dann gings auch schon los zur Praxis und ans Pferd. 4 Teilnehmer durften sich jeweils eine Stunde auf Kurts und Manuelas Hackamore-Pferden in das "neue Gerät" einfummeln.

Ich war gleich als allererste dran und durfte auf dem toll ausgebildeten Jac reiten. Anfangs gab es Infos zum Sitz, Handhaltung und Impulsgebung. Und dann sollten wir uns doch tatsächlich in Bewegung setzen auch noch! ;-) Der arme Jac! Wir kamen ein bisschen wie ein betrunkenes Pärchen daher, denn die Justierung der Gewichtshilfen ist bei Jac so fein, dass ich mich - verglichen mit "Bulldozer Billy" - auf einem Formel-1-Pferd wähnte. Jac versuchte verzweifelt mich zu verstehen und bot sein Können an: Du da oben, meinst du vielleicht einen Seitengang? Diesen? Nein? Diesen? Auch nicht? Aaaaah, einfach eine Volte, na sag das doch gleich, statt da oben herumzuturnen! ;-)

Die Lenkung erfolgt bei Kurts Pferden so gut wie ausschließlich über das Gewicht; dies soll immer in Bewegungsrichtung liegen. Wir übten das auf zunächst großen, dann auch immer enger (sehr eng!) werdenden Zirkeln. Für die Gewichtsverlagerung sollten wir den jeweils inneren Arm nach vorne-innen strecken. Die äußere Hand sollte unten am Sattel bleiben. Denn wichtig bei der Hackamore: Niemals an beiden Zügeln ziehen, und auch niemals rückwärts ziehen. Jac und ich begaben uns auf einen Achter, das klappte sogar halbwegs (nachdem ich mit Hilfe zweier Hütchen die Orientierung in der Halle wieder gewonnen hatte - so einfach ist das schließlich nicht!!). Kurt zeigte uns, wie sich Jac mit Impulsen an der Hackamore stellen ließ und schließlich - mit Innen- und Außenimpulsen in Kombination - dann auch im Genick nachgab. Denn die Zügelhilfen dienen im Altkalifornischen Westernreiten ausschließlich dazu, dem Pferd die Kopfposition zu signalisieren, die man möchte. Gelenkt wird, wie gesagt, rein mit Gewicht, ebenso angehalten oder rückwärts gegangen. Kurt demonstrierte das schön, indem er von mir und Jac einen Achter in Außenstellung verlangte - Gewicht in Bewegungsrichtung, aber Kopf mit Impulsen in Konterstellung positionieren. Das klappte sogar ganz gut :-)

In den nachfolgenden Stunden gab es dann noch Erklärungen zum Rückwärts, Anhalten, Schlangenlinien und somit jede Menge Input, was wir anfänglich mit unseren Pferden zu Hause üben können.

Zum Abschluss des Praxisteils zeigte uns Kurt, was der Woody so alles drauf hat, wenn man es abfragen kann ;-). Eine sehr schöne Darbietung.

Danach ging es zurück ins warme Stüberl und es folgte noch ein sehr ausführlicher Theorie-Block zur Ausrüstung selbst. Auswahl der Hackamore für die eigenen Bedürfnisse und die des Pferdes, Arten, Qualität, einiges zur Mecate, zur Anpassung, und auch zur Terminologie sowie Tips zum Einkauf.

Zum Abschluss sahen wir uns gemeinsam noch ein Kapitel aus Jean Claude Dyslis DVD an, ein schöner Ausklang.

Und nun heißt es ran ans Gerät! Mein Bosal ist formenderweise eingespannt und wartet auf die Billy-Nase. Fortsetzung folgt! :-)