you live you learn you love you learn you cry you learn you lose you learn you bleed you learn you scream you learn you grieve you learn you choke you learn you laugh you learn you choose you learn you pray you learn you ask you learn you live you learn
Alanis Morissette

Dienstag, 31. August 2010

Das Bernie-Feeeling...

... war heut wieder da! Dieses Gefühl, dass ich Dinge hie und da auch richtig mache ;-) - im genau richtigen Moment aufhören. Eine genaue Vorstellung dessen haben, was ich vom Pferd erwarte und genau das auch bekommen. Mir meiner Phasen bewusst sein, v.a. 1 + 4. Mir meiner Standards bewusst sein und vergleichen. Feststellen dass ich bei einer Übung einen neuen Standard gesetzt habe - und genau dann aufhören :-).

Wir hatten zuerst eine ganz tolle Liberty Session. Zuerst hab ich am Draw gefeilt, denn für den Handwechsel reicht der momentan noch nicht, zumindest was den Wechsel von der besseren auf die schlechtere Seite (rechts auf links) betrifft. Andersrum geht es schon gut im Trab!
Für den Draw hat Bernie uns eine Übung gezeigt, die ich nicht kannte, er nannte sie: Come to Me. Man kann sie On Line oder auch Liberty machen. Am besten am Hufschlag entlang eines Zauns. Zuerst schickt man dabei das Pferd rückwärts, nur ganz wenig, 1, 2 Schritte. Liberty so weit wie man die Verbindung nicht verliert (inzwischen spüre ich sehr gut den Moment, wo sie flöten gehen wird - und kann vorher Schluss machen, um die Distanz so immer wieder ein winziges Stückchen zu vergrößern). Dann geht man direkt vom Rückwärts-Schicken dazu über, selbst rückwärts zu gehen und das Pferd mit ausgestrecktem Handrücken zu sich einzuladen. Wenn es gar nicth kommt, war die Distanz zu weit, und man kann den Stick dazu nehmen. Brauche ich normale aber nicht. Man geht weiter rückwärts, Tempo dem Pferd angepasst (anfangs, später kann man beginnen das Tempo zu erhöhen und das Pferd zu beeinflussen), und man bleibt stehen und gibt Pause, sobald das Pferd den Handrücken berührt. Es soll lernen, dass das der Knopf ist, der den Menschen zum Stehen und ihm die Pause bringt.
Bei uns klappt das super, erstens hat es das rückwärts Liberty (auch ohne Begrenzung mittlerweile) ganz toll verbessert, wir schaffen jetzt so 4-5 gute Schritte, ohne die Verbindung zu verlieren. Und zwar auf Phase 1. Das Herkommen wurde auch viel besser, auch Phase 1 (ich "schmelze" nur rückwärts), und wenn ich Phase 1 mit mehr Energie kombiniere, trabt er oft direkt aus dem Stand an und kommt her. Zwar hat er die Ohren dabei angelegt, aber naja, darum kümmer ich mich momentan nicht. Sobald er mich erreicht hat, sind sie wieder vorn und da ist kein bisschen Aggression, ich lese nur Spiel. Ihm macht das glaube ich total Spaß.
Überhaupt war er heute sehr gut drauf, vermutlich wegen des vielen Regens, Pferde konnten sich nicht wirklich austoben, außerdem ist ihm saukalt, der ganze Rücken war verspannt...

Dann bin ich übergegangen zum Circling Game, ein paar Übergänge, und viele viele Bring Backs auf der rechten Hand. Links klappt alles super, da wirbelt er richtig herum, wie es idealerweise sein soll, aber rechts muss ich meist 1, 2 Runden bitten. Bernie hat uns übrigens gesagt, dass auf 1x Handwechsel 5x Bring Back mit Pause kommen sollte. Puh. Also: Bring Back, Bring Back, Bring Back. Klappte besser mit der Zeit. Dann hab ich die ersten handwechsel probiert von der schlechten auf die gute Seite - klappen hervorragend, und so hab ich es nach 2x gelassen. Dann die schlechtere Seite... schwierig schwierig. Ich kann einen handwechsel machen, allerdings braucht es viele Einladungen und dann lasse ich ihn ruhig in Schritt verfallen (was meist passiert) und sogar ganz ganz kurz anhalten, um ihn dann gleich neu zu schicken. Vielelicht kann ichs so erarbeiten.
Beim GAlopp auf der rechten Hand hat mir Herr Billy dafür einen superengen Zirkel um mich rum geschenkt - ja er kann eine 6m-Volte galoppieren! Hat er selbst angeboten! Normal werde ich unrund, wenn er so enge Kreise um mich zieht, weil das oft mit Frechsein und Herdrohen verbunden ist, aber diesmal gar nicht - er galoppierte, und der Kreis wurde einfach immer kleiner, ich stand nur in der Mitte mit Riesenaugen und dachte, das darf nicht wahr sein (On Line erklärt mir Herr Billy ja immer, dass das 7m-Seil viiiiel zu kurz ist, um anständig dran zu galoppieren). Es war auch so lustig weil man richtig sehen konnte, wie er sich wirklich wirklich körperlich und geistig anstrengt, auf dem engen Kreis den Galopp zu halten. Als dann zu sehen war, dass er ihn gleich verlieren wird, hab ich ihn hergeholt und sooo gelobt und es regnete ein Leckerli (auch da versuch ich mich an Bernie zu halten: Leckerlis für außergewöhnliche Leistungen, aber nicht für jeden .... äh... wisst schon). Ich glaub er war selbst sehr stolz auf sich, und ich erst!
Links klappt der Galopp nicht so gut, da brauch ich hohe Phasen, dann gelingt meist eine Runde, wo ich in Neutral bleiben kann - und wieder fällt auf, dass wir das On Line nicht können, ist das nicth seltsam??

Ich hab mich dann noch kurz draufgesetzt um ein bisschen das Rückwärts ohne Zügel zu üben. Jaaaa, das können wir jetzt *freu freu freu*. Bernie hat uns sooo geholfen beim Rückwärts! Und heut hab ichs zum ersten Mal geschafft (nach mehreren Anläufen, auch welche mit Phase 4, aber trotzdem), dass er auf Phase 1 zwei Tritte rückwärts macht. Phase 1 heißt nur Gewichtsverlagerung nach hinten, kein Zügel, kein Stick, kein Beinwackeln! Ich war so weg vor Begeisterung dass ich gleich runtergehüpft bin, ihn abgeknuddelt hab, er hat sich ein Leckerli abgeholt und dann gings heim zu Fresschen :-). Besser hätt ich nicth aufhören können. Bin gespannt, ob er sich nächstes Mal noch erinnert ;-).

Montag, 30. August 2010

Kurs mit Bernie Zambail - 5.-8. August 2010

Teil meines Urlaubs hab ich heuer in einem Kurs mit Bernie Zambail verbracht.

Ein Traum war das! Ich - wir alle - haben sooo viel gelernt, ganz unglaublich. Die Tage waren so vollgestopft mit Erkenntnissen über die eigenen Fehler und wie es richtig geht, dass ich jeden Abend ins Bett fiel wie ein Stück Holz, um am letzten und vierten Tag ging schon fast nichts mehr rein in mein Hirn. Leider - auch unglaublich - beginnt vieles schon wieder zu verblassen, schon wieder steh ich hie und da vorm Pferdchen und denk "Moment, wiiiie war das wieder? *kopfkratz*".

Ich hab aber seitenweise mitgekritzelt, Video gemacht, v.a. von den Liberty Sessions. Danke an Bernie und die Teilnehmer, dass ich das durfte. Da ich versprochen habe dass nichts davon im www landet, wird das auch so sein, also bitte kein Video erwarten. ;-).

Was Bernie als Instruktor für mich ganz besonders von allen anderen, die ich bisher selbst mit Pferd oder als Zuschauer erlebt habe, sind seine tollen Qualitäten, was das Unterrichten anbelangt. Wir haben beispielsweise sehr sehr viel Theorie gemacht - auch wenn wir mit den Pferden draußen waren, rief er uns immer wieder in die Mitte, wenn sich bei einem etwas ergab, was für alle interessant war. Ich könnte nicht sagen, dass jetzt viele dieser Dinge ganz neu gewesen wären - einige schon, aber nicht viele. Und trotzdem hat er sie so eindringlich erzählt und erklärt, dass sie mir oft in neuem Licht erschienen oder ich so dieses Gefühl hatte, sie endlich wirklich verstanden zu haben. Oder mir endlich ein Licht aufging bezüglich einer Verbindung von Theorie und Praxis. Ganz ganz toll.

Auch das Erklären bei den Praxis Teilen hab ich noch nicht so genau und eindringlich erlebt. Sowohl, wenn Bernie selbst was vorgeführt hat an einem unserer Pferde, als auch wenn er uns zugesehen und kommentiert hat, zählte er immer die Phasen mit: 1-2-3-4. Endlich mal jemand, der wirklich haargenau erklärt, wie welche Phase auszusehen hat - dabei gab es auch noch einiges neues, was mir und allen anderen völlig neu war (z.B. das Bein-Anlegen nochmal in kleine Mini-Phasen zu unterteilen). Wenn er uns ausbesserte, war das wirklich ganz genau. Erst da hab ich gesehen, wie viel andere Instruktoren quasi "durchgehen" lassen, ohne es zu kommentieren. Ich hab sicher schon in vielen Kursen und Stunden vorher hundertmal vergessen, dass es eine Phase 1 gibt und wie die auszusehen hat - ohne dass es korrigiert worden wäre. Aber Bernie ließ es kein einziges Mal unkommentiert - und steigert so m.M. das Lernergebnis ganz ungemein.

Auch was die Trainingsgestaltung generell betrifft, gab er unbezahlbar gute Tips; etwa dass es in Level 2 kein planloses Drauflos-tun mehr geben dürfe. Weiters, was sich mir besonders eingeprägt hat und für mich wirklich hilfreich ist: Das Definieren von "Standards". Als Standard definierte Bernie das beste Ergebnis bei einer bestimmten Übung, das man jemals erzielt hat. Jedesmal, wenn man die Übung angeht, sollte das Ziel sein, diesen Standard zu toppen - und so einen neuen Standard zu erzielen. Auf jeden Fall immer vergleichen - nicht einfach vor sich hin üben, sondern überlegen - ging das schon besser, ist es heute schlechter, oder kann ich mich über einen neuen Standard freuen. So simpel es ist, so hilfreich für mich! Und ebenfalls ganz wichtig für mich Perfektionistin: Geht eine Übung zu ca. 70 % (schmunzelnd meinte er, die Perfektionisten sollten halt 80 oder 85 nehmen), dann weiter zur nächsten, was neues. Nicht ewig herumgrundeln bei den gleichen Dingen. Auch ganz ganz wichtig für mich.

Und was auch noch kein Instruktor so betont hat wie er: Loben! Eins der am häufigsten von Bernie benutzen Wörter in dem Kurs war "GUUUT, STREICHELN!!!!!". Und das Warten, bis das Pferd kaut - auch das, wie ich sagen muss, oft von Instruktoren vernachlässigt (vielleicht weil es ihnen so selbstverständlich ist). Wobei ich sehe, dass ich mir damit sehr schwer tue, so lange zu warten - weil Billy oft sehr lang braucht. Und auch nochmal aufgefrischt: Wenn ein Pferd nicht kaut, war die Stimulation zu gering (--> langweilig) oder zu stark (zu viel Druck).

Bernie hatte für mich auch ein absolut ausgeglichenes Verhältnis zwischen Milde und Strenge. Ich hab selten so feine Phasen 1 gesehen, aber auch selten eine so strenge Phase 4 (Billy musste z.B. lernen, dass man die Zähne gegen einen 4-Stern-Instruktor ganz sicher nur ein einziges Mal bleckt....), und v.a. ein wirklich unglaubliches Hin- und Herspringen zwischen beiden. Von einem gebrüllten "JETZT REICHTS!" zu einem wirklich liebevollen streicheln (*g*) in Sekundenbruchteilen. Schwer schwer nachzumachen, aber ich habe wenigstens endlich mal einen Eindruck, wie das aussehen kann, wenn man's kann ;-).

Da war natürlich noch viel viel mehr. Wir haben Riesen-Fortschritte gemacht, Billy und ich. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht wieder in den alten Trott zurückfalle, wie ich mich leider bereits öfter wieder ertappe (z.B. Phase 1 auslassen, nicht warten bis er kaut, zu viele Übungen hintereinander statt mich auf eine zu konzentrieren, mich mit "irgendwie" zufrieden zu geben etc.).

Also ich bin begeistert, genau wie die anderen Kursteilnehmer. Ich bin ein Riesen-Bernie-Fan geworden und kann nur jedem ans Herz legen, teilzunehmen - als Zuschauer ist das Input immer noch riesig.
Also: Alle Daumen hoch für diesen Kurs, danke Bernie!

Dienstag, 3. August 2010

Rezension

Robert M. Miller: Natural Horsemanship Explained. From Heart to Hands. Guilford: Lyons Press, 2007. 186pp.

Robert M. Miller ist Veterinärmediziner, der eng mit diversen Horsemen zusammenarbeitet und die Bewegung der „Natural Horsemanship Revolution“ (wie er es selbst nennt und wie auch der Titel eines weiteren Buches von ihm ist) seit ihrem Beginn unterstützt.

In diesem Buch reiht er locker Kapitel um Kapitel aneinander, um dem Leser einen Eindruck zu geben, worum es in Natural Horsemanship geht und wodurch sie dieses v.a. von anderen Umgangsmethoden mit Pferden unterscheidet. Den größten Unterschied ortet Miller darin, dass NH mit dem kleinstmöglichen Signal beginnt, um dieses zu verstärken, bis die gewünschte Reaktion eintritt – während andere Methoden gleich mit dem stärksten Signal beginnen.

Die angewandten Methoden, die Miller selbst noch von Horsemen gelehrt wurde, scheinen für uns Europäer – zumindest für mich – eher absurd und höchstens aus Filmen bekannt. Ich denke nicht, dass es in Europa selbst vor Jahrhunderten in großem Stil üblich war, Pferde umzuwerfen, um sie danach einzureiten. Millers selbst erlebte Erfahrungen derartiger Praktiken machen den „clash of cultures“ doch sehr deutlich. Besonders eingehend war ein geschilderter Fall, in dem Miller ein Pferd einreiten sollte und seinem Lehrer berichtete, es würde schlecht wenden – worauf dieser dem Pferd kurzerhand die Vorderhufe fühlig raspelt, um es zu zwingen, mehr auf der Hinterhand zu wenden. Derartige Schilderungen haben mir klar gemacht, warum NH im amerikanischen Raum als verweichlichte Methode gilt, während es im europäischen Raum umgekehrt eher als brutal (weil konsequent) verschrieen ist. Ein interessanter Aspekt.
Miller eklärt, warum die Methoden des „Werfens“ u.ä. funktionieren – ein Pferd unterwirft sich, wenn es an der Flucht gehindert wird. Einem Pferd ein Bein hochzubinden funktioniert daher besser, um es ruhig zu bekommen, als ihm z.B. eine Nasenbremse anzulegen.

In weiteren Kapiteln geht Miller auf „tools“ wie Gebisse ein, auch mit historischem Rückblick, er erklärt wie Desensibilisierung funktioniert und beschreibt kurz das „Flooding“ und „Imprint Training“ mit Fohlen, welcher Begriff von Miller geprägt wurde (das er aber, wie er betont, keineswegs erfunden hat). Auch positive und negative Verstärkung werden in einem eigenen Kapitel kurz und bündig erklärt, um falsche Verwendung dieser Begriffe auszuschließen. Dem Begriff „Feel“, geprägt von den Dorrance-Brüdern, ist ein weiteres kurzes Kapitel gewidmet.
Etwas fehl am Platz wirkt auf den ersten Blick das Kapitel mit der Überschrift „Schimpansen“; dieses beinhaltet aber eine für mich ganz interessante Erkenntnis: Während Pferde als Fluchttiere meist von einer älteren Stute angeführt werden, ist bei Schimpansen – Primaten wie wir – ein junges Männchen der Anführer, der seine Dominanz durch Aggression zeigt. Ich denke diese interessante Beobachtung könnte eine Erklärung liefern, warum es uns Menschen so schwer fällt, Dominanz von Aggression zu trennen.

Wie erwähnt, werden die – durchgehend sehr kurzen – Kapitel lose aneinandergereiht, einen roten Faden gibt es nicht wirklich. Manche der Kapitel haben auch nicht unbedingt viel mit NH zu tun. Abgesehen von den erwähnten kleinen interessanten Aspekten wird das Buch für jemanden, der sich bereits etwas für NH interessiert hat, nicht viel Neues bieten. Dennoch ein lesenswertes Buch, denn Miller schreibt leicht lesbares Englisch und gibt einen deutlichen Einblick in die amerikanische colt-breaking-„Kultur“, die vielen Europäern wohl nicht bewusst ist.