you live you learn you love you learn you cry you learn you lose you learn you bleed you learn you scream you learn you grieve you learn you choke you learn you laugh you learn you choose you learn you pray you learn you ask you learn you live you learn
Alanis Morissette

Dienstag, 11. Oktober 2011

In der letzten Woche habe ich mit Billy sehr viel an Liberty und Finesse gearbeitet. Beides habe ich über den Sommer zugunsten von Ausritten etwas vernachlässigt. Nun, da es früher wieder dunkel und das Viereck vom Regen regelmäßig überschwemmt wird, ist die Halle und damit Liberty wieder unser bester Freund ;-).

Irgendwie bin ich gerade wieder in einer abwärts-Bewegung, so im Großen und Ganzen betrachtet. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass sich die Beziehung gerade wieder verschlechtert, ohne genau zu wissen warum.

Bei Liberty hat sich durch den Kurs mit David Lichman unser Draw zum einen geradezu nach oben katapultiert. Davids Übungen funktionieren dahingehend wirklich toll! Wir machen einerseits die "kleine Zirkel"-Übung, wo Billy die ganze Zeit mich ansehen soll. Das klappt gut im Schritt, aber ich komme irgendwie nicht auf die nächste Stufe, mache keine Fortschritte. Der Draw ist super, ich freue mich - aber gleichzeitig kippt die Waage leider wieder sofort in Richtung Respektlosigkeit, und das freut mich nun wiederum gar nicht. Das Tierchen klebt an mir, drängelt mit der Schulter, ist nur schwer wegzubekommen und zeigt ziemlich respektlose Gesichtsausdrücke - fast wie ganz an unserem Anfang. Ich kann damit nun besser umgehen als früher, aber manchmal fühle ich mich unwohl. Dann kann ich ihn zwar wegschicken, aber beide schauen wir dann grantig.

Eine andere Übung, die noch mehr Draw kreiert ist der "Boomerang", wie David es nannte. Damit bereitet er das Pferd auf Handwechsel und Achten vor. Genau damit (dem Handwechsel und den Achten) hatte ich mir ja vor dem Kurs ziemlich den Draw ruiniert - Billy ging auf den Zirkel und wollte nicht mehr reinkommen - für einen Handwechsel schon gar nicht. Für den Boomerang schickt David das Pferd zuerst aus knapper Distanz (ganz am Anfang mit Seil) ganz knapp um einen Pylon herum. Wichtig dabei war, dass er das vordere Ende ansaugt, anzieht, nicht das Hinter-Ende disengagt! Genauso machte ich zuvor meine Achter, und wie die aussahen war ein Riesenunterschied zu dem Draw, den ich jetzt habe. Dieses enge Dranbleiben zu Anfang (man schickt das Pferd grade ganz knapp um das Hütchen, läuft sofort rückwärts und zieht es zu sich in die Mitte zwischen die beiden aufgestellten Hütchen - dort gibts Pause und ggf. Belohnung) schafft zumindest bei uns einen Draw, der ist schier unglaublich. Billy schießt geradezu auf mich zu. Er trabt von alleine an und kommt. Mitverantwortlich dafür ist natürlich das viele Leckerli-Füttern, das David auch macht - er ist ziemlich motiviert, sogar übermütig.
Und eben der Übermut macht mir wieder zu schaffen. Da spielen wir Boomerang und das Pferd sieht sich bemüßigt, nicht nur auf mich zuzutraben sondern mach 2 Galoppsprünge - und schon kriegt Frauli Angst, ob das jetzt ein Angriff ist und verbietet den Übermut :-( - und Pferd kennt sich schon wieder nicht mehr aus. *seufz*
Ich glaube ich muss mal Davids "Long distance Coaching" in Anspruch nehmen.

Die andere Baustelle, die ich nicht und nicht in den Griff kriege, ist Finesse. Kontakt findet Billy generell bäh, scheinbar. Ich dachte immer es liegt am Gebiss und dass ich mit dem Glücksrad, auf das er ja gut anzusprechen schien, nun eine längerfristige Lösung gefunden hätte, zumindest für die Anfänge von Kontakt-Reiten. Billy nahm - so glaubte ich zu fühlen - den Kontakt gut an, er lehnte sich nicht drauf, folgte dem Zügel brav nach unten (ohnehin kein Problem) oder oben (wenn, dann war das schwieriiger) sowie zur Seite - alles mit sehr wenig Einwirkung. Wenn ich uns im Spiegel betrachtete, sah es zwar immer noch aus als würd ich auf einer Kuh sitzen, aber gut... braucht ja Zeit.
Nur beim letzten Mal zeigte mir Billy allzu deutlich, was er auch vom Glücksrad hält - goar nix! Ich nahm ihm den Zaun ab, damit er sich wutzeln konnte. Wollte ihn dann wieder drauf geben, um ihn zurück zum Putzplatz zu führen (ich hatte nix anderes mit in der Halle). Denkste. Billy veranstaltete mit mir ein sage und schreibe dreiviertelstündiges Catching Game. Mit dem Zaum ließ er sich schlicht und ergreifend nicht mehr anfassen. Bzw. - anfassen schon, aber den Zaum angehoben - weg war das Pferd. Nicht panisch, sondern mit Abscheu im Gesicht schlenderte er vondannen. Und ich war meinerseits zu stur zu gehen und das Knoti zu holen, also haben wir uns eben 45 Minuten so beschäftigt. Ich war ziemlich frustriert - doch nix mit dem Glücksrad. Bzw. : Was mache ich derart falsch, dass ich so ein Feedback bekomme? Ich hatte ihn in der Hauptsache am langen Zügel gehen lassen, mit kurzen Episoden zwischendurch, in denen ich den Zügel vorscihtig Stück für Stück aufnehme und Kontakt suche - dann wieder lang lasse. Und im Stehen hatten wir geübt, den Kopf anzuheben, einfach dem Zügel zu folgen. Nur auf leichtes Zupfen hin. Mit dem Knotenhalfter hab ich jedenfalls schon weit gröber eingewirkt (nicht unbedingt absichtlich) - und in das steckt er nach wie vor von selbst den Kopf.

Also manchmal versteh ich das Pferd einfach nicht. Und ich hasse es wenn ich was nicht verstehe :-(.

Gleichzeitig (schon vor der Un-Glücksradepisode) habe ich wieder von vorne begonnen, Billy ein neues Gebiss schmackhaft zu machen. Ich hab ein Billy Allen Bit gekauft, das seitlich beweglich, aber eigentlich eine Stange ist. Vielelicht mag er sowas lieber als die doppelt und einfach gebrochenen, die ich bisher hatte. Beim Reingeben vom Gebiss machen wir ganz gute Fortschritte, d.h. ich mache die. Geholfen hat mir dabei das Buch von Bill Dorrance, das ich grad lese/gelesen habe (s. auch rechts in meiner Leseliste). Da beschreibt er auf mehreren Seiten minutiös genau, wie man dem Pferd ein Gebiss wirklich ins Mäulchen schiebt - und tatsächlcih, so bewusst gemacht, funktoniert das besser! Ich kann das Buch nur empfehlen. Ich denke ich war meist zu hektisch dabei - Maul ist auf, oh, meine Chance, rein mit dem Biss! Jetzt mache ich viel viel langsamer, schieb es mit den Fingern vorsichtig dorthin wo es liegen soll und lasse Billy dann ein bissl herumprobieren, wie er es halten will. Dieses Gebiss versucht er zum ersten Mal nicht sofort wieder auszuspucken, er hält es sogar selbst fest (es ist derzeit noch Gebiss pur, ohne jegliche Riemen dran - ich halts nur mit beiden Händen an den Ringen fest). Das Rausgeben, das ja immer die noch viel größere Katastrophe war (Maul auf, Gebiss halb raus, dann Kopf in die Höhe reißen und Zähne wieder zuklappen, alles auf einmal), geht so auch viel besser. Er reißt den Kopf nun fast nicht mehr hoch und versteht nun langsam, dass das Gebiss nur raus kann, wenn er das Maul weiter aufmacht ;-).
Ich habe jetzt 7x so geübt, und als nächster Schritt kommt jetzt 7x üben mit Genickriemen und Gebiss für kurze Zeit festhängen. Mal sehen wie es weitergeht. Was ich auf jeden Fall vom Dorrance-Buch auch mitgenommen habe: Die Backenstücke vom Zaumzeug stelle ich aufs weiteste Loch, damit es komfortabel über die Ohren geht. Wie sagt er doch: Man knöpft sich schließlich auch das Hemd auf, wenn man es an- oder ausziehen will ;-).

3 Kommentare:

Marion Princic hat gesagt…

ah das war ja lustig, ich hab mir nähmlich grad das buch vom tom torrance bestellt :).
und danke das du ausfuehrlich die achten in liberty beschreibst, jetzt weiss ich nähmlich was ich falsch mache. ich disengage nähmlich die hinterhand anstatt wie du beschreibst sie mit draw zu mir zu bringen. das probiere ich gleich mal morgen. mein achten funktionieren nähmlich gar net in liberty momentan.

Nicole hat gesagt…

Witzig aber so ein ähnliches Problem hab ich momentan auch. Der Draw war bei uns immer ein Problem. Wenn ich sie aus dem Zirkel ansaugen wollte hat sie sich zwar zu mir gedreht, ist aber dann stehen geblieben und war nur mit sehr viel Druck dazu zu bringen zu mir zu kommen. Mit viel Leckerli gings dann so einigermaßen aber der Handwechsel war schwierig. So nah dem Motto: Erst willst du das ich rein komme und dann schickst du mich wieder weg.
Dann haben wir angefangen at Liberty zu arbeiten und haben es dann geschafft schön auf einem Zirkel zu bleiben und sogar ein paar super Achten waren dabei.
Dann gestern, ich bin nach Hause gefahren und hab gedacht: Was habe ich jetzt kaputt gemacht?? Wir haben erst online auf dem Zirkel gearbeitet. Bei den Trab/Schritt Übergängen meinte sie immer zu mir rein zu kommen. Dann gabs einmal einen Knall und sie hat das Seil über den Hintern bekommen. Von da an war der Draw gleich null :-( Ansaugen ging wieder gar nicht und an Achten war gar nicht zu denken. Sie hat mich immer nur angeschaut wie eine beleidigte Leberwurst und ist stehen geblieben und hat auch manchmal übertrieben weg geschaut (Unsicherheit). Ich habs dann einmal geschafft sie online um ein Hütchen rum zu schicken und sie dann angesaugt und hab dann Schluss gemacht.Puuuhh
Vielleicht war die eine Situation zu viel Druck bzw. die Phase zu hoch, keine Ahnung.Da ist sie ja sehr empfindlich.
Die Bommerang-Übung werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren.
Generell glaube ich, dass dieses ganze raus bzw. weg schicken was ich früher viel machen musste weil sie ja frech ohne Ende war den Draw ziemlich "kaputt" gemacht hat. Ein schmaler Grat.

BB hat gesagt…

Ein schmaler Grat, da hast du recht!!

Um ein Hütchen rumschicken und dann gleich ansaugen - das ist genau die Boomerang-Übung (die man dann zur Acht ausweiten kann).