you live you learn you love you learn you cry you learn you lose you learn you bleed you learn you scream you learn you grieve you learn you choke you learn you laugh you learn you choose you learn you pray you learn you ask you learn you live you learn
Alanis Morissette

Sonntag, 1. Juli 2012

Rezension


Mark Rashid: Whole Heart, Whole Horse: Building Trust Between Horse and Rider. Skyhorse Publishing, 2009. 205 pp. € 21,99.


Mark Rashid ist ein fantastischer Geschichtenerzähler. In Whole Heart, whole Horse nimmt er uns mit auf eine Erinnerungsreise. Kreuz und quer durch seine Jugend bis hin zur Gegenwart bringt er Episoden, die den Leser nachdenklich machen, manchmal aber auch ganz konkret weiterhelfen. Wir begleiten Mark durch seine Jugend, wo wir natürlich dem „alten Mann“ wieder begegnen, bei seinen Kursen, im Alltag.

Das Buch ist in thematische Kapitel unterteilt. Die Kapitel im ersten Teil, „Perception“, widmen sich Themen zur Einstellung des Horseman, sie ändern den Blickwinkel und die Wahrnehmung des Lesers und helfen, sich ins Pferd zu versetzen.

Gleich im ersten namens „Mistakes“ lernen wir, dass die Angst vor Fehlern jeden Fortschritt zum Stillstand bringen kann, dass auch ein Mark Rashid Fehler gemacht hat und noch macht, dass aus Fehlern manchmal ganz wunderbare Ereignisse entstehen können, und schließlich die Quintessenz des „alten Mannes“: „Did you learn something today? Because if you did, it wasn’t a mistake.“

Das zweite Kapitel widmet sich dem Thema „Boundaries“: Mark erzählt, was Einkaufswagen im Supermarkt mit Horsemanship gemeinsam haben, über Pferde, die keine Boundaries kennen, und welche, für die die Boundaries ihrer Besitzer unüberwindbare Hindernisse in der Beziehung darstellen.

3. Trauma. Wir kehren zurück in Marks Kindheit, lernen mit ihm, wie sich manche Dinge von allein lösen, wenn man der Natur (und dem Pferd) einfach ihren Lauf lässt, und springen zurück in die nahe Gegenwart, als er durch Zufall und einen Kursteilnehmer den Grund dafür erfährt.

Information: Mark nimmt uns mit zum Pferde-Einkauf und erzählt, wie kleine Ursachen große Wirkung haben können und wie man lernt, dass alles, was ein Pferd tut, nicht gut, nicht schlecht, sondern einfach nur Information für uns ist.


Der zweite Teil nennt sich „Leadership“. Nachdem es zuerst um die Wahrnehmung ging, geht’s nun um die Taten des wahren Horseman.

Zuerst teilt Mark seine Gedanken zu „Direction, Speed, Destination“ mit, warum Pferde ungern Entscheidungen treffen, Menschen aber umso lieber – und warum sich die Rollen trotzdem oft umkehren. Er spricht sich für klare Führung des Pferdes aus und stellt die Methode, Pferde die Verantwortung für Richtung und Geschwindigkeit abzutreten, in Frage, zumindest für junge Pferde und solche, die nicht schon perfekt ausgebildet sind. Er erzählt von dem Pferd, das wie ein Betrunkener hin und her schwankt und dem Springpferd, das immer vom Kurs abkam – beides aufgrund mangelnder Führung.

Ein wichtiger Punkt in Sachen „Leadership“ ist auch die „Energy“, Kapitel 2 im entsprechenden Teil des Buches. Mark berichtet von Pferden mit zu viel und solchen mit zu wenig Energie und bringt – anhand eines Beispiels aus einem seiner Kurse – Übungen, wie man die eigene Energie „hochfahren“ kann.

Im folgenden Kapitel „Balance Point“ geht es um ähnliches. Wer Parelli kennt und unter Balance Point etwas versteht, was mit dem Sitz des Reiters zu tun hat, muss erst einmal umdenken. Der „Balance Point“ ist für Rashid der Punkt, an dem die Emotionen und Energie von Pferd und Reiter ausbalanciert sind. Gemeinsam sollen sie 10 Punkte auf die Waage bringen, idealerweise 5 vom Pferd, 5 vom Reiter. Macht die Energie des Pferdes einen Ausreißer nach oben, so muss der Reiter seine senken, um wieder auf die 10 Punkte zu kommen. Und umgekehrt, senkt ein Pferd seine Energie auf wenige Punkte, muss der Reiter mit seiner eigenen Energie ausgleichen.
Wichtig ist hier auch der Grundsatz: „Do less sooner“. Mark bringt das Beispiel eines Balance-Bretts, auf dem man zu stehen versucht. Je früher man winzigste Korrekturen vornimmt, umso sicherer steht man darauf. Lässt man das Brett erst einmal in eine Richtung stark kippeln, ist es viel schwerer, es wieder auszubalancieren, oder sogar unmöglich.

Es folgt der letzte Teil des Buches: „Whole Horse“. Wer gefühlsduselig ist wie ich, sollte jetzt die Taschentücher holen gehen.
Mark erzählt nun – über mehrere Kapitel verteilt – die Geschichte wie er als Kind und Schüler des „Alten Mannes“ das erste Mal eine außergewöhnliche Beziehung zu einem Pferd, einfach nur „Der Schwarze“ genannt, entwickelt - ein misshandeltes Pferd, das der alte Mann übernimmt, aufpäppelt und dem er das Vertrauen in die Menschen wieder zurückgibt. Die Kapitel des letzten Teils sind dabei nach den Stufen benannt, die diese Umwandlung durchläuft: Consistency, Dependability, Trust, Peace of Mind und Softness. Genauso wie Der Schwarze diese Stufen durchläuft und so sein Vertrauen in die Menschen wiederfindet, so muss jedoch auch der junge Mark die gleichen Stufen durchlaufen, bis er  Vertrauen in Den Schwarzen findet. Denn zu Anfang wird er vor ihm gewarnt. Er sei tendenziell gefährlich, und so entwickelt er eine so große Angst, dass er regelrecht vermeidet, zur Ranch des alten  Mannes zu fahren – bis dieser ihn in einer Notsituation aufsucht und um Hilfe bittet. Mark wird nun gezwungen, sich seiner Angst zu stellen und Den Schwarzen zu versorgen – und es entwickelt sich eine höchst außergewöhnliche Beziehung zwischen den beiden. Der kleine Mark schenkt dem Schwarzen schließlich sein ganzes Herz – und dieser ihm im Gegenzug sich selbst …. Whole Heart, whole Horse.

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