Billy wird gerade von einem ranghöheren Wallach ein wenig vermöbelt als ich komme, und indem ich ihn befreie, kann ich so viele Pluspunkte sammeln, dass er freiwillig mitkommt und sich brav aufhalftern lässt. Am Putzplatz haben wir das übliche Spiel wie die letzten Tage – schnapp hier, schnapp da, Strick lutschen, Haken lutschen. Seit Billy wieder versucht hat, mich an der Wand einzuquetschen und auszutreten, habe ich als „Sicherheitsleine“ einen Baumwollzügel in den seitlichen Halfterring geschnallt, damit ich zur Not den Kopf zu mir herholen kann; ziemlich bald bereue ich, mir diese Dinger nicht in Schwarz gekauft zu haben – Billy findet jedenfalls, dass die noch so richtig eingespeichelt gehören und schreitet eifrig zur Tat. Danach hebt er ungefragt alle vier Füße nacheinander hoch in der Hoffnung auf ein Leckerli. Ich putze ein Weilchen weiter, dann erst frage ich die Hufe ab und es gibt die Belohnung. Das Hufe-heben gefällt Billy mittlerweile so gut, dass er ausschlaucht dabei
Er lässt sich brav das Knotenhalfter überstreifen (jööööö, was neues zum Lutschen!!) und geht brav mit – keine Selbstverständlichkeit, in letzter Zeit haben wir uns auch wieder an das ich-bleibe-einfach-nach-jedem-Schritt-stehen-und-warte-was-sie-tut-Spiel erinnert. Der Weg zur Halle ist eine einzige Eislaufbahn, aber wir schaffens.
Soooo, in der Halle angekommen krame ich meine ausgeklügelten Pläne aus dem Kopf hervor: Wir machen Zirkeltraining! 4 Mini-Übungen möchte ich so in rascher Abfolge kombinieren, dass dem kleinen Racker nicht allzu viel Blödheiten einfallen. Ich räume eifrig Stangen her, Billy lutscht inzwischen interessiert an einem leeren Kanister, den ich hergeräumt habe, um eine Stange schräg zu stellen (die Kanister stehen bei uns als Pylonenersatz herum), und als es auffällig nach Benzin zu riechen beginnt, nehme ich ihm den lieber weg – scheint noch nicht so lang leer zu sein, das Ding.
Nun gut, der Plan ist folgender: Wirklich lauter Mini-Übungen, alle nicht neu, aneinander gereiht: Ich möchte die lange Seite entlang führen, in der Mitte der langen Seite stehen bleiben, dann soll Billy mal seine Kruppe auf Zeichen mit dem Stick einen Schritt nach innen drehen (haben wir schon mal gekonnt, war aber eine schwere Geburt), dann weiter geradeaus gehen, am Ende der langen Seite eine halbe Hinterhandwendung nach innen (auch schon bekannt) – wieder zurück und das ganze auf der andern Hand. Dann über eine Stange lotsen, dabei jeden Fuß einzeln abfragen (das ist relativ neu, aber für Billy eine einfache Übung). Danach möchte ich ihn weg auf den Zirkel schicken und über die schräg gestellte Stange gehen, dann traben lassen und vielleicht macht er auch ein Hupferl drüber. Danach nochmal über die am Boden liegende Stange, diesmal die Hinterbeine einzeln abfragen. Nochmal die Kruppherein- und Hinterhandwendungs-Geschichte, dann das Hupferl auf der andern Hand. Dazwischen versuchen, ob er auch ins Gebiss beißen möchte (hab ich in der Hosentasche für den Fall der Fälle).
Soweit die Pläne. Gedacht, getan. Äh, oder auch nicht.
Ich führe Billy die lange Seite entlang. Funktioniert!! Ich möchte an der Mitte der Seite stehen bleiben. Billy mag aber lieber herschnappen als stehenbleiben, das geht schon mal schief, wir bauen eine Volte ein, bis Billy wie geplant am Hufschlag steht. Viiiel Lob für diese Leistung. So, nun soll er einfach den Hintern einen Schritt in die Bahnmitte drehen. Wie schon geübt, helfe ich ihm, indem ich seinen Kopf sanft nach außen drücke, dabei drei, vier Schnapper abwehre und mit dem Stick über dem Rücken leichten Druck auf die äußere Kruppe ausübe. Billy biegt sich wie eine Büroklammer nach außen und beißt fröhlich in den Stick, aber trotz anatomisch beinahe unmöglicher (freiwilliger!) Stellung macht er keinen Schritt nach innen. Na gut, darauf war ich vorbereitet, bleibe hartnäckig. Weil er den Stick nicht erwischt, dreht sich Billy um und schnappt nach meinem Ärmel. Ups, er weiß wer das Ding bedient! Dann geht er nach vorne weg, wir drehen uns in einigen kleinen Volten, bis er wieder steht. Und so weiter und so fort, irgendwann gibt’s noch einen genervten Tritt nach dem Stick, der die Bande trifft. Dabei verliert er ein bisschen das Gleichgewicht und macht mit dem Hinterbein einen Schritt nach innen. HALLELUJA!! Looob! Ob er das kapiert hat?!
So, 10 Minuten um und die erste Mini-Übung geschafft. Ich bin zu warm angezogen und schweißüberströmt.
Ab zum Ende der langen Seite, halbe Hinterhandwendung nach innen. Es ist keine astreine, anfangs gut, zum Ende hin wird’s eher eine Mini-Volte, aber egal, wir haben umgedreht. Wieder anhalten in der Mitte der Seite. Das ist die schlechtere Hand, Billy will nicht anhalten, dann gibt’s wieder diese blöde Übungen. Wir kreiseln wieder ein bisschen umeinander, bis er steht. Lob. Auf dieser Seite ist die Herschnapperei deutlich heftiger und einen Tick aggressiver. Ich fordere den einen einzigen Schritt mit der Kruppe nach innen – Billy startet – *mir doch wurscht* wie ein Bulldozer nach vorne durch. Wir kreiseln, bis wir wieder am Hufschlag stehen. Nochmal eingefordert, Billy stapft wieder ungerührt weiter nach vorne, auf Versuche ihn vorne zu begrenzen, schnappt er her, beißt in den Stick, kriegt nen Klaps, schnappt aggressiver, kriegt noch nen Klaps, nimmt den Strick ins Maul und lutscht und kaut beleidigt. Ich bin froh, dass ich nicht das sündteure original-Parelli-Equipment angeschafft habe sondern den 12-Euro-Strick von Krämer und fordere nochmal den einen einzigen Schritt nach innen und mit viel Phantasie kann man akzeptieren, dass er dem Wunsch nachkommt, vielleicht wars auch Zufall, aber egal, Lob und kurz Pause. Am Ende der langen Seite Hinterhandwendung in die andere Richtung. Die gerät wieder eher zur Mini-Halb-Volte, aber gut, er weicht immerhin mit der Schulter, wenn ich es möchte.
Uff, der Schweiß tropft von meinem Ellbogen in den Ärmel, und ich hab ungefähr 200 Puls. *oooooooooooommmmmmm*.
So, jetzt die Übung mit der Bodenstange. Ich stelle mich jenseits der Stange auf, lotse Billy drüber, nach dem ersten Bein hebe ich den Finger und er hält brav an. Mit leichtem Seilwacheln schicke ich den Fuß wieder zurück. Funktioniert, Lob, bisschen stehen als Belohnung. Dann den andern Fuß. Funktioniert. Sag ich ja, das ist eine Übung nach Billys Geschmack. Dann beide Vorderfüße, dann beide wieder zurück.
Gut, nächste Übung: Ich möchte Billy raus auf einen großen Zirkel schicken und mich dann der schräg gestellten Stange nähern, damit er drübersteigt oder sogar –trabt. Tja nur, die Übung, die schon so gut funktioniert hat, wird immer schlechter. Billy will um nix in der Welt raus auf den Zirkel. Wahrscheinlich hab ich ihm schon beigebracht: Zirkel = Arbeit. Na toll. Den Kopf ständig zu mir gedreht, übersteigt Billy eifrig auf einer Volte rund um mich herum und wird dabei langsam aber sicher grantig. Versuche, ihn mit dem Stick rauszutreiben, enden mit dem Stick in Billys Maul und seinem Versuch, das blöde Ding durch Hin- und Herschütteln zu töten. Ich versuchs wieder und wieder, Billy wird grantiger und grantiger; bevor die Situation eskaliert und er mich ansteigt, hör ich lieber auf und heb mir das für die nächste Trainer-Stunde auf. *ommmmmmmmmmm*
Ich versteh’s nicht ganz, das klappte wirklich schon supergut. Durch die Seitwärts-Übung hat er aber wirklich gelernt, sich da zu entziehen… .
Ich gebe also den Plan mit dem Zirkeln und Stangenspringen auf – den Flexiblen gehört die Welt. Kurz überlegt – wo liegt das Problem? Billy weicht nicht mit der Schulter. Er geht brav rückwärts, aber mit der Schulter raus auf die Zirkellinie und dann Vorwärts, das klappt nicht. Also hier nochmal ansetzen. Ich krame den Clicker raus und Billy kriegt eine lange Lippe. Ich beschließe, Schulterweichen aus der Nähe zu festigen, stelle mich neben ihn, drücke seinen Kopf weg, tippe mit den Fingerspitzen auf die Schulter. Wir kämpfen ein wenig, JETZT möchte Billy gerne vorwärts gehen. Schließlich kann ich ihm einen überkreuzenden Schritt mit der Vorhand abringen – Click, Lob. Billy wird motiviert (man könnte auch gierig sagen), es klappt besser und besser, ich tippe jetzt mit den Fingern nur noch ganz leicht vorne in Gurtlage an, und er kreuzt die Beinchen. Einmal kriegen wir sogar eine ganze Hinterhandwendung zusammen, bei der die Hinterbeine auch wirklich auf dem gleichen Platz stehen bleiben.
Danach eine kurze Pause, ich biete ihm sein Gebiss an. Aha, in alles wird reingebissen, aber das Gebiss ist bäh, Billy reißt den Kopf hoch und verdreht die Augen. Neugierig ist er aber schon und schnüffelt dran. Ich halte es ihm vors Maul, ein kurzes Gerangel, und schwupps is es drin
Dann noch die Schulterweich-Übung auf der andern Hand. Die schlechtere Seite, ein-, zweimal wird die Situation ungut, Billy schnappt in einem fort her. Aber auch da kreuzt er dann doch die Beinchen und wendet zumindest eine halbe Umdrehung auf der Hinterhand. Brav. Wenn ich versuche, den Abstand zu vergrößern und das Antipp-Signal mit dem Stick zu geben statt mit der Hand, funktioniert wieder gar nichts. Also nochmal nahe stehend geübt, dann viel Lob, die Stangen weggeräumt und die Eisbahn wieder zurückgeschlittert, Billy sein Abendmahl verabreicht, dabei die Mauke eingeschmiert, die leider wieder aufgetaucht (war schon weg) und schlimmer geworden ist, was er sich heute wirklich seeehr brav gefallen ließ (ist auch nicht so selbstverständlich).
Man kann sagen was man will, Zirkeltraining war’s wenn auch anders als geplant
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