you live you learn you love you learn you cry you learn you lose you learn you bleed you learn you scream you learn you grieve you learn you choke you learn you laugh you learn you choose you learn you pray you learn you ask you learn you live you learn
Alanis Morissette

Dienstag, 20. Juli 2010

Kursbericht

Am 19.+20. Juli hatten Billy und ich mit ein paar Stallkollegen bei uns im Stall Parelli-Kurs mit Martin Wimmer. Ich war, wie früher geschrieben, mehr als skeptisch und hatte gar keine Lust, wegen der Probleme, die sich mit Billy wieder aufgetan haben. Alles was ich denken konnte war, dass wir - als Momentaufnahme - noch schlechter sind als im Vorjahr (und das war schon ordentlich schlecht) - es war mir einfach nur peinlich.
Tatsächlich war der Kurs dann gut und hat mir viel gebracht! Don't make assumptions, gell? ;-). Das Niveau war generell niedriger als das des Kurses im Vorjahr (dort war es 1 Level höher als eigentlich angekündigt), was mir entgegenkommt - ich hab einfach auch noch viele Lücken im Level 1.

Wir haben am ersten Tag nach Theorie-Einheiten (wo zwar für mich nicht viel Neues gesagt wurde, aber es ist doch immer wieder faszinierend, wie schnell man bestimmte Dinge vernachlässigt/verdrängt/vergisst) OnLine auf unserem etwas sehr wassergetränkten Platz gemacht (glich einer Schlammschlacht, macht aber nix). V.a. rückwärts und seitwärts, und bei beidem hab ich viel Input bekommen - sind eh unsere größten Baustellen! Seither hat sich das Seitwärts ohne Zaun endlich endlich gewaltig verbessert (oder anders gesagt: klappt endlich). Obwohl ich es - theoretisch - eh weiß, hab ich wieder meine ganzen Inkonsequenzen gesehen und wie ich die abstelle. Martin hat jedem einzelnen von uns - je nachdem wo er stand - passende Tips gegeben, um von dort aus Fortschritte zu machen.
Am Nachmittag wurde dann geritten, mit Präzisionsübungen für Vorwärts und Rückwärts. Dass wir das Rückwärts durchgenommen haben, war ich sehr dankbar - ist ja eine unserer größten Baustellen, sei es nun On Line oder Liberty oder beim Reiten. Rückwärts findet Billy einfach *bäh*. Wieder war das, was ich da gelernt hab, nichts wirklich neues - ich weiß all diese Dinge - nur warum führe ich sie nicht durch, wenn ich allein bin? *grübel* Einen neuen Trick hab ich auch gelernt, nämlich dem Billy, wenn er den Büffel gar zu sehr raushängen lässt und auf stur schaltet (dass er weiß, worum es geht, ist deutlich), darf ich ihm vom Rücken aus mit dem Stick unters Kinn tapsen. Tatsächlich logisch! Und wirkt! Im Gegensatz zu "auf die Nase tapsen", da nimmt er selbige ja doch nur zur Seite.
Martin hat uns dann noch mit Strings, die wir in den Händen hielten, "zusammengespannt". Zuerst paarweise, dann zu viert. Und uns so auf Bahnfiguren und in Übergänge vom Schritt zum Halt, zum Rückwärts und wieder vorwärts geschickt. War lustig!

Am zweiten Tag gabs nochmal Theorie, die diesmal auch für mich neu war (oder zumindest etwas, was ich wirklich gründlich vergessen hatte). Nämlich nach den (bekannten) Phasen der Bestimmtheit (die typischen Parelli-Phasen von 1-4) die Lernphasen beim Pferd (und natürlich Mensch). Auch 4. Vielleicht sollte man sie eher "Stufen" nennen, um eine Verwechslung mit den Phasen der Bestimmtheit zu vermeiden.
Weil ich das wirklich noch nicht so behirnt hatte zuvor, schreibe ich es auf...

Lernstufe 1: Lernstufe. Neue Übung wird vorgestellt. Die Lernstufe dauert nur kurz, einige Wiederholungen, nur solange, bis man erkennen kann, dass das Pferd das Prinzip verstanden hat und weiß, worum es geht.
Lernstufe 2: Kontrollstufe. Pferd und Mensch können die Übung immer kontrollierter ausführen, d.h. so gut wie immer und in allen möglichen Umgebungen. Ich hätte es vielleicht eher "Festigungsphase" oder so genannt. So hab ichs zumindest verstanden. Wichtig in diese Stufe ist "dass", noch nicht "wie" (Beispiel rückwärts: Pferd geht rückwärts, möglichst mit geringeren Phasen als in der Lernphase; die Übung ist so gut wie überall abrufbar, es ist aber noch egal, wie schnell oder wie weit oder ob es gerade bleibt dabei).
Lernstufe 3: Verstärkungsstufe. Die Übung wird auf höheres Niveau gebracht. Jetzt wird das "wie" wichtiger. Die Übung wird länger verlangt, oder weiter, oder schneller, oder mit mehr Qualität, oder mit allem zusammen. Ein wichtiger Augenöffner für mich: Im Zuge der Verstärkungsstufe werden die Phasen zwangsläufig wieder höher (während man in der Kontrollstufe zu weicheren Phasen zurückgekehrt ist, kann nun wieder öfter eine Phase 3 + 4 nötig sein).
Lernstufe 4: Verfeinerungsstufe. Nun wird das in der Verstärkungsstufe erarbeitete höhere Niveau (weiter, länger, schneller usw.) verfeinert, d.h. sollte wieder mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit werden und die Phasen feiner.

Das war für mich wirklich ein Aha-Effekt. Ich dachte irgendwie immer, nach der allerersten Stufe, in der das Pferd die Übung nicht kennt, müssen die Phasen immer niedriger werden. Ein Zruückgehen zu einer Phase 3 oder 4 war für mich shcon immer ein Rückschritt oder gar ein Versagen. Tatsächlich - und es ist logisch - bewegt sich das ganze einfach in Wellen. Übung ist neu, man fängt mit sehr feinen Phasen an, probiert u.U. verschiedenes aus, bis Pferd verstanden hat. Hat es verstanden, kann man auch höhere Phasen einsetzen um ihm klarzumachen, dass es mitzuarbeiten hat (selbstverständlich dann gefolgt von Pause und Lob und Belohnung). Die Phasen werden wieder feiner. Dann verlangt man mehr - die Phasen werden wieder höher. Dann wieder niedriger. Dann fügt man vielleicht noch einen Aspekt hinzu - wieder höhere Phasen. Usw.
Wenn ichs jetzt hier so durchlese, klingt es nicht besonders wichtig oder interessant - aber beim Kurs, als wir das durchgegangen sind, dachte ich wirklich dauernd "oooooooohhhhhh!!!!!!!!!!!!!!" ;-).

Wir haben an dem Vormittag dann noch Liberty gemacht, einer nach dem andern. Das war super interessant. Die meisten haben einfach an einem Catching Game bzw. einem Bring Back gearbeitet, aber bei jedem Pferd kamen andere Aspekte dazu. Wirklich hochinteressant wie verschieden die waren, obwohl sich die meisten charakterlich nicht sooo unähnlich waren. Die meisten waren LB - I oder E.
Am Nachmittag dann noch einmal Freestyle, wo wir uns aufs Reiten mit Stick und ohne Zügel konzentriert haben und am Schluss jeder eine hübsche Weave im Trab geschafft haben. Besonders auf den richtigen Focus hat Martin da viel Wert gelegt, und tatsächlich war da ein Unterschied zu spüren, wenn man es dann - nach viel Meckern *g* - mal so probierte wie er es vorschlug ;-).

Zum Schluss als Gesamtfazit war ich auch überrascht - und eigentlich erfreut - zu hören, dass ich Billy nun mehr bestätigen muss in dem, was er tut, wenn es richtig ist. Es scheint dass die bisher vorherrschende Respektlosigkeit zumindest zeitweise in leichte Unsicherheit kippt. Es klingt doof, aber das freut mich ;-). Bisher hörte ich immer nur, ich muss strenger sein und konsequenter und respektlos, respektlos, respektlos. Das ist mir ziemlich eingeimpft, daher vergesse ich vielleicht tatsächlich das Loben (v.a. Loben zur richtigen Zeit). Für mich schwer zu erkennen, denn ich denke, Billy reagiert fast gleich in verschiedenen Gemütszuständen: Will er nicht aus Respektlosigkeit oder weil er einfach keine Lust hat, wird er gleichermaßen stur und schaltet auf "taub", wie wenn er nicht versteht oder verunsichert ist, was ich möchte. Also gut das zu wissen und extra drauf zu achten!

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