you live you learn you love you learn you cry you learn you lose you learn you bleed you learn you scream you learn you grieve you learn you choke you learn you laugh you learn you choose you learn you pray you learn you ask you learn you live you learn
Alanis Morissette

Montag, 30. August 2010

Kurs mit Bernie Zambail - 5.-8. August 2010

Teil meines Urlaubs hab ich heuer in einem Kurs mit Bernie Zambail verbracht.

Ein Traum war das! Ich - wir alle - haben sooo viel gelernt, ganz unglaublich. Die Tage waren so vollgestopft mit Erkenntnissen über die eigenen Fehler und wie es richtig geht, dass ich jeden Abend ins Bett fiel wie ein Stück Holz, um am letzten und vierten Tag ging schon fast nichts mehr rein in mein Hirn. Leider - auch unglaublich - beginnt vieles schon wieder zu verblassen, schon wieder steh ich hie und da vorm Pferdchen und denk "Moment, wiiiie war das wieder? *kopfkratz*".

Ich hab aber seitenweise mitgekritzelt, Video gemacht, v.a. von den Liberty Sessions. Danke an Bernie und die Teilnehmer, dass ich das durfte. Da ich versprochen habe dass nichts davon im www landet, wird das auch so sein, also bitte kein Video erwarten. ;-).

Was Bernie als Instruktor für mich ganz besonders von allen anderen, die ich bisher selbst mit Pferd oder als Zuschauer erlebt habe, sind seine tollen Qualitäten, was das Unterrichten anbelangt. Wir haben beispielsweise sehr sehr viel Theorie gemacht - auch wenn wir mit den Pferden draußen waren, rief er uns immer wieder in die Mitte, wenn sich bei einem etwas ergab, was für alle interessant war. Ich könnte nicht sagen, dass jetzt viele dieser Dinge ganz neu gewesen wären - einige schon, aber nicht viele. Und trotzdem hat er sie so eindringlich erzählt und erklärt, dass sie mir oft in neuem Licht erschienen oder ich so dieses Gefühl hatte, sie endlich wirklich verstanden zu haben. Oder mir endlich ein Licht aufging bezüglich einer Verbindung von Theorie und Praxis. Ganz ganz toll.

Auch das Erklären bei den Praxis Teilen hab ich noch nicht so genau und eindringlich erlebt. Sowohl, wenn Bernie selbst was vorgeführt hat an einem unserer Pferde, als auch wenn er uns zugesehen und kommentiert hat, zählte er immer die Phasen mit: 1-2-3-4. Endlich mal jemand, der wirklich haargenau erklärt, wie welche Phase auszusehen hat - dabei gab es auch noch einiges neues, was mir und allen anderen völlig neu war (z.B. das Bein-Anlegen nochmal in kleine Mini-Phasen zu unterteilen). Wenn er uns ausbesserte, war das wirklich ganz genau. Erst da hab ich gesehen, wie viel andere Instruktoren quasi "durchgehen" lassen, ohne es zu kommentieren. Ich hab sicher schon in vielen Kursen und Stunden vorher hundertmal vergessen, dass es eine Phase 1 gibt und wie die auszusehen hat - ohne dass es korrigiert worden wäre. Aber Bernie ließ es kein einziges Mal unkommentiert - und steigert so m.M. das Lernergebnis ganz ungemein.

Auch was die Trainingsgestaltung generell betrifft, gab er unbezahlbar gute Tips; etwa dass es in Level 2 kein planloses Drauflos-tun mehr geben dürfe. Weiters, was sich mir besonders eingeprägt hat und für mich wirklich hilfreich ist: Das Definieren von "Standards". Als Standard definierte Bernie das beste Ergebnis bei einer bestimmten Übung, das man jemals erzielt hat. Jedesmal, wenn man die Übung angeht, sollte das Ziel sein, diesen Standard zu toppen - und so einen neuen Standard zu erzielen. Auf jeden Fall immer vergleichen - nicht einfach vor sich hin üben, sondern überlegen - ging das schon besser, ist es heute schlechter, oder kann ich mich über einen neuen Standard freuen. So simpel es ist, so hilfreich für mich! Und ebenfalls ganz wichtig für mich Perfektionistin: Geht eine Übung zu ca. 70 % (schmunzelnd meinte er, die Perfektionisten sollten halt 80 oder 85 nehmen), dann weiter zur nächsten, was neues. Nicht ewig herumgrundeln bei den gleichen Dingen. Auch ganz ganz wichtig für mich.

Und was auch noch kein Instruktor so betont hat wie er: Loben! Eins der am häufigsten von Bernie benutzen Wörter in dem Kurs war "GUUUT, STREICHELN!!!!!". Und das Warten, bis das Pferd kaut - auch das, wie ich sagen muss, oft von Instruktoren vernachlässigt (vielleicht weil es ihnen so selbstverständlich ist). Wobei ich sehe, dass ich mir damit sehr schwer tue, so lange zu warten - weil Billy oft sehr lang braucht. Und auch nochmal aufgefrischt: Wenn ein Pferd nicht kaut, war die Stimulation zu gering (--> langweilig) oder zu stark (zu viel Druck).

Bernie hatte für mich auch ein absolut ausgeglichenes Verhältnis zwischen Milde und Strenge. Ich hab selten so feine Phasen 1 gesehen, aber auch selten eine so strenge Phase 4 (Billy musste z.B. lernen, dass man die Zähne gegen einen 4-Stern-Instruktor ganz sicher nur ein einziges Mal bleckt....), und v.a. ein wirklich unglaubliches Hin- und Herspringen zwischen beiden. Von einem gebrüllten "JETZT REICHTS!" zu einem wirklich liebevollen streicheln (*g*) in Sekundenbruchteilen. Schwer schwer nachzumachen, aber ich habe wenigstens endlich mal einen Eindruck, wie das aussehen kann, wenn man's kann ;-).

Da war natürlich noch viel viel mehr. Wir haben Riesen-Fortschritte gemacht, Billy und ich. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht wieder in den alten Trott zurückfalle, wie ich mich leider bereits öfter wieder ertappe (z.B. Phase 1 auslassen, nicht warten bis er kaut, zu viele Übungen hintereinander statt mich auf eine zu konzentrieren, mich mit "irgendwie" zufrieden zu geben etc.).

Also ich bin begeistert, genau wie die anderen Kursteilnehmer. Ich bin ein Riesen-Bernie-Fan geworden und kann nur jedem ans Herz legen, teilzunehmen - als Zuschauer ist das Input immer noch riesig.
Also: Alle Daumen hoch für diesen Kurs, danke Bernie!

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