Heute war die emotionale Fitness wieder besser *uff*.
Ich hab zuerst Liberty gemacht, wieder mal etwas mehr Gas geben. Da ich jetzt leider wegen Mangel an Tageslicht nur die Halle (nur 12x25) zur Verfügung habe, bewegt sich das Tier viel zu wenig - sieht aus wie trächtig, der Herr ;-).
Ich hab 2 Stangen platziert, bei 3 und 9 h sozusagen des Zirkels, und dann ein lustiges Spiel gespielt - trabst du über die Stangen (er kann nach außen und innen ausweichen), gibts ein Bring Back, vielleicht sogar ein Kekserl. Trabst du nicht über die Stangen sondern weichst aus, musst du galoppieren (wobei mir dann egal ist wie lange, einfach nur mal angaloppieren, auch gut für die Kondi ;-) ).
Ich hab das schon einmal gemacht und bin erstaunt, wie schnell er das kapiert, mein kleiner Blitzkneißer. Ruckizucki wird über die Stangen getrabt und danach gefragt - sogar höflich - ob es jetzt ein Bring Back gibt. Hat toll geklappt und war endlich mal wieder etwas Bewegung.
Danach bin ich geritten und hab für das Rückwärts ohne Zügel auch meine Strategie etwas geändert. Wir sind getrabt, dann anhalten und gleich ins rückwärts fragen. Geht er auf Phase 1, 2 oder 3, gibts Pause, für niedrige Phasen Leckerli. Und statt einer Phase 4, bei der ich mich nur wieder ärgere und alles kaputt mach, wird halt wieder getrabt, wenn er das lieber möchte, schön flott und viele Runden. Danach wieder anbieten: Halt-Rückwärts. Rückwärts heißt Pause, nicht rückwärts heißt traben. Ich weiß zwar nicht, ob er das so kapieren kann oder ob diese Konsequenzen-Folge für ein Pferdehirn doch zu komplex ist, aber mir hilft das sehr, es so ein bisschen als Spiel zu sehen und mich daher nicht zu ärgern.
Schließlich hab ich dann auch keien Phase 4 mehr gebraucht und habe mit wirklich langen Pausen aufgebaut auf eine etwas längere Distanz rückwärts: 1 Schritt-Pause. 2 Schritte - pause. 3 Schritte - Pause. 4 Schritte.... bis zu 6 Schritten, denn 3 oder 5 scheint so eine magische Grenze zu sein - mehr rückwärts will Herr Billy normalerweise nicht. Es hat ihn gestresst, er begann wieder, mit der Lippe auf und zu zu klappen, und nach den 6 Schritten hat er 10x gegähnt, aber dann konnte ich ja eh schon aufhören mit einem schönen Abschluss.
7 Kommentare:
Irgendein schlauer Herr, ich glaube es war Stahl, hat sinngemäß mal gesagt, dass Selbstbeherrschung der erste Schritt zur Beherrschung anderer ist. Vergessen wir jetzt mal das Wort "Beherrschen" im Sinne von Unterdrückung und münzen den Spruch aufs Horsemanship, dann kommt man der Sache schon recht nahe, wie ich finde. Jedenfalls freue ich mich sehr für dich, dass der geschilderte Übungstag deine emotionale Fitness wieder ins rechte Licht gerückt hat. Und sei dir bewusst: Du bist nicht allein ;-)
Ich ärgere mich auch jedes mal, wenn ich die "Kontrolle" über mich verloren habe, weil irgendwas nicht klappte. Dadurch habe ich mir öfters das Vertrauensverhältnis versaut. :-(
Mir hilft bei "Problemsituationen" neuerdings die geistige Notiz "put the relationship first", meine Raubtier-Gefühle besser im Zaum zu halten. Parallel dazu denke ich, dass das Gebiet der emotionalen Fitness für uns Menschen die schwierigste Baustelle überhaupt ist.
Kurioserweise (und das bestätigt auch meine Trainerin) funktioniert die em. Fitness im Umgang mit fremden Pferden besser als beim eigenen Ross.
Auf jeden Fall befindest du dich auf einem guten Weg und ich wünsche dir von Herzen viele viele Fortschritte und Aha-Effekte. Und weisste was? In ein paar Jahren, wenn es unsere Blogs noch gibt, dann lachen wir über unser Geschwätz von damals :-)
P.S. Das sehe ich jetzt erst: Du hast aber einen tollen blauen Karottenstecken ;-)
Wo gibt´s denn so was?
@Pony1x1 und Sigrid.
Danke für eure Worte.
Lustig ist doch immer, dass ich mich am meisten darüber ärgere, DASS ich mich ärgere. *lol*
Der blaue Stecken ist von Brockamp - gibts v.a. auf Messen zu kaufen, auch in dunkelrot und neongrün, ich glaub auch gelb ;-). Ich liiiebe Brockamp seiner Farben wegen! Je mehr bunt, desto gut! ;-)
Dank dir herzlich für die Info. Hab gleich mal gegoogelt, aber nüscht gefunden. Keinen Onlineshop etc.
Verkaufen die nur auf Messen? Falls ja, wirds nie was mit einem tollen Neon-Stick :-(
*schnief*
Schau mal hier bzw. frag an, ob sie dir auch andere Farben schicken können:
http://www.thenaturalhorse.de/
LG, BB
Bitte gerne, nach der heutigen NH-Einheit hätte ich eventuell mal eine Anregung (auch wenn es nicht ganz im "Sinne" von Parelli ist) für Dich.
Ich kann mich mit den 4 Phasen irgendwie nicht so 100% anfreunden, auch weil ich es wohl nie schaffen würde, die 4 Phasen immer fürs Pferd verständlich auf gleiche Art und Weise einzuhalten.
Der Ansatz meines Trainers ist der folgende: Erst in mehreren Phasen dem Pferd zeigen, was man von ihm will. Danach Phase 1 - Zeit geben, richtig drauf zu reagieren und wenn keine Reaktion kommt, quasi gleich deutlich werden, also direkt zu Phase 4 übergehen und das gewünschte Verhalten einfordern. Also meine findet das durchaus verständlich und reagiert sehr schnell auf Phase 1. Ich denke, das Vorgehen ist wirklich sehr pferdeabhängig und ich hab das Gefühl, dass meine sehr wohl ziemlich schnell weiß, was ich eigentlich auf Phase 1 von ihr will, aber sie hat ja dann noch 2 Phasen Zeit, bis ich wirklich deutlich werde. Wieso also gleich auf Phase 1 reagieren? ;-)
Vielleicht ist Deiner ja auch einer der schlauen Exemplare, und vielleicht tust Du Dir ja auch leichter, nicht emotional zu reagieren, wenn Du das Spielchen mit den 4 Phasen nicht jedesmal durchspielen musst und somit gar nicht die Zeit hast, Ärger aufzubauen.
Wie gesagt, nur ne Anregung, ob Dir der Ansatz was bringt, musst ohnehin Du entscheiden, da Du Dein Pferd am besten kennst....
Lg Sigrid
Hi Sigrid.
Natürlich fallen bei mir auch hie und da Phase 2+3 aus, wenn ich bei bestimmten Dingen 100% sicher bin, dass er wohl weiß, was gefragt wurde. Trotzdem - auch dann ist Phase 4 bei mir oft emotional.
Da muss ich - schon wieder einmal - an Bernie denken, der mir beim Kurs folgendes gesagt hat: "In der Steinzeit, da waren die MÄnner für die Nahrungsbeschaffung verantwortlich; beim Jagen müssen sie schnelle, harte Entscheidungen treffen, daher können die das gut. Die Frauen dagegen waren für die Sorge um den Nachwuchs zuständig. Und da so Nachwuchs mitunter äußerst nervig werden kann, hat Gott die Frauen mit besonders viel Geduld ausgestattet - damit sie den Nachwuchs nicht bei der ersten Gelegenheit an die Wand klatschen. Und diese Geduld kommt den Frauen halt bei der Pferdeerziehung hie und da in die Quere - wir geben nach und sind nochmal ein bisschen geduldig und probierens nochmal mit Phase 2... bis die Geduld dann doch mal zu Ende ist und wir voller Emotionen die Phase 4 anbringen, die schon vor Minuten angebracht gewesen wäre - allerdings emotionslos".
Da hat er schon ziemlich recht gehabt damit, der Bernie. ;-)
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