you live you learn you love you learn you cry you learn you lose you learn you bleed you learn you scream you learn you grieve you learn you choke you learn you laugh you learn you choose you learn you pray you learn you ask you learn you live you learn
Alanis Morissette

Donnerstag, 3. November 2011

Back to Basics

So. Durch den Vorfall am Dienstag ist neben der Wut auch eine Art Ehrgeiz entstanden. Ich möchte zurück zur Basis gehen, alles durchkontrollieren, und jede kleinste Spur von Brace eliminieren. Ausnahmslos jede (zumindest jede die ich finde). Sicher bin ich über so manchen Brace hinweggegangen. Aus Faulheit. Oder Dummheit, weil ich es nicht als Brace erkannte. Oder auch aus Gewohnheit (das Pferd fühlt sich halt nun mal nicht leicht an, so isser halt). Und manchmal auch ganz bewusst, einfach, weil ich endlich weitergehen und uns beide nicht langweilen wollte. Wahrscheinlich sogar relativ oft aus letzterem Grund: Ich hab doch einen LBI, die darf man ja nur nicht langweilen, nicht wahr? Der Arme!

Tja, hier kommt dann die Wut ins Spiel, die immer noch im Bauch leise vor sich hinköchelt: Langeweile? Mir doch wurscht! Mein Mitleid hält sich nun in Grenzen. Da er die Abwechslung die ich ihm bieten möchte (mit z.B. Ausritten usw.) eh nicht schätzen mag, dann wird halt in der Halle Porcupine Game gedrillt. So lange bis es so klappt wie ich mir vorstelle. Und wenn wir eine Stunde lang nur Hals biegen üben. Gehen wir halt wieder eine Weile in den Kindergarten zurück.

Dazu noch möglichst fest verankert in meinem Kopf: Die Vorstellung, das Bild, wie es sich anfühlen soll. Kein Ziehen, kein Zerren, kein Drücken, kein Brace. Fein soll er dem Gefühl am Seil folgen. Wie ein Tanzpartner. Den schiebt man ja auch nicht mit Druck übers Parkett. Und alles, was sich anders anfühlt als das, ist Brace und gehört eliminiert. So. Das erfordert von mir ganz schön Konzentration, denn Billy hat ein Talent einen glauben zu machen, dass er ja eh nachgibt. Es in Wirklichkeit aber gar nicht tut.

1) Kopf senken. Das geht leicht, das mag der Billy. Mit Daumen und Zeigefinger am Seil, Kopf senkt sich sofort. Mit der Hand leichter Druck im Genick, da gibt es mehr Brace. Mit dem Halfter funktioniert das besser. Also letzteres noch auf die Merkliste.

2) Hals biegen. Hier kam erstmals ein Phänoment ins Spiel, das mir erst jetzt so richtig bewusst wird. Es war aber sicher immer schon so: Billy gibt nach, pipifein. Ich stehe auf Hals/Schulterhöhe, etwas von ihm weg, das Seil liegt in meiner offenen Handfläche. Ich bewege die Hand nach links, Kopf und Hals kommen mit. Wow. Wie fein, wie weich. So mag ich das. Einmal links, einmal rechts. Pipifein, beide Richtungen. Ich lege das Seil nur auf meinen Zeigefinger und bewege den Arm, und Billy folgt mit Hals und Kopf. Ich bin beeindruckt. Ein zweites Mal links, ein zweites Mal rechts. Genauso. Toll. Ich will schon aufhören.
Und dann mach ichs ein drittes Mal. Und dann ist er da, der Brace. Nur ein ganz leichter, wenn ich nicht so konzentriert danach suchen würde, hätte ich ihn wahrscheinlich wieder übersehen. Nach rechts muss ich plötzlich wieder die Finger zumachen, Billy sträubt sich, nur ganz wenig. Aaaaaaah, interessant. Ich probiere weiter. Der Brace wächst! Mit jedem Versuch braucht es mehr Kraft und dauert länger, bis er nachgibt.
Das bewirkt eine Riesen-Erkenntnis (hab ich das echt noch nie bemerkt?? Wie peinlich...): SO manipuliert einen der Herr Billy. Er gibt nach, so ein bisschen. Damit man Ruhe gibt. Das macht er z.B. immer schon so beim Rückwärts. 1-2 Schritte gehen sehr weich und scheinbar willig. Will man mehr, ist Sense.
Wir standen dann also und beschäftigten uns so eine halbe Stunde oder so mit Hals nach rechts biegen. Blöderweise hatte er mir ja am Anfang gezeigt, dass er kein körperliches Problem zu haben scheint. Es war unglaublich, wieviel Kraft er teilweise aufwandte, nur um den Kopf nicht biegen zu müssen. Ich hab halt null nachgegeben und einfach gehalten, gab er ein wenig nach, gab ich auch ein wenig nach. Und es war unglaublich, wie lange der dagegen ziehen kann! Minutenlang, ohne auch nur einen Versuch, dem Druck zu entkommen. Irgendwann gings dann eben doch.
Wir machten andere Sachen dazwischen, und ich kehrte immer wieder zurück zur Biegung (und zwar immer öfter als 3x, denn das Phänomen: 2x gehts pipifein, dann kommt der Brace, zog sich durch die ganze Session).

3) Vorwärts und Rückwärts, mit Porcupine Game. Zuerst einen Fuß. Vorsetzen, zurücksetzen. Das ging bald überraschend gut. War aber im Endeffekt das gleiche Phänomen wie beim Biegen. 2 Schritte machte er auch noch gerade. Aber bei 3 fand er, dass das nun zuviel wird - Brace. Also haben wir dann eine ganze Weile damit rumgespielt, bis auch das flüssig und weich und mit dem Seil auf der offenen Handfläche funktionierte.

4) Hinterhand weichen. Hab ich - ich weiß - sträflichst vernachlässigt, was das Porcupine betrifft. Die Rechnung bekam ich gleich präsentiert, da war nix mit Tanzen, Billy reagierte nichtmal auf Drücken und Schieben. Dann kam eben der Stick zum Einsatz, es gibt eben nur noch Phase 1 und 4. Ich glaube er kennt das Spiel wohl gut genug. Da wunderte sich der Billy über Fraulis plötzlichen Energieschub und hüpfte auch mal eine 90°-Wendung, um seine Hinterhand in Sicherheit zu bringen. Gut so. Und siehe da, schon nach ganz kurzer Zeit konnte er wie ein höflicher Tanzpartner auf meine Hand auf seiner Seite reagieren.
Auch am Putzplatz hab ich das beibehalten. Immer und überall muss das funktionieren, wenn nicht, dann scheppert's.

5) Führen haben wir auch noch gemacht. Das hab ich schon beim Heimweg am Dienstag begonnen. Auch da möchte ich, dass Billy dem Seil folgt, wenn es in der offenen Handfläche liegt. Nach ein paar etwas kräftigeren Erinnerungen hat das dann auch schön und fein geklappt.

So, und nächstes Mal hier weiter.

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