you live you learn you love you learn you cry you learn you lose you learn you bleed you learn you scream you learn you grieve you learn you choke you learn you laugh you learn you choose you learn you pray you learn you ask you learn you live you learn
Alanis Morissette

Dienstag, 1. November 2011

Heut hatte ich keinen guten Tag, nein, wirklich nicht... Ich wurde so fuchsteufelswildwütend auf das Billytier wie noch nie seit ich ihn habe. Dabei gab es nichtmal einen besonders ungewöhnlichen Auslöser, aber halt das eine Mal zuviel, der eine Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte...

Es begann alles ganz gut, Feiertag, d.h. Tageslicht ausnutzen, d.h. an unserer Ausrittbegrenzung üben. Toll lief alles. Ich hab ja auch in letzter Zeit viel geübt: Auf- und absitzen mit Stillstehen im Gelände, OnLine Spielen an unserer Comfort-Zonen-Grenze, usw. usf. Heute bin ich wieder hingeritten. Zum Testen, wie es um das Befinden des Billytiers steht, hab ich auf dem Weg zur Grenze Übergänge gemacht. Mal angehlaten, bisschen stillstehen. Antraben aus dem Halt. Ein bisschen Rückwärts. Ums Rückwärts musste ich kämpfen, der Rest war leicht wie sonst im Viereck. Alles wunderbar. In der Nähe der Grenze ließ ich ihn öfter antraben. Alles locker, flüssig. Auf einer Wiese schon sehr in der Nähe probierte ich angaloppieren. Tatsächlich, das funktionierte, fein wie im Viereck. Runterparieren am Ende der Wiese - auf Ausatmen. Ich war richtig stolz und glücklich, und eigentlich bereit umzudrehen und heimzugehen nach der Parade.

Nur dann traf uns die Grenze wie ein Hammerschlag. Billy nahm das Umdrehen vorweg und machte sich auf eigene Faust und ohne zu fragen auf den Heimweg, und zwar sicherheitshalber gleich im Trab. Nun gut, ich war anfangs soweit stolz auf mich, mit dem Mantra "Feeeeeeel, ommmmm, feeel ommmmmm, feeeeeeeel, ommmmmmmmmmmmmmmmm" mich in den wenn auch ungewünschten Trabrhythmus einzufinden statt wild herumzuzerren, zu versuchen ihn mit dem Sitz zu bremsen, so zu tun als wär ich einfach daheim im sicheren Viereck bei einer kleinen Meinungsverschiedenheit über die Gangart. Auf das Bremsen mit dem Sitz reagierte Billy jedoch nur mit Beschleunigung -- trappseltrappseltraptraptrarapptrarappp auf dem Asphalt, bergab; dann (mittlerweile waren die Gedanken "feeeeeeel" und "ommmmmmmmm" abgelöst von "sch*" und "aaaaaaaaah") nahm ich doch den Zügel dazu. Ich bemühte mich auch das in Phasen zu tun und jegliches Zerren zu unterlassen, aber kaum spürte das Billytier das Anheben des Zügels wurde er justament nochmal schneller. Kaum spürte er dass ich versuchte ihn zu biegen, machte er den Hals noch ein bissl steifer.
Da überkam mich eine derartige Wut, dass ichs kaum beschreiben kann... dieses 100%ige Left-Brain "ich weiß was du willst, das passt mir aber nicht in den kram und deshalb mach ich mal genau das gegenteil" machte mich derart fuchstteufelswild... dann wurde ich wütend über mich selbst, WEIL ich wütend geworden war. Und weiter resultierte jeder halbwegs zivilisierte Versuch zu bremsen immer nur noch in schnelleren Tempo, justament, zufleiß. Irgendwann griff ich halt dann in meiner Wut doch zu den unzivilisierten Not-Mitteln wie Zerren, Reißen und dem Tier in den Rücken Plumpsen damit ihm das Traben vergeht, und schließlich standen wir... endlich! Ich nahm den Fuß ausm Steigbügel und wollte so schnell wie möglich runter - worauf das Billytier erneut anzutrappseln begann - dasselbe von vorne.
Endlich stand er irgendwie lange genug still dass ich sicher runter konnte.

Ooooh, und wie ich sauer war! Und wütend auf mich selbst und auf das Billytier, und traurig, weil ich wütend war...

In meinem Grant hab ich ihn dann Online über die Grenze gejagt, und zwar dalli und zackig... zuerst mal eine Weile bergauf, dann im Schritt zurück, dann aus Zone 4 über die Grenze geschickt, im Schritt, im Trab, alles wunderbar, ca. 20x. Das leftbrainigste Pferd wo gibt.... Ich hab heute einen Mordsmuskelkater und hoffe, das Billytier auch *grml*.
Aufgesessen bin ich nicht mehr, wir sind den Heimweg zusammen gelaufen, und das Billytier fand sich millimetergenau auf dem Platz ein, wo ich ihn haben wollte - fein, zackig, aufmerksam, sogar freundlich.

Die Wut blieb, bis jetzt sogar. Zum ersten Mal seit langem dachte ich wieder dran, ob sich unsere Wege nicht besser trennen sollten. Scheinbar bin ich schlichtweg unfähig, und auch wenn ich 1000 Bücher lese wirds nicht besser. Nu versuch ich schon so viel, und nichts hilft... und in mir hallt immer nur die Frage "warumwarumwarumwarumwarumgehtdasnicht"? *schnief*

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

*drück* Nicht verzweifeln!

BB hat gesagt…

Danke *schnüff*. Mal schaun wie es heut läuft.

Marion Princic hat gesagt…

wir haben alle solche tage, verzweifle mal nicht. ihr habt richtig grosse vortschritte gemacht seit letztem jahr und ich bewundere dich fuer deine geduld und ausdauer. vielleicht war das ja auch mal gar net so schlecht das du mit deiner energie hochgekommen bist weil dann war er ja brav, net wahr? vielleicht ist das ja genau das was er ab und zu mal braucht? und denk dran, uns gehts allen mal so nur sind es wenige die es zugeben ;). bussi aus dem hohen norden

BB hat gesagt…

Danke dir Marion. Tut gut zu hören, dass andere auch solche Tage haben - nur kommt mir manchmal schon vor, dass überall rund um mich eitel Wonne Harmonie herrscht und nur ich so ständig kämpfen muss.

Das mit der Energie hab ich mir auch gedacht. Aber gleichzeitig war mein Gedanke, dass wenn es wirklich immer ein emotionsgeladenes Knallen braucht (das gleiche Knallen ohne Emotion scheint nie was zu bringen) bis Herr Pferd mal reagiert, dann weiß ich nicht ob das was für mich ist. Ich hatte schon gehofft, dass dieser ständige Umganston von "Wenn du nicht... dann scheppert's" irgendwann nicht mehr nötig ist.

Vor einer Woche durfte ich mit den Pferdchens einer Freundin spielen. So weit sind die auch noch nicht, aber die eine Stute... ein Traum. Da ging's von Anfang an nur: "was kann ich für dich tun, willst du das? Willst du das? Oder soll ich vielleicht das?" Das war schon... boah! Man musste die Energie nur nehmen und umlenken, kein Zwang, kaum Druck.
Und beim Billytier kommt halt irgendwie gar nix ohne Druck und Zwang. Das zehrt jetzt im Laufe der Jahre scheinbar doch etwas an meinen Nerven, vielleicht mehr als ich wahrhaben wollte.