you live you learn you love you learn you cry you learn you lose you learn you bleed you learn you scream you learn you grieve you learn you choke you learn you laugh you learn you choose you learn you pray you learn you ask you learn you live you learn
Alanis Morissette

Mittwoch, 15. Februar 2012

Légèr-parellianischer Kurstag

Heute hatten wir einen kleinen feinen stallinternen Kurstag mit Martin Wimmer. Martin ist 3-Stern-Parelli-Instruktor und gleichzeitig schon länger in der Ausbildung zum Ausbildnernach Philippe Karls Légèreté.

Ich bat ihn, an unserer Finesse zu arbeiten (bzw. damit endlich einmal zu beginnen), und genau das haben wir getan.

Die 2x 1,5 Stunden waren für mich und Billy gleichermaßen anstrengend - v.a. geistig! So viel Neues, alles sehr sehr intensiv, genau, Millimeter-Arbeit. Es hat mir sehr gut gefallen, aber am Abend waren wir beide so groggy, dass Billy seine Heucobs halb aus dem Maul fielen und mir die Augen zu. 

Wir begannen am Vormittag vom Boden aus: Abkauübungen, Hals heben, Biegen am Gebiss. Danach in den Sattel und von da aus dasselbe im Stillstand. Als die Gewichtsverlagerung nach hinten gut klappte, übten wir, die Hinterhand mit dem Schenkel anzusprechen: Billy war toll und ich sehr stolz, denn das klappte hervorragend - ein Schrittchen nach links, ein Schrittchen nach rechts, auf einen nur leichten Impuls und schrittweise zu kontrollieren. Das war allerdings nur eine kurze Kontrollübung, das sollten wir nur einmal tun.
Danach ging es ans Bewegen. So wie wir die Hinterhand gerade angesprochen hatten, um einen Schritt seitwärts zu machen, sollten wir sie nun ansprechen, um im Schritt anzureiten - ohne dass sich die Halshaltung oben viel ändert, und so dass die Hinterhand die Bewegung einleitet und nicht die Vorhand. Das ging von diesen Aspekten her ganz gut, aber schon trat einiges zutage, das ich bisher immer schön ignoriert hatte: Billy bricht sofort mit dem ersten Schritt über die Schulter aus, meist die rechte (egal welche Hand). Auf der rechten Hand war der erste Schritt mit dem Vorderbein jedenfalls gleich in die Bahnmitte hinein. Ja, und da gings los: Wie ein Maschinengewehrfeuer prasselten die Anweisungen auf uns ein: Die Schulter bricht aus, korrigier das! Ja, aber du musst schneller reagieren! Achtung, die andere Schulter! Ja, aber jetzt weicht er nach unten aus, richt ihn wieder auf! Achtung die Hinterhand! Weiterreiten! Du knickst in der Hüfte ein! Arme wieder senken! Finger locker! Du klemmst mit dem Oberschenkel! Weiter Schrittreiten in deinem Körper! Bein lang, du dauertreibst! Becken locker! Achtung, die Schulter! Schneller! Nein nicht so viel! Er hat nachgegeben, du musst nachgeben! Schneller nachgeben! Hände runter! finger locker!
Ja, und dann hatten wir auch schon so ca. 3m zurückgelegt *g*. Auf mein "pfuuuh" hin hieß es ein wenig hämisch: Ja, das ist jetzt reiten, net mehr nur obensitzen!

So ging die Vormittagsstunde zu Ende, wir erarbeiteten uns ganz gut das Anreiten im Schritt auf beiden Händen, ohne dass irgendwo irgendwelche Körperteile (meine oder Billys) vom Weg abkamen, und ebensolches Anhalten und das Beibehalten bzw. Wiederherstellen des Gleichgewichts nach hinten.

Nach der Mittagspause ging es weiter. Wir wiederholten kurz das Gelernte vom Vormittag; man konnte sehen, dass Billy einiges davon verdaut und verinnerlicht hatte. Das Anheben des Halses ging viel besser, er gab viel schneller nach, und das Anreiten im Schritt klappte sofort viel besser, ohne Ausbrechen von Schultern oder Hinterteilen.
Wir begannen Volten bzw. Zirkel zu reiten. Da ging es wieder los wie am Vormittag. Billy bewegte sich schlangengleich fort, mal kam die rechte Schulter abhanden, mal die linke, die Hinterhand brach regelmäßig aus usw. usf. Ich wurde wie vorhin maschinengewehrartig gerügt für einknickende Hüfte, Bein-Hochziehen, Dauertreiben, Dauer-handhoch, zu langsamen Release, zu viel Release, zu wenig Release, steifes Becken, und manchmal auch für falsches Equipment ;-).
Es dauerte ganz schön, bis ich ein Gefühl dafür bekam, wann ich wo einwirken musste, und bis ich wenigstens halbwegs schnell genug wurde zu erkennen, wo denn die Baustelle des jeweiligen Moments gerade war.
Als wir das so halbwegs konnten, war der nächste Schritt eine stärkere Halsbiegung. Das ganze ging von vorne los. Billy wollte nicht bzw. wusste nicht so recht was er sollte, alle möglichen Körperteile brachen wieder irgendwohin aus, ich verkrampfte mich im Versuch, alles richtig zu machen, blockierte wieder den Schritt total; das Bild das wir abgaben muss so schaurig gewesen sein, dass Martin lieber beschloss, sich mal selbst draufzusetzen um sich ein Bild zu machen. Er stellte fest, dass Billy wohl keine Grundausbildung hat (ja, das hätte ich ihm auch sagen können *g*) und wir ihn also anreiten müssen wie "einen jungen" (ist doch noch jung!!). Martin hatte ihn innerhalb weniger Runden soweit, dass er nachgab und sich bog, so gut er konnte - keine besonders starke Biegung, aber er bemühte sich und gab nach. Ich durfte mich noch einmal für ein paar Zirkelrunden draufsetzen, bis die Biegung auch bei mir halbwegs klappte und ich spüren konnte, wie sich das anfühlen soll.
Das war dann so unser Abschluss.

Ich habe mächtig viel gelernt und hatte schon wirklich viele große Aha-Momente. Wir werden jetzt versuchen, genau diese Übungen immer wieder kurz (heute war auf jeden Fall viel zu lang, aber eine Ausnahme) einfließen zu lassen. Ich hoffe, dass Martin wie wir es planen würden, nun alle paar Wochen zu uns kommt und uns weiter coacht. Denn Billy hat zum ersten Mal nicht ausgesehen wie eine schlurfende Kuh, sondern gab ein richtig imposantes Bild ab - und das nicht nur, weil der Kopf "irgendwie" oben war (das hätte ich ja selbst auch noch zusammengebracht, aber das Bild der schlurfenden Kuh änderte sich dadurch nie).

Tja also ... ein intensives Übungsprogramm liegt vor uns!

1 Kommentar:

Marion Princic hat gesagt…

wow, ich bin beim lesen schon ins schwitzen gekommen. ja da kann man wirklich nicht mehr von nur droben sitzen reden. danke das du es so ausfuehrlich beschrieben hast!