you live you learn you love you learn you cry you learn you lose you learn you bleed you learn you scream you learn you grieve you learn you choke you learn you laugh you learn you choose you learn you pray you learn you ask you learn you live you learn
Alanis Morissette

Sonntag, 30. September 2012

Peter Kreinberg-Kurs, Tag 3


Heute ging alles wesentlich besser. Ich bin weiter mit der Hackamore-Gebiss-Kombination geritten. Biegen ging insgesamt besser. Wir wiederholten und festigten die Übungen der vorangegangenen zwei Tage: Ecken, Slalom, Volten, Kleeblatt, … Im Schritt alles tiptop, und Billy war flott unterwegs. Im Trab rannte er mir wieder fast weg, aber ließ sich dann ganz gut bremsen.

Ziemlich erstaunt war ich, als Billy sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag sofort das Maul aufmachte, als ich mit dem Gebiss kam. Da war ich schon baff.

Abkauübungen: Ich krieg das irgendwie nicht hin, Billy wehrt sich oder stellt sich tot. Peter kam und half diesmal. Er ortete eine starke Blockade am oberen Hals, da war auch eine Delle (ist auf beiden Seiten). Er werkte vorsichtig mit Mini-Bewegungen am Gebiss herum, bis Billy nachgab und sich streckte. Am Nachmittag war das Biegen dann tatsächlich besser, obwohl das auch Einbildung sein könnte ;-). Peter meinte jedenfalls, das wäre mit einem Mal nicht getan, aber fürs erste…
Wichtig für mich ist immer selbst locker bleiben, ich verspanne schnell, v.a. in den Schultern. Dagegen den „Papagei schaukeln“.

Wir machten in punkto Übungen wieder ein bisschen Fortschritte. Peter ordnete für mich und eine andere Teilnehmerin an, abwechselnd Innen- (Ecken) und Außenbiegung (lange Seite) zu reiten. Die weiter fortgeschrittenen Pferde durften Schultervor gehen. Wir ritten die Ecken mit starker Innenbiegung aus, dann einige Schritte geradeaus (! wichtig!), dann an der langen Seite kurz eine Außenbiegung. Vor der Ecke rechtzeitig wieder ein Stück geradeaus, dann wieder Innenbiegung. Hat Billy sehr toll gemacht. Ich tendiere zu zu starker Stellung im Hals, also nicht zu viel.

Auch die Schritt-Trab-Schritt-Übergänge gelangen mittlerweile sehr gut. Antraben auf der linken Hand klappte besser, ohne großes unbeabsichtigtes Abwenden in die Mitte. Ich denke da hab ich einfach auch zu viel durchgehen lassen. Wenn ich ein paarmal mit deutlicher Hilfengebung dranbleibe, akzeptiert Billy auch, dass er gerade antraben soll und nicht abzubiegen hat (denn ich denke nicht, dass das körperlich ist, er kann es ja!), und es geht mit weniger Außengewicht, Außenzügel und Innenschenkel.

Wir nahmen als neue Übung das richtige Anhalten dazu. Im 4-Punkt-Sitz spannt man die Gesäßmuskeln so stark an, dass die Sitzbeinhöcker nicht mehr zum Tragen kommen. Tatsächlich bemerkt man sofort ein Verhalten des Pferdes im Schritt, und wenn man weiter macht, ein Anhalten. Obwohl ich bei Billy normalerweise anders anhalte (nämlich mit Becken kippen lassen und Rundrücken), hat das gut geklappt, er hats gleich verstanden und kam langsam zum Halten - nicht abrupt. Sobald das Pferd steht, die Gesäßmuskeln wieder entspannen. Kurz warten, wieder anreiten. Billy war willig und kooperativ, die Übung haben wir sehr gut gemeistert. Wichtig dabei: Ellbogen winkeln!

Weiter gins mit richtigem Rückwärts. Peter baute eine Stangengasse auf. Wir ritten zuerst durch, geradeaus, dann verwendeten wir sie für die Rückwärts-Übung. Durchreiten, am Ende anhalten, und 1 Schritt rückwärts. Dann wieder rausreiten.
Für das Rückwärts lehrt Peter unterschiedliche Methoden. Ich war etwas verwirrt, weil er am Tag davor gesagt hatte, wir sollen unser Gewicht nach vorne verlagern, um den Rücken zu entlasten. Das hat ja gut geklappt, obwohl ich es sonst umgekehrt mache. Nun sagte er plötzlich hinten einsitzen (so wie ichs sonst mache). Ich hab nach dem Widerspruch gefragt, und offensichtlich ist es von Pferd zu Pferd unterschiedlich. Ich machte es dann – und hab es ihm auch gesagt und war in Ordnung – so wie Billy es kennt, also hinten einsitzen. Dazu den Zügel sanft massieren, gleichseitig, dazu das Gesäß rhythmisch anspannen und wenn keine Reaktion kommt, noch ganz ganz sanft (sieht man fast nicht) mit dem Schenkel anpendeln. Tatsächlich hat das super geklappt, Billy wollte sogar immer mehr Schritte nach hinten als gefragt. Wer hätte das gedacht, ich hatte Schwierigkeiten, nur 1 Schritt zu bekommen und dann Halt. (Zu Hause ging es dann wieder besser).
Denn ganz wichtig ist für Peter, dass rückwärts immer nur ein Schritt geritten wird, dann kommt Pause. Im Lauf der Ausbildung wird diese Pause immer kürzer und kürzer, bis sie für Außenstehende nicht mehr sichtbar ist. Dennoch bleibt sie immer da. Denn zu oft habe er gesehen, wie Pferde das Rückwärts sozusagen gegen die Reiter einsetzen. Nach jedem Schritt ist also sicherzustellen, dass es auch wieder vorwärts gehen könnte, wenn man wollte ;-).

Zum Anreiten nach dem Rückwärts den Schenkel drehend-massierend einsetzen, mit einer Wadendrehung von hinten nach vorn, sodass das Pferd dies unterscheiden lernt. (Hat Billy sofort unterschieden, richtig super geklappt).

Es gab noch ein bisschen Theorie zum Aufsteigen: Kontrollieren, ob das Pferd ausbalanciert steht. Einsitzen wie auf einen Kaktus, ganz vorsichtig. Sattel richten auch nur ganz sanft und vorsichtig, nicht mit wilden Ruckbewegungen, wie man es oft sieht..

Zum Schluss signierte Peter mir noch mein Buch und gab mir am Schluss mit, ich solle jetzt weiter mit der Zäumungs-Kombination reiten. Es würde Tage geben, da könnte ich mehr am Gebiss, und manche, da würde weniger gehen am Gebiss, je nach Tages-verfassung. So könnte ich mich nach und nach darauf hinarbeiten, rein am Gebiss zu reiten.

Die Heimfahrt war abenteuerlich. Mein Herr Transporteur war viel zu früh, so geriet ich in Stress. Billy wollte erstmal nicht einsteigen, und wir hatten eine ganze Wanderreitgruppe als Zuschauer beim Verladen.

Herr Transporteur fuhr wieder ziemlich schnell, an einem Rastplatz machte er Pipi-Pause, Billy rumorte im Hänger und wieherte, ich stand Todesängste aus…. Dann fuhr er die Strecke ausgerechnet über die ärgste Gschreamstn (soll heißen: mitten durch die Pampa!), alles ziemlich flott. Unsere Hofeinfahrt hat er verpasst und dann mitten auf der Bundesstraße rückwärts geschoben, während sich der Verkehr von hinten einbremste und die Hängerräder durchaus knapp an den Straßengraben kamen - schließlich wars ja schon finster.... puh hatte ich Angst!! Aber irgendwie ging alles gut. Billy stieg brav aus, hatte gar nicht mehr so viel geschwitzt wie bei der Hinfahrt.
Nächstes Mal wird definitiv selbst gefahren…

Das war er also, der Kurs bei Peter Kreinberg. Ich war schwer begeistert über Peters Art und Weise, wie er jeden dort abholte, wo er war, wie er klar und deutlich seine Meinung äußert, ohne aber je vorwurfsvoll oder allzu kritisch rüberzukommen, wie er auch mal Hand anlegt, um zu verdeutlichen was er meint und einem dabei die Beine und Finger verdreht ;-). Ich mochte, dass er einen einbremst und sich erstmal um die fehlenden Basics kümmert, und wie er minutiös beobachtet und korrigiert; er ist ein toller Lehrer.
Und schließlich hat mir am besten gefallen, wie er in allem, was er macht und sagt, immer, wirklich immer, das Pferd an die erste Stelle stellt. Beim Handling, bei der Ausrüstung, beim Reiten. Als es darum ging, dass der Reiter verfahrene Bewegungsmuster korrigiert, die ihm erstmal schwer fallen, sagte er - das hat sich mir stark eingeprägt - : "Bevor ihr eure Pferde verbiegt, verbiegt lieber erstmal euch selbst!"

Kreinberg ist wirklich ein ganz ganz großer Horseman.

Und zum nächsten Kurs bin ich schon angemeldet :-)

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