Ich war ausreiten!! So richtig echt, mit obensitzen und so!
Natürlich nicht allein, davor hab ich immer noch die Hosen voll, ist leider so. Aber ich habe nicht weit entfernt einen Bekannten, der langjähriger Wanderreiter und ein Mensch mit sehr viel Leadership ist. Seit ich mit Billy umgezogen bin, hat er mir stets angeboten, ich könnte mich ihnen anschließen, er würde mir ein paar schöne Runden zeigen und würde ohnehin regelmäßig an unserem Stall vorbeireiten. Ich lehnte die Angebote immer ab, erstens passte - wie so oft - einfach immer irgendwas nicht (Zeit, Ausrüstung, Dunkelheit, Wetter ... jaja, es gibt viele Ausreden!!) und zweitens habe ich mich - ich gebs zu - auch ein wenig geniert wegen meiner Ängstlichkeit. Er gehört eher zu den Menschen, die sowas nicht kennen und vermutlich auch nie kennenlernen werden. Die Angebote, mich mitzunehmen, wurden mit jeder Absage meinerseits dann seltener und seltener, klar. Er dachte wohl, ich will einfach nicht. Aber am Freitag hab ich mir ein Herz gefasst, schnell angerufen bevor ichs mir anders überlegen konnte, und für Samstag vormittag einen gemeinsamen Ausritt vereinbart.
Ich wurde sogar vom Stall abgeholt! Und da konnte ich auch gleich erleben, was Leadership ausmacht, sei es von Menschen oder Pferden. Ich wurde also abgeholt, die beiden Mitreiter saßen auf ihren Pferdchen und ich kletterte auf den Billy, schon etwas skeptisch, was er heute wieder für eigene Pläne haben würde. Wir hatten gerade eben das Stallgelände verlassen, das Tor lag einen Meter hinter uns. Die anderen beiden ritten los- und Billy folgte ihnen. Faszinierend. Er stapfte von alleine hinterher, obwohl es zwei völlig unbekannte Pferde waren, und der Stall gerade hinter ihm lag. Man merkte einfach auch sofort, dass sowohl Menschen wie Pferde völlig routiniert und selbstsicher und völlig entspannt sind. Seine Stute, meinte mein Bekannter, müsse überhaupt eine für Pferde sehr gewinnende Ausstrahlung haben, denn fast alle Pferde würden sich ihr sofort anschließen. Leadership halt ;-). Jedenfalls fand auch Billy, dass er sich in sicheren Händen/Hufen befand, und trottete tiefenentspannt hinter den beiden her. Hie und da hielt ich kurz an, um mehr Abstand zu gewinnen, das funktionierte problemlos, er hörte also schon auch noch auf mich ;-).
So ritten wir - die Straße entlang, AUF der Straße ein kurzes Stück, am Nachbarstall entlang, wo die Pferde ziemlich ausrasteten, als wir knapp an ihrem Zaun entlang ritten - unsere Leaderstute zuckte mit keinem Ohrwaschel, und ebenso (fast) nicht der Billy. Wir kletterten Böschungen rauf und stapften durch Pfützen, über Äste und Stämme, alles höchst gemütlich. Bei einem lauten Geräusch im Wald schaute der Billy genau einmal auf, war dann aber sofort wieder entspannt. Tja. Muss mir nur noch wer lernen, so zu sein wie unsere Leaderstute oder ihr Herrli ;-)
Dann kam der große Moment, wo wir uns trennten, und ich allein auf unbekannten, aber genau geschilderten Wegen nach Hause sollte. Ich war unsicher, ob das unproblematisch vor sich gehen würde und stieg sicherheitshalber ab. Und blieb übrigens auch unten den Rest des Weges ;-). Ich musste allein bis zur Straße, dann ein kurzes Stück direkt auf der Straße (hätte ich mich NIE getraut, wenn mich die nicht einfach hier "ausgesetzt" hätten - ich musste ja irgendwie heim kommen!), dann eine Straßenüberquerung, und das alles noch dazu in mittlerweile so dichtem Nebel, dass es auch Nieselregen sein hätte können. Wir fanden die beschriebene Wegmarkierung und folgten ihr durch schmale Wegelchen durch den Wald. Billy ging völlig zufrieden mit mir mit, er stapfte über alles drüber: Wurzeln, Stufen, Straßengraben, wir spazierten an Häusern entlang, an fremden Pferden vorbei, bis wir auf den Teil des Wanderweges kamen, den ich schon kenne, und kamen nach insgesamt 1:40 flotten Schrittspaziergang wieder zu Hause an.
Stolz bin ich auf uns!!
1 Kommentar:
Hey, ich gratuliere ganz herzlich. Man kann förmlich lesen, wie sehr du den Ausritt genossen hast.
Alles Liebe, Alex (vom Bosal WS)
Kommentar veröffentlichen