Es war soweit!! Kurs mit Kurt!
Wie schon vor dem Workshop im Jänner war ich so aufgeregt wie ein Kind vor Weihnachten, sodass ich schon am Freitag um 3:30 aufwachte und nicht mehr einschlafen konnte. Die beiden Kurstage gings mir nicht viel anders ;-)
Noch am Freitag abend schlug leider das Wetter – wie schon lange vorhergesagt – um, und es gab ein Gewitter mit Platzregen.
Das schlechte Wetter hielt am Samstag leider an, sodass wir in die Halle auswichen.
Zuerst gab es aber noch die Theorie im Stüberl. Kurt verteilte Unterlagen, zeigte seine Hackamore, erklärte kurz woraus sie besteht und wie sie wirkt, wie sie passen muss und die Grundpfeiler der altkalifornischen Reitweise.
Wir waren 4 Teilnehmer mit Pferd und 7 Zuschauer!
Danach bildeten wir 2 Gruppen: Die ersten beiden waren Hackamore-Neulinge (ok, eigentlich waren wir das alle). Sie probierten zuerst verschiedene Hackamores an, bis die richtige für die jeweiligen Pferde gefunden war. Kurt zeigte uns gleich wie man die Zügel beim Führen richtig verknotet. So führten sie die Pferde in die Halle. Dort gleich der nächste Knoten: Wie montiert man ordentlich das Führseil an den Sattel (bis heute hab ichs nicht mehr zusammengebracht!)?
Dann gings los. Gruppe 1 und Gruppe 2 machten jeweils die gleichen Übungen. Wir schnitten die Übungen immer nur an, Kurt ließ sie uns probieren, bis wir die Hackamore korrekt handhabten und die erwünschten Reaktionen von den Pferden bekommen hatten; danach ging es meist gleich weiter zur nächsten Aufgabe. Wir sollten einfach ein möglichst großes Repertoire an Übungen bekommen, damit wir dann nach Ende des Kurses mit unseren Pferden alleine üben könnten. Dabei baute immer ein Schritt auf dem nächsten auf, alles wurde ausführlich erklärt, geübt, Fehler ausgebessert, nochmal probiert, und auch die Zuschauer wurden immer wieder extra miteinbezogen, wenn sie Kurts Erklärungen gegenüber den Reitern nicht hatten hören können.
So erarbeiteten wir uns mit unseren Pferden die folgenden Übungen:
1) Allgemeine Grundlagen
a) Lenkung
Gelenkt wird "altkalifornisch" mit dem Gewicht. Das Gewicht gehört immer in Bewegungsrichtung. Gut üben kann man das, indem man den inneren Arm mit relativ lockerem Hackamore-Zügel in die Richtung weist, in die man möchte (nach vorn/seitlich, nicht nach hinten oder unten). Das Handgelenk ist dabei nach oben gedreht. Die äußere Hand bleibt am Vorderteil des Sattels liegen, der äußere Zügel hängt ganz durch. Durch die weitausholende Bewegung des Armes verlagert sich das Gewicht automatisch nach innen.
b) Armhaltung
Um die Hackamore richtig zu bedienen, sollten wir die Arme eher strecken als zu weit anwinkeln, "wie ein Dirigent" (ein enthusiastischer ;-). Dabei bleiben die Hände immer vor dem Sattel. Nur ja nicht die Ellbogen an den Körper pressen, denn von dort ist es dann nicht mehr weit, die Arme zugleich nach hinten zu ziehen.
Im Zusammenhang damit: Die Zügel nicht lang wie Wäscheleinen lassen, denn auch das verleitet dazu, die Arme schlussendlich nach hinten zu ziehen. Also besser: Zügel kürzer und Arme vor.
2) Innenstellung
Zuerst vom Boden, dann vom Sattel aus, mit kleinen Zupfern zur Seite, wird das Pferd gestellt. Unsere Pferde hatten allesamt Horsemanship-Hintergrund, daher war das prinzipiell für keinen ein Problem.
Dann aber kommt irgendwann der schwierige Part: Pferd soll verstehen, dass es die Stellung so beibehalten soll, auch wenn wieder etwas Slack im Seil ist. Denn das wichtigste Um und Auf: Es wird immer nur mit Impulsen geritten, niemals sollte man an den Zügeln "hängenbleiben". Aber irgendwann nach der Lernphase ist auch ein ständiges Zupfen unerwünscht - lästig für beide Seiten, Pferd und Reiter. Wie also dem Pferd klarmachen, dass es die Stellung beibehalten soll, wenn es sie einmal eingenommen hat? Das war eins der Dinge, an denen ich mit Billy ja vorher bereits scheiterte, wir gerieten in ein ständiges Zupfen.
Und das hat funktioniert: Den Pferd in diesem Fall nicht den "Fehler machen lassen", um es danach (wenn es den Hals wieder gerade hält) neuerlich zu stellen. So denkt Pferd nur, dass dies die neue Übung ist: Stellen - gerade - stellen - gerade. Ist es aber nicht. Es hilft daher, nach dem ersten Stellen nur minimalen Slack im Zügel zu behalten und das Pferd, sobald es ansetzt, den Hals wieder gerade zu stellen, mit einem zweiten kleinen Impuls dazu zu bringen, die Stellung zu behalten. So oft und so lange, bis es sichtlich verstanden hat.
Die Entlassung in die gerade Halshaltung erfolgt auf ein deutliches Signal, z.B. ein Stimmlob und deutliches Hingeben des Zügels oder Streicheln.
Die Methode hat erstaunlich schnell und gut funktioniert bei Billy, der hatte das in kürzester Zeit begriffen.
3) Innenstellung in die Bewegung übertragen
Klappt das Halten der Stellung gut im Stillstand, kann man dann nach und nach dazu übergehen, die Stellung in der Bewegung (zuerst einmal Schritt natürlich ;)) zu verlangen und dann wiederum nach und nach über einen, zwei, dann immer mehr Schritte zu halten.
Sobald man sich in Bewegung setzt und die Innenbiegung fordert, gehen die meisten Pferde naturgemäß ihrer Nase nach, sprich: wenden nach innen ab. Das bedeutet, dass einfach die Lenkung von der Biegung noch nicht genug "entkoppelt" ist. Mit dem Innenschenkel (in Impulsen, nur wenn nötig) und Gewichtshilfe kann man das Abwenden verhindern, bis Pferd kapiert hat, dass der Zügel nur die Kopfstellung anspricht, die Richtung aber vom Reitergewicht (und als Verstärkung desselben dem Schenkel) bestimmt wird.
Wichtig dabei: An der Bande gibt es jeweils nur Innenstellung. Außenstellung oder einen Wechsel zwischen Links- und Rechtsstellung immer nur im "freien Raum". Ja, das hatte einen Grund, aber der ist mir hier zu kompliziert ;-)
4) Genickbeugung
Von der gelungenen Innenstellung gehts dann weiter, die Genickbeugung abzufragen. Zur Innenstellung kommen seitliche Impulse mit dem Außenzügel. Sofort wenn das Pferd im Genick abkippt, nachgeben, loben. Im Stillstand hatte ich das mit Billy schon geübt und das klappte ganz gut. Wir übertrugen es dann noch in die Bewegung, Schritt und sogar Trab. Natürlich immer nur für Momente; 2-3 Tritte dies zu halten war dann schon ein Fortschritt. Billy glaubt nach dieser Übung dann hie und da, dass das Genick-Abkippen nun die Antwort auf alles ist ;-). Mit ein bisschen Geduld bringt man ihn aber dann schon noch dazu, zu differenzieren. ;-)
5) Passive Schulterkontrolle
Eine ganz wichtige Übung, deren Name mich aber schon im Jänner bei unserem ersten Workshop verwirrt hat. Schulterkontrolle versteh ich ja noch, aber was soll passiv bedeuten?? Nun ja, im Grunde bedeutet es für mich simpel "Reiten in Außenstellung" bzw. "Halsstellung unabhängig von Bewegungsrichtung". Man stellt also z.B. rechts und reitet nach links. Theoretisch kein Problem, schließlich "lenkt" man ja ausschließlich mit dem Gewicht. Theoretisch. Praktisch wissen wir, dass Pferde gern ihrer Nase nachgehen, man braucht also dann zusätzlich den Außenzügel mit Impulsen zur Seite und/oder Innenschenkel zur Verdeutlichung der Richtung.
Wir übten das auf einer Acht, bei der wir eine Hälfte mit Innenbiegung, die andere mit Außenbiegung ritten (sprich: Die Stellung nach z.B. rechts bleibt gleich, man wechselt auf der 8 aber die Hand). Die gleiche Übung kenne ich wieder einmal von Kreinberg :-). Etwas fortgeschrittener wechselt man von Außenstellung zu Außenstellung: Auf der linken Hälfte in Rechtsstellung reiten, auf der rechten Hälfte in Linksstellung.
Eine sehr gute Übung für den Anfang fand ich so einen "freien Slalom": Nur ganz wenige Schritte werden mit passiver Schulterkontrolle geritten (Außenstellung), danach wechselt man gleich wieder die Richtung für ein paar Schritte und reitet in die andere Richtung, nun Innenbiegung. Man bewegt sich dann in einem kleinen Slalom übers Viereck. Es macht die Übung zu Anfang leichter, weil man immer nur 2, 3 Tritte fordert und zu "normaler" Innenbiegung (durch simplen Richtugnswechssel, die Biegung bleibt immer gleich) übergeht. Man kann so auch das u.U. verlorengegangene Vorwärts wieder gut herstellen.
Am 2. Tag haben wir das dann sogar schon im Trab probiert (die Betonung liegt auf "probiert" ;-).
6) Anhalten zum Rückwärts
Beim Rückwärts war Kurt ganz wichtig, dass die Rückwärts-Bewegung von der Genickbeugung "entkoppelt" wird. Und tatsächlich ist es ja bei Billy so, dass er die beiden Dinge miteinander assoziiert. Da ich doch immer noch den Zügel annehmen muss für das Rückwärts, beugt er das Genick, dann geht's rückwärts. Fertig mit Rückwärts bedeutet für ihn automatisch fertig mit Genickbeugung. Das soll entkoppelt werden. Wir übten daher, aus dem Schritt (später Trab) anzuhalten durch einsitzen, Genickbeugung abfragen, aber zuerst noch ohne Bewegung, dann durch Gewicht (Steigbügel nach unten drücken) rückwärts, wieder anhalten, aber weiter Genickbeugung abfragen, dann erst Zügel hingeben als Release. D.h., Pferd soll die Genickbeugung vorher und nachher beibehalten, auch ohne die Rückwärtsbewegung. Wenn man das versucht, merkt man erst, wie sehr man ankonditioniert hat, dass beides zusammengehört.... Wir übten dann auch weiter, abwechselnd rückwärts und wieder vorwärts zu gehen, immer nur ein paar Tritte, und dabei die Hände völlig unverändert zu lassen. Wie beim Wenden zur Seite wird die Richtung auch im Fall von vorwärts oder rückwärts alleine durchs Gewicht bestimmt (Schenkel bedeutet in beiden Fällen: "beweg dich [schneller]", wobei die Schenkellage beim rückwärts schon etwas weiter vorn ist als beim vorwärts). Also weiterhin alles total logisch aufgebaut: Gewicht bestimmt: vorwärts, rückwärts, links und rechts;Schenkel sind eher für die Bewegungsintensität zuständig, und die Zügel widmen sich rein der gewünschten Kopfstellung. (Wenn ich denn nu alles richtig verstanden hab ;-).
7) Diagonalkontrolle
Die "Diagonalkontroll"-Übung bestand für mich aus 2 Teilen. Teil 1 lässt die Hinterhand herumschwenken (also Vorhandwendung), gleich im Anschluss die Vorhand herumschwenken, also Hinterhandwendung. Die Übung kenne ich mittlerweile von allen Horsemanship-Richtungen. Parelli nennt sie "Indirect-Direct-Rein-Ballett", Richard Thompson hat sie uns gezeigt (vom Boden und vom Sattel aus) und Buck Brannaman verwendet viel Zeit darauf in seiner "7-Clinics"-DVD-Reihe. Und auch sonst überall sieht man sie: Hinterhand weichen lassen, Vorhand weichen lassen.
Wie üblich war Billys Vorhand etwas "sticky", die weicht immer noch nicht gerne ;-)
Interessant war auch der 1. Teil der Übung, also die Hinterhand weichen zu lassen. Billy hat es so gelernt, dass Innenzügel ohne Schenkel = Biegung und stillstehen. Innenzügel + Innenschenkel = Biegung + Hinterhand weichen. Nun mussten wir beide umlernen, denn Kurt lehrt das ganze so, dass der Innenzügel Innenstellung gibt, dann aber kein Schenkel kommt, sondern nur eine Gewichtsverlagerund (in Bewegungsrichtung und etwas nach vorn, um die Hinterhand frei zu machen, damit sie wieder unter den Schwerpunkt treten kann). Schenkel sollte nur dazu als letzte Phase, wenn keine Reaktion kommt. Und natürlich kam bei uns keine, ich hab Billy ja ausführlich beigebracht, dass er stillzustehen hat und erst auf Schenkel seitwärts weichen soll. DAs hat er auch brav gemacht, sprich, er tat nix. Wir werden das üben, um es umzukonditionieren. Mit Gewicht hab ich beim HH-Weichen noch nicht wirklich bewusst gearbeitet.
Warum das ganze aber überhaupt? Kurt erklärte den Zusammenhang: Übt man fleißig, dass die Hinterhand mit Innenstellung und Gewichtsverlagerung kreuzt, so kann man das später in die Bewegung übertragen und erreicht, dass das Pferd später bei einem Impuls am Innenzügel mehr oder weniger automatisch das gleichseitige, innere Hinterbein mehr unter den Schwerpunkt bringt, die Effekte werden sozusagen automatisch gekoppelt. Fand ich sehr interessant und bin gespannt, ob wir einmal da hin kommen ;-).
7) Angalopp
Ganz zum Schluss widmeten wir uns noch ganz kurz dem Angalopp. Theoretisch hab ichs verstanden, praktisch hats nicht so wirklich geklappt, aber deshalb, weil Billy a) schon etwas ausgepowert und stinkig war und b) die Vorübung, nämlich die passive Schulterkontrolle, noch besser werden muss.
Um den jeweiligen Handgalopp zu bekommen, sollten wir etwas von der Bande wegreiten, dann mit passiver Schulterkontrolle die Schulter nach außen verschieben (sodass man also in eine Kruppherein-Stellung kommt; aber eben nicht, indem man die Kruppe herein schiebt, sondern indem man die Schulter hinaus schiebt); dadurch ist das Gewicht außen, wo es auch beim Angaloppieren sein soll (um das innere Vorderbein frei zu machen).
NAch den zwei Kurstagen war mein Kopf (und der von Billy glaube ich auch) solchermaßen voll bis oben und ich brauchte erst einmal so ca. 15 Stunden Schlaf ;-)
Jedenfalls ganz toll, danke Kurt! :-)))
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