you live you learn you love you learn you cry you learn you lose you learn you bleed you learn you scream you learn you grieve you learn you choke you learn you laugh you learn you choose you learn you pray you learn you ask you learn you live you learn
Alanis Morissette

Donnerstag, 19. Juni 2014

verLADAtraining

Am langen Wochenende haben wir mal was Verrücktes gemacht. Wir haben einen Lada Taiga getestet, und zwar im Anhängerbetrieb. Wobei das Verrückte nicht ist, dass wir ihn getestet haben, sondern dass er mir gefällt und ich tatsächlich seine Anschaffung in Erwägung ziehe. ;-)

Es ist einige Jahre her, da blätterten wir durch eine Zeitschrift, in der alle Autos mit ihren Anhängelasten aufgelistet waren - elendslang natürlich, Seite um Seite um Seite. Mein Blick ging dabei immer folgendermaßen: Zuerst in die Spalte mit der Anhängelast, gefolgt von hie und da hoffnungsvollem Luftschnappen, danach auf die Spalte mit dem Auto-Kaufpreis, gefolgt von hoffnungslosem Schnaufen (manchmal auch gepaart mit einem halben Erstickungsanfall). Bis ich in eine Zeile kam, da stand in der Spalte mit der Anhängelast 1.900 und in der Spalte mit dem Neukaufpreis 10.000 €. .... "??????" dachte ich damals, und "ein Tippfehler". Aber nach einiger Recherche erkannt: Mitnichten. Das 10.000,- € Russen-Fahrzeug darf ohne Auflastung 1490kg ziehen und mit Auflastung 1900. Unglaublich.

Nun ist "dürfen" natürlich noch nicht "können", und überhaupt....
Durch Zufall fanden wir dann einen Händler, einen wahren Lada-Enthusiasten, der uns einfach mal so ("no da kummts hoit amal vurbei") kurz probefahren ließ. Wir verließen das kleine Auto mit einem dicken Grinsen im Gesicht. Meine Anfrage, ob man vielleicht mal mit Hänger vorbeikommen könnte, um zumindest auf einer ganz kurzen Strecke auszuprobieren, wie das Auto so zieht, hieß es: "Jo do nimmstn hoit amal mit a wochn oder so und kaunst ollas ausprobieren wos'd wüst". Also haben wir am vergangenen Wochenende genau das getan!

Als erstes wurde einmal der Hanger ausgemottet und Reifen etc. überprüft. Dank Schutzhülle hat er den Winter super überstanden. Dann angekuppelt, dank bereits einiger absolvierter Übungsstunden mit dem Lada (wie beim Pferd gilt hier, sehr sympathisch: Mit "rein und los" gehts nicht, man muss sich erst einmal aneinander gewöhnen, Fahrer und fahrbarer Untersatz! Wenn man überhaupt das Zündschloss findet!!) ging das sehr gut. Elektrik überprüft (erstaunlich! Alles funktioniert!) und dann mal eine  Runde auf dem Hof gedreht (durchaus mit der Erwartung, dass wir entweder nicht vom Fleck kommen oder das Auto auseinanderfällt). Nichts passierte, weder röhrte das Auto lauter als ohne Hänger, noch knarrten irgendwelche Teile mehr als vorher.



Wir wagten uns dann tatsächlich mit leerem Hänger auf die Straße. Das ging ebenfalls gut, wir beschlossen wagemutigst, eine Steigung zu befahren. Der Lada beschwerte sich etwas. Der 2. Gang war ihm zu wenig, der 3. zu viel. Nach kurzem nervlichem Zusammenbruch hievten wir (hieven ist genau das Verb, das angebracht ist, um Schaltvorgänge adäquat zu beschreiben!) den Untersetzungshebel rum und gönnten ihm also Untersetzung: und siehe da, er bestätigte dann seinen Ruf als Arbeitstier und zog den Hänger als wäre nichts; bergauf mit Hänger in die 5. schalten, das war nicht schlecht.

Mutig geworden, zitierten wir das Billytier zu uns und starteten eine Verladesession. Ich erwartete Übles. Unsere letzte Fahrt war lang und endete im neuen Stall, die davor auf einem anstrengenden Kurs. Und meine Versuche, Billy im Winter auf einen zu Übungszwecken abgestellten Hänger auf dem Viereck zu verladen, waren allesamt nicht sehr erfolgreich (und auch nicht sehr ernsthaft von mir). Aber der gute Billy mag seinen eigenen Hänger. Hinten die Tür auf (nicht Rampe), vorn die Tür auf, und auf altbewährte Art mal von vorn nach hinten verkehrtrum einfach durchspaziert. Dann von hinten nach vorn durchspaziert. Dann draußen geblieben und Billy reingeschickt. Er machte Annäherung und Rückzug ganz eigenständig, verlud sich quasi selbst... ich musste nur daneben stehen, das Seil halten und beobachten. Erst mal nur den Hals rein, wieder retour. DAnn einen Fuß rein, wieder retour (zu diesem Zeitpunkt war ihm wohl bewusst, dass vorne die Stange nunmehr zugemacht worden war). Dann beide Vorderbeine rein und wieder retour. Wie aus dem Bilderbuch! Schließlich 3 Beine drin, dann alle 4, noch einmal gleich wieder retour, aber dann stand er drin und war abfahrbereit, soweit er halt abfahrbereit sein konnte.
Ziemlich aufgeregt fuhr ich los. Gleich mit Untersetzung. Beim Anfahren spürte man nun zum ersten Mal, dass da überhaupt was dran hing. Der Plan war, einfach nur mal kurz die Straße rauf und bei der ersten Umkehrmöglichkeit rum und wieder runter, nur mal kurz hin und her. Doch da es sich mit 600kg mehr kaum anders anfühlte, wagten wir es: Wir fuhren mit Billy die große Runde mit allen Steigungen! Wir waren verblüfft, der 6-Zylinder-Jeep mit 3,5 Tonnen Anhängelast hat mehr geschnauft als der kleine Lada. Klar waren wir sehr langsam, aber das war der wertvollen Fracht geschuldet, nicht der Fähigkeit des Autos.

Nach 15 Minuten waren wir auch wieder wohlbehalten zu Hause. Nur der arme Billy war völlig fertig mit den Nerven, wie immer. Er hatte sich in den 15 Minuten derart nassgeschwitzt, dass die Tropfen auf der vorderen Stange standen und sich eine kleine Pfütze gebildet hatte. Er bekam im Hänger noch sein Belohnungsfresschen, die Aufregung war immerhin so, dass er das genüßlich mampfte. Er tat mir natürlich leid, aber a) war ich wie mit einem rohen Ei gefahren und b) wird es vom Vermeiden nicht besser werden. Wir werden halt einfach weiter üben. Mit einem immer und stets verfügbaren Zugfahrzeug ginge das natürlich am allerbesten ;-) .







3 Kommentare:

Christian hat gesagt…

Cool, auf einen Lada Taiga wäre ich nie als Zugfahrzeug gekommen.

Ich habe aber gelesen, dass man die Untersetzung nur im Stillstand (de)aktivieren darf.

Aber wenn ihr mit der Auflastung zurecht kommt, ist das natürlich eine gute Alternative.
Gruß
Christian

Anonym hat gesagt…

Klar, Untersetzung rein nur bei Stillstand! Wir taten's an der Straßenkreuzung, wo wir ohnehin kurz stehenbleiben und warten mussten.

Ohne Auflastung darf der Lada auch noch 1490kg ziehen, was für meinen Hänger + Pferd gerade reichen würde. Auflasten auf die 1,9t würde ich aber zur Sicherheit, um nicht von der Polizei dauernd auf die Waage geschleppt zu werden... ;-)

LG,
Büffli

Christian hat gesagt…

Bei uns an der Genossenschaft könnte ich mir schriftlich geben lassen, was Pferde und Hänger gemeinsam wiegen, das wäre dann nicht immer aktuell, aber evtl ein erster Hinweis für die Polizei.
Außerdem hatten Wiegepässe der Pferde dabei und damit hätten wir glaube ich genug gehabt....