you live you learn you love you learn you cry you learn you lose you learn you bleed you learn you scream you learn you grieve you learn you choke you learn you laugh you learn you choose you learn you pray you learn you ask you learn you live you learn
Alanis Morissette

Freitag, 22. August 2014

Verladewoche

Etwas, was mich bei den angereisten Teilnehmern vom David Lichman-Kurs sehr beeindruckte, war die Entspannung ihrer Pferde im stehenden Hänger. Da standen sie, entweder vor ihrer Abreise oder  nach ihrer Ankunft, Klappen offen, Pferde neugierig, aber kein Hüpfen, kein Trampeln, kein unbedingt-sofort-Rauswollen.
Ein neues Ziel für uns, Billy zum Verlade-Profi zu machen. Einsteigen tut er ja brav, aber wir wissen: Kaum wird gefahren, kriegt er Schweißausbrüche. Und Stehen ohne Fahren ist auch blöd, findet er. Da kann man ja genausogut auch wieder aussteigen, oder?

Dass das alles eine Sache der Übung ist, ist klar.
In dieser Woche hatte ich Urlaub, das Zugfahrzeug und sein Lenker standen mir zur Verfügung - Gelegenheit zum Verladetraining!
Am Montag hatte ich noch folgenden Plan: Billy sollte einfach lernen, dass man sich im stehenden Hänger nicht aufregen muss. Nichts anderes als in der Box stehen, Billy! Oder im Futterautomaten! (Wo Herr Billy ja mit Vorliebe mal ein Zwischendurch-Nickerchen einlegt - Klaustrophobie ist nicht der Grund für die Nervosität im Hänger!). Ich wollte ihm einfach mal zeigen, dass nicht immer was passieren muss (fahren), wenn die Hängerrampen zugehen. Wir hängten als Entspannungsbeschleuniger ein Heunetz auf ... Billy trapste ohne Schwierigkeiten in den HÄnger und mampfte los. In kleinen, aber (rückblickend) doch zu schnellen STufen ließen wir ihn allein: Zuerst gingen wir weg, dann machten wir die Reitertür vorn zu, dann hängten wir die Stange ein, dann machten wir die Rampe zu, dann banden wir ihn an (weil ich nicht möchte, dass er womöglich mal probiert, ob er umdrehen kann). Billy stand und fraß. Wir setzten uns unter einen Sonnenschirm neben den Hänger und entspannten.

Und dann war das Heu gegessen.
Billy wartete kurz, was nun zu seiner Bespaßung passieren würde, und als genau nichts passierte und er zusätzlcih feststellte, dass er aufgrund des Angebunden-Seins nicht jede Fliege so wegscheuchen konnte wie er wollte, began er zu randalieren. Meine Nerven!
Er trat hinten gegen die Rampe, er stampfte dass ich Angst hatte, er käme gleich durch den Boden durch, er trampelte hin und her, dass der ganze Hänger mitsamt Auto wackelte.
Weil ich meinen Hänger gern noch länger haben wollte, wie auch ein Pferd ohne Blessuren, brachen wir die Übung irgendwann ab, als es meine Nerven nicht mehr ertrugen. Natürlich ein schlechtes Ende, denn nun hatte Billy die Erfahrung: Randalieren hilft.

Am Dienstag änderten wir nach reiflicher Überlegung die Strategie. Wir stellten den Hänger mitsamt Auto aufs Viereck und erklärten ihn zum Ruhepol. Draußen gabs Arbeit über Arbeit, Ruhepausen nahm Billy nur im Hänger ein. Billy sabotierte die Pläne ein wenig, indem er heute sehr gehfreudig war, aber es klappte schließlich trotzdem. Wir fingen mit Bodenarbeit an. Billy war übermütig, galoppierte an, versuchte mir zweimal das Seil aus der Hand zu reißen und wegzugaloppiern, und schlug in meine Richtung aus; ich konnte ihn aber halten. Wir machten zuerst am Boden, dann beim Reiten anstrengende Dinge: Achter, Slalom, ganz viele Handwechsel mit Galopp dazwischen, ganz viele Übergänge, schließlich Hopser über Cavaletti. Hier versuchte ich wie bei David, ihn trabend hinzuschicken und dann über dem Sprung angaloppieren zu lassen. Billy vergingen langsam die Flausen. Als ich das erste Mal das Gefühl hatte, er bräuchte eine Belohnungspause, gingen wir zum Hänger. Anfangs zierte sich Billy und wollte sich nicht reinschicken lassen. Das ganze dauerte zu lange, er bekam die Pause vor statt im Hänger, das war nicht so gut. Also mit ihm reingegangen, das klappte immer gleich. Reinschicken wird dann später eine weitere Phase.
Der Plan war: Billy darf sich drin ausruhen mit mir, ein wenig Hafer haben wir ihm auch gegeben. Alle Türen bleiben offen, ich verhindere nur mit dem Seil, dass er womöglich umdreht. Sobald er rückwärts aussteigt von alleine, geht es weiter mit der Arbeit. Tatsächlich passierte das am Anfang sofort nach dem Auffressen vom Hafer. Billy schob geordnet rückwärts, stieg super aus der Tür mit Stufe aus.
Weiter gings! Weiter Bodenarbeit, Seitwärts, viel viel Rückwärts, und wieder Hänger anbieten. Immer wieder und wieder. Billy fraß jedesmal nur die paar Haferkörner und stieg selbst wieder aus.
Nach der Bodenarbeit bin ich noch geritten: Trab und Schritt nach Rhythmus von Musik, wie bei David, dabei sehr sehr schneller Trab und Schritt (spätestens da hatte Billy dann genug). Nach jeder anstrengenden Übung boten wir ihm Ruhe im Hänger an und etwas Hafer. Die Pausen, in denen Billy drinstand, wurden langsam länger, aber trotzdem ging er immer selbständig wieder raus. Am Abschluss des Dienstag war es dann aber schließlich so (nach einer 2-3 Stunden-Session), dass er einen Schritt nach rückwärts machte und deutlich dran dachte, auszusteigen, dann aber wieder einen Schritt nach vor tat und ausruhte. Das war am Dienstag der Zeitpunkt, wo ich ihn aktiv rausschickte, wutzeln ließ und nach Hause brachte.

Am Donnerstag ging es weiter. Wir parkten den Hänger diesmal am Ausgang des Vierecks, weil das so nass war. Klappte auch gut. Der Unterschied zu Dienstag war enorm. Ich arbeitete kurz mit Billy, wir machten wieder lästige anstrengende Übungen (heute war er von Anfang an nicht so ungewöhnlich energievoll wie am Dienstag), dann ging ich mit ihm in den Hänger (reinschicken klappte immer noch nicht, egal). Er blieb von Anfang an länger drin und musste eigentlich fast immer rausgeschickt werden. Wir schlossen auch erstmals hinten die Rampe für kurze Zeit und ließen ihn kurz allein. Da wird er schon wieder nervös, aber auch das ist nur eine Frage der Zeit. Mit geschlossener Klappe zeigte Billy dann bei einem der Versuche ein „coming off Adrenaline“ wie aus dem Bilderbuch: Er blinzelte, die Augerl fielen ihm zu, er gähnte, er kaute, Hals senkte sich und er war nun sichtlich entspannt. Ein super Abschluss, Klappe wieder auf und raus geschickt und heim.

Freitag dann noch einmal, Hänger wieder außerhalb vom Viereck. Billy ließ sich zwar immer noch nicht reinschicken, aber wir konnten die Klappe wirklich schon lange lange Zeit zulassen, ohne bei Billy zu bleiben und ohne dass er Futter hatte. Er begann dann zwar wieder etwas ungeduldig zu stampfen und nach Fliegen zu schlagen, aber er sah die ganze Zeit relativ entspannt aus. Wieder zeigte er so schön einen Entspannungsanfall, und wir luden ihn wieder aus.
Donnerstag und Freitag ging er kein einziges Mal von sich aus rückwärts. Und interessanterweise war das Raussteigen über die Stufe plötzlich wieder ein Problem.Am Dienstag hatte er da nicht gezögert, d.h. es war offenbar noch gruseliger, im Hänger zu stehen, als das schwierige Raussteigen. Donnerstag und Freitag dann langsam umgekehrt.

Schön, wenn man einmal so viel Zeit hat und kontinuierlich an sowas arbeiten kann. Wir werden sehen, wie es weitergeht, wenn das Zugfahrzeug wieder einmal zur Verfügung steht.

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