you live you learn you love you learn you cry you learn you lose you learn you bleed you learn you scream you learn you grieve you learn you choke you learn you laugh you learn you choose you learn you pray you learn you ask you learn you live you learn
Alanis Morissette

Freitag, 15. August 2014

Kursbericht: David Lichman, 14.+15. August in Mauerbach


Es war soweit, schon wieder das nächste Kurs-Highlight bei uns im Stall - David Lichman, 5-Stern-Parelli-Instruktor, beehrte uns mit einem 2-tägigem Kurs. Als i-Tüpfelchen schaute Michael Grohmann am ersten Tag vorbei und coachte sogar ein bisschen mit.
Selbst das Teilnehmerfeld war erlesen, wir waren 6 Teilnehmer mit durchwegs hohem Niveau, Level 3, Level 4, da versteckten sich sogar noch 1, 2 Parelli-Instruktoren-Sternchen unter den Teilnehmern, ohne dass ich es wusste ;-). Das waren dann also 10 Parelli Sterne auf einem Platz. Wow.

Während ich mich also zwischen lauter Level-4-Leuten etwas klein fühlte, ging es dem Billy wohl nicht anders, denn der stand nun zwischen Ex-Renntrabern, Vollblutarabern und einem Isi mit 5-Gang-Getriebe. Insgesamt fühlten wir uns ein bisschen wie ein Fahranfänger, der mit einem Traktor in ein Formel-1-Rennen geraten ist.
Das Billy-Tier und ich versuchten also, das Niveau nicht allzu sehr nach unten zu ziehen *g*. Billy gab sich alle Mühe und zeigte sich von seiner besten Seite, ich war furchtbar stolz :-).

1. Kurstag:

Der erste Programmpunkt für die Bodenarbeit am Vormittag war 45''-Rope-Handling. Ich hatte mir das gewünscht, weil ich mich in den letzten Jahren immer mehr dabei ertappe, dass das lange Seil zusehends im Spind verstaubt, weil ich mich jedesmal, wenn ich es zu benutzen versuche, darin verheddere, oder - noch schlimmer - den Billy gleich mit. Es bleibt also im Spind und damit beschränkt sich die Distanz, die ich zum Pferd aufbauen kann, halt auf unsere üblichen 7 Meter. Daher hoffte ich schwer auf Tips und Tricks. Eine andere Teilnehmerin war von der Idee auch angetan und interessierte sichs fürs Roping, also ging es gleich damit los; wobei David durchaus gleich durchblicken ließ, dass das ganze nicht unbedingt seine Lieblingsdisziplin sei ;-).
 Zuerst ließen wir die Pferde angebunden stehen (superbrav) und übten „trocken“. Rope auswerfen und einholen. David zeigte uns verschiedene Arten, wie man die Hand halten kann. Dann kam der erste Trick und die erste Erleuchtung bei etwas, wo ich immer Schwierigkeiten hatte: Kommt das Pferd auf mich zu und ich muss schnell das Rope verkürzen, dann ist nix mehr mit „coiling“! In dem Fall legt man (zumindest als Nicht-Super-Profi) keine sauberen Schlaufen mehr, sondern zieht das Seil nur mit der einen Hand schnell durch die andere und „sammelt“ das Rope hinter sich. Und ist das Pferd dann da und die Situation wieder beruhigt, dann „coilt“ man das Seil nunmehr von hinten „up“. So erspart man dem Pferd nämlich auch das Herumschlackern des Ropes am Halfter. Das Seil „sammelt“ man dabei auf der rechten Körperseite (d.h. linke Hand hält/stabilisiert, rechte Hand zieht durch, Seil liegt dann rechts hinten), steigt dann zum Aufwickeln drüber, sodass es auf der linken Körperseite liegt, hält die Schlaufen mit rechts und rollt mit links das liegende Seil ein. Umgekehrt macht man es (links hält, rechts wickelt), wenn man den zum Pferd führenden Teil des Ropes aufwickelt. Das war schon einmal eine Erkenntnis.
Dann begannen wir zu werfen. Zuerst ohne Schlinge, kreisen lassen und dann von rechts, mit einer „Zeigebewegung“ auf das Ziel, loslassen. Nicht nach oben werfen, sondern eher von oben nach unten. Danach zeigte uns David noch, wie man mit einer ganz gewissen Handbewegung die Schlinge groß macht. Man muss zwei oder dreimal umgreifen und dabei die Schlinge lang ziehen. Das war meinem Hirn zu viel…  Jedenfalls begannen wir dann die Schlingen kreisen zu lassen. Man muss das Handgelenk dabei drehen, die Schlinge dreht sich dann so, dass man bei jeder Umdrehung durchschauen kann. Und in dem Moment, wo man vorne durchschaut, muss man sie loslassen. Eh ganz einfach !!! ;-)
Mit diesem neuen Wissen schickte David uns dann Pferd holen. Der erste Stolz-Moment: Ich durfte tatsächlich gleich mit dem langen Seil ans Pferd. Ich sollte Billy auf einen Riesen-Zirkel schicken (das war das schwierigste daran) und gehen lassen und ihm das ganze Seil geben. Dann einfach üben: Seil vom Pferd her einholen, dann die Schlingen nach hinten raus werfen, von hinten wieder einholen. Nach vorne Richtung Pferd Schlingen loslassen, wieder einholen. Das klappte bald ganz gut, ich konnte dann Billy sogar antraben lassen und diese Übungen machen. Klappte besser als ich zu träumen gewagt hätte (jedenfalls bin ich nicht hingefallen und hab uns nicht peinlich verheddert).

Ich fragte David dann noch danach, wie bzw. ob ich es mit Billy je hinkriegen werde, ihm die „coils“ hinzuwerfen, und er geht willig rückwärts (denn das hatten wir davor mit Zuschauern, die "Pferd" spielten, so geübt). Die Antwort lautete mehr oder weniger nein, und David brachte in Bezug auf Billy einen tollen Vergleich. Zuerst zeigte er mir einmal, wie er Billy rückwärts gehen ließ. Und ich war superbaff und so froh, das sah nämlich nicht viel anders aus als bei mir. Billy giftelte, David musste ihm ordentliche Flicks auf die Brust verpassen, Billy ärgerte sich... Naja jedenfalls sah das auch weit entfernt von „fein“ und "schön" aus. Wir redeten da dann drüber, und David brachte das interessante Bild von „sharpening your tools“. Im Grunde sagte er nur, dass man bei manchen Pferden wie Billy nun mal schärfere Werkzeuge braucht, und dass man sie immer schärfen muss, wenn sie gut funktionieren sollen. Wie ein Koch sein Messer vor fast jedem Schnitt schleift, muss man bei Pferden wie Billy auch die Phase 1 quasi schärfen – mit einer kurzen Erinnerung an Phase 4. Man muss dabei dann auch nicht lange durch die Phasen gehen, einfach: Phase 1 – keine Reaktion, daher Werkzeug schärfen – zack – und dann wieder probieren, geht es jetzt, noch immer nicht? – zack – geht’s jetzt? Ja! Danke. Und David überschlug sich dann noch im Lobpreisen von billy-like LBI s (man werde ja auch nicht jünger!) ;-). Er redete noch drüber, wie man Tools stumpf macht: over-use, mis-use, under-use (dann rosten sie – bei Pferden wie Billy kommt das aber kaum vor ;-).

Am Nachmittag gings dann zum Reiten, und das war auch wieder sowas von super! David ist echt ein sehr großer Motivator. Wir ritten alle zusammen, weil bei uns ja genug Platz ist. Als erstes machten wir Zirkel mit starker Biegung, mit dem Ziel, dass die ganzen Rennpferde, die noch so dabei waren, sich mal nach unten strecken wollten. Billy sollte das aus anderen Gründen machen. Billy liefe ganz vernünftig, meinte David, nicht mit durchgedrücktem Rücken, aber auch nicht mit aufgewölbtem Rücken. Durch das Biegen auf dem Zirkel würde das besser werden. Billy bog sicher sehr sehr gut am Knotenhalfter, ich bemerke einen Effekt des Hackamore-Trainings! Er gab auf die gleiche Handhabung des Knotenhalfters nämlich auch im Genick nach! Ganz toll gemacht, nur manchmal etwas unmotiviert zu traben.

Dann eine weitere Übung, die für den Teilnehmer mit dem beim Ausreiten zu flott werdenden Araber gedacht war: das „Beep Beep Game“. Hier geht’s drum, das eigene Pferd vom Vorderpferd in einer Reihe rückwärts richten zu lassen. Alle stehen, der vorderste fängt an rückwärts zu schieben und wachelt mit dem Stick hinter sich (und sagt dabei wie ein LKW: Beep beep beep). Der Hintermann hält nur die Nase des eigenen Pferdes am Schweif des Vorderpferdes und wartet, bis dieses durch das Stick-Wacheln ebenfalls zurücktritt. Aufhören, wenn es leicht ist. Billy ließ ich lieber nicht als Vorderpferd agieren, wir trauten uns nicht. Anfangs kapierte ich das Spiel nicht ganz und richtete Billy aktiv rückwärts. Was soll ich sagen, er schenkte mir in dieser halben Stunde das beste Rückwärts ever. Leicht, willig, ohne Diskussion. Einfach nur genial, ich kam aus dem Loben gar nicht heraus! Ich fragte David später, ob das mit dem Zirkeln mit enger Biegung zusammenhängen könnte, und er meinte ja, posture wurde besser, daher auch leichter für ihn, rückwärts zu gehen. Ich werde damit experimentieren.
Zurück zum Beep Beep. Ich war mit den beiden RBE-Renntrabern in der Gruppe. Denen wurde bald zu fad, und sie machten das Spiel nicht mehr aus dem Stehen, sondern im Schritt, dann Trab, dann machten wirs im Galopp. Super geklappt. Ganz zum Schluss hängte David noch den Araber an uns hinten dran, ich schaute, dass ich ihn vehement mit Stick und String abhielt, und es passierte nix, uff. Billy war brav.

Dann packte David wieder die Musik aus, und es ging rund. Wir mussten den Schritt-Takt wieder dem Musiktakt anpassen. Billy und ich hatten sowas ja vor kurzem geübt, Schritt und Trab schneller und langsamer über den Sitz zu machen. Und mit Musik ist das dann überhaupt toll; ich kann gar nicht genau sagen wie ich es mache, aber wir waren meistens im Takt. Los ging es mit mittlerem Tempo, dann schneller und schneller im Schritt. Ich legte mich richtig ins Zeug. Am Schluss war Billy an der Grenze seiner Kapazitäten, was den Schritt anbelangt, es gelang mir aber, ihn so an der Grenze zum Antraben zu halten, dass wir den Takt immer noch halten konnten. Am Schluss spielte David noch eine Ballade, superlangsam zum Schreiten, da packte Billy dann sein Talent aus - sooooooo ein langsamer Schritt, da staunten die Rennpferde ;-). Das ganze kam dann noch im Trab. Auch da konnte ich Billy meistens super im Takt halten. Ich war die einzige mit Barebackpad, und als es richtig schnell wurde, musste ich für Billy Pausen einlegen. Er verspannte sich aber nie, ich konnte es super sitzen. Und dann gings auch noch in den Galopp. Die anderen sausten herum, Billy war müde und begann zu quengeln. Ich ließ ihn immer wieder kurz stehen und verschnaufen und hängte mich dann hie und da an die anderen an, um zu sehen, ob ich den Galopptakt auch halten kann. Konnte er gut! Am Schluss war das richtig schnell, Billy hielt mit, halt immer nur eine kurze Runde, dann ließ ich ihn wieder ausruhen.

Ein suuuper-Kurstag! David ist vor allem einfach auch ein super Motivator.

2. Kurstag:

Tag 2 vom David Lichman-Kurs!
Am Vormittag gab es wieder Bodenarbeit: Kopf auf ein bestimmtes Signal senken, um im Panikfall dieses entspannende Kopfsenken parat zu haben. David möchte dem Pferd beibringen, dass die Antwort darauf, wenn es sich in einer Situation sorgt, Kopfsenken ist. Also macht er mit dem Stick und String irgendwas zwischen Friendly und Driving Game, etwas, was das Pferd nervt und stört. Er schubst z.B. den String über den Rücken mit einem leichten Klatschen. Die meisten Pferde orten das als „sideways towards“, auch Billy. Ganz tolles Sideways Towards hat er gemacht! Also versuchte ich ein anderes Signal, klopfen auf die Schulter. Dadurch bekomme ich auch gleichzeitig die richtige Biegung, auf die David ebenso achtet, als weiteren Schritt. Also nerven mit einem bouncing stick, wenn das Pferd keine Antwort sucht, am Halfter nachhelfen und Kopf senken lassen, Pause. Ein Friendly Game im Grunde, nur dass die Antwort nicht stillstehen, sondern Kopfsenken ist. Wir übten im Stillstand, dann im Schritt und auch im Trab. Nur: Billy zeigte sich unüblich lernresistent, vielleicht muss man es mit Cookies installieren. Ich war jedenfalls leicht frustriert. Vielleicht klappte es auch nicht, weil mich das Signal nicht überzeugt hat – ich habe Angst, dass mein Driving Game leidet. Im Grunde ist es aber wie Karen Rohlfs Friendly Game in Bewegung, was wir ja auch machen, nur dass die Antwort Kopfsenken ist. Damit ging der Vormittag vorbei.

Am Schluss haben wir noch Anleitung zum Spin gekriegt, da hat unser erster Versuch gleich gut geklappt, ich habe das wieder aus Zone 5 aufgebaut. David baut den Spin so auf, dass er das Pferd am Hufschlag gehen lässt, es zu sich zieht ("draw"), die Nase am Bauchnabel vorbeischickt und dann von hinten die Vorhand rum, um es auf der anderen Seite wieder in Empfang zu nehmen. Haben wir auch am Kurs vor 3 Jahren gemacht.
Die zweite Gruppe übte „Boomerang“ at liberty: mit dem Pferd zu einem Hindernis, dann selbst rückwärts drumrum und das Pferd mitziehen. Von immer größerer Entfernung. Weitere Übungen: das Pferd „parken“ und dann zu sich rufen. Das klappte bei einigen wirklich toll.

Außerdem machten sie Sprung über eine Tonne: Auf dem Hufschlag ein hohes Hindernis aufgebaut, dann eine Lücke gelassen, dann eine liegende Tonne, dann wieder hoch. Das Pferd wird durch die Lücke durchgeschickt, und mit dem „Boomerang“ kombiniert, d.h. nicht die Hinterhand disengaged wie bei einem normalen Squeeze Game, das Pferd soll gleich herkommen. David lässt einen dann immer auf das Hindernis hinsetzen, als neutrale Position und "gut gemacht". Die Lücke zwischen den Hindernissen wird nach und nach verkleinert, bis sie ganz weg ist und das Pferd als nächst einfachste Möglichkeit die niedrige Tonne springt. Nach und nach kann man dann die höheren Hindernisse rundherum entfernen und beginnen, freistehende Tonnen zu springen. Eine Möglichkeit dazu ist auch, das Pferd über die "Falling Leaf"- Übung nahe heranzuführen und dann mit einem Fingerzeig über die Tonne zu schicken. Klappte schon gut bei manchem Teilnehmer!

Am Nachmittag sind wir wieder alle zusammen geritten, wir waren jetzt 1 Pferd mehr, denn die Vollblüter hatten sich verdoppelt: Eine Zuschauerin war offenbar so begeistert gewesen, dass sie in der Früh ihr Pferd nachholte, um den 2. Tag mit Pferd teilzunehmen. :-)

Am Anfang hat David das gelernte von gestern üben lassen; wir haben also enge Zirkel mit viel Biegung im Schritt und Trab geübt, auf dass Billy den Kopf senken soll. Lustig, im Gegensatz zur Bodenarbeit funktioniert das beim Reiten richtig gut.

Einige wollten an den Flying Lead Changes arbeiten. David ließ ein Bow Tie Muster aufbauen, mit 2 schräg vor dem Hufschlag aufgestellten niedrigen Cavalettis. Also so, dass man quasi einen Achter drumrum reiten konnte. Wir sollten auf die ersten Stangen hintraben und den ersten Galoppsprung genau über der Stange verlangen, und dann noch 2, 3 Galoppsprünge weiterreiten. Billy und ich schafften es, jedesmal justament den falschen Galopp zu kriegen. Ich mach also irgendwas falsch. Zusätzlich sollte ich das Pferd in die Richtung „pushen“, in die der Galopp stattfinden soll. Billy traf den Galopp manchmal, und manchmal nicht, das war pures Zufallsprinzip. Es liegt natürlich daran, dass wir nie ein eindeutiges Links- und Rechtsgalopp-Signal etabliert haben *ähem*. Das muss ich mir noch irgendwie mal überlegen.
Als es dann daran ging, nicht mehr im Trab hinzugehen, sondern hinzugaloppieren und auf einen fliegenden Wechsel zu hoffen, habe ich aufgehört, weil es uns glaub ich nur verwirrt hätte. Das kleine Hüpfen mit Billy nur im Barebackpad war aber toll. Hie und da machte er einen größeren Hüpfer als nötig, aber es fühlte sich immer gut an, konnte gut mitgehen und alles gut sitzen.

Am Schluss kam noch Davids „Ringstechen“, das er auch beim letzten Kurs gemacht hat. Ringe wurden am Zaun befestigt, und wir mussten sie aus verschiedenen Situationen mit dem Stick auffädeln: Im Schritt, mit der linken Hand, ohne Zügel, im Trab, im Galopp, … natürlich immer alles hübsch mit Musik ... da waren ein paar wirklich gute Leute dabei: Galopp ohne Zügel und beide – auch den wirklich winzigen – Ringe aufgefädelt, alle Achtung.David verteilte Punkte und alle hatten eine Riesen-Hetz!
Das war der Abschluss wie schon beim letzten Mal.
Kann auch nach dem 2. Tag nur wiederholen: Ein super Kurs!

Wir hoffen sehr, dass David vielleicht nächstes Jahr wiederkommt. Kann wirklich nur jedem empfehlen, hinzugehen, es lohnt sich!
Und so idyllisch war's!



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