you live you learn you love you learn you cry you learn you lose you learn you bleed you learn you scream you learn you grieve you learn you choke you learn you laugh you learn you choose you learn you pray you learn you ask you learn you live you learn
Alanis Morissette

Freitag, 27. März 2015

Entdeckung von Phase 4

Herrje, hier tut sich ja gar nichts mehr...

Machen wir einen kurzen Rückblick auf das Ende des Jahres 2014:
Da habe ich nichts mehr eingetragen, weil ich mit Billy kaum etwas gemacht habe. GEgen Mitte Dezember begann er ganz plötzlich stark zu lahmen, hinten links. Es war keine Verletzung zu finden, die Lahmheit war auch mal da, mal nicht, mal stark, mal weniger, bis sie eines Tages dann von einem Tag auf den anderen wie weggeblasen war. Beim nächsten Bearbeitungstermin fand mein Hufbearbeiter dann unter Billys immer stark wucherndem Sohlenhorn die Überreste eines Mini-Hufgeschwürs, an dem er offenbar laboriert hatte und das ihm als Folge ein paar Blockaden im Knie eingebracht hatte (denn die Schwierigkeiten im Knie waren das einzige, was wir herausfinden konnten).

Wie auch immer, so gegen Ende Jänner starteten wir langsam wieder voll durch. Da wir für April unseren nächsten Workshop mit Kurt Murauer planen, begann ich wieder, Kurts Übungen systematisch durchzumachen und Billy "durchzuknuddeln".
Während er Ende 2014 wirklich schon schön geschmeidig gewesen war, merkte man das eine Monat Trainingspause stark; Billy war unglaublich steif geworden, wie ein Brett. Ich kämpfte wieder wie am Anfang mit simpler Biegung und dem Vorwärts, aber wir haben uns da durch gebissen.

Und bei all der Beißerei ging mir - nach nunmehr acht Jahren der Billy-Partnerschaft - irgendwie der Knopf im Umgang mit ihm auf. Zuckerbrot und Peitsche, wie immer ;-). Aber der Durchbruch: Von beidem massig. Nämlich auch von der Peitsche.
Es war kein schöner Durchbruch irgendwie so, dass ich eine Erleuchtung gehabt hätte, oder ein Buch gelesen hätte, das mir DIE Antwort gab, oder sowas in der Richtung. Im Gegenteil. Mir ging die Geduld aus. Scheinbar war sie nach acht Jahren erschöpft. Und gleichzeitig aber auch die Wut. Beides ging mir an einem Tag, als das Viereck nach dem Winter wieder wunderbar bereitbar war, schlicht und einfach aus. Und ich denke, das war genau die Kombination, die es brauchte, und der Büffel hat sich zu einem flatternden Schmetterling verpuppt.

Es kam so: Ich wollte Kurts Übung weiterbringen, die da so geht: Man gehe im Schritt gerade aus, biege dann das Pferd auf eine Seite, verlagere das Gewicht und setze nötigerweise den Schenkel ein, und erwarte, dass das Pferd mit der Kruppe nach außen schwenkt bzw. in verfeinerter Form am Schluss dann das innere HInterbein weit unter den Schwerpunkt setzt. Ich bog, ich verlagerte, ich setzte Schenkel ein, aber Billy wanderte gebogen gradeaus und die Kruppe blieb wo sie war, ebenso die Hinterbeine. Er verstand mich einfach nicht, v.a. auf der linken Seite; rechts ging es irgendwie so halbwegs. Ich probierte, ich verbog mich, ich hing schon an der Seite, ich klopfte mit dem Schenkel ... nix, oder kaum eine Reaktion. Das war schon im Herbst lange so gegangen, und auch jetzt eine Woche oder so. Billy verstand und versand nicht, oder er konnte und konnte nicht, oder er wollte und wollte nicht.
Und dann geschah es eben, dass ich die Geduld verlor. Ich bog, ich verlagerte, ich drückte mit dem Schenkel, es kam keine Reaktion.... und dann touchierte ich ihn mit der Gerte. Es kam keine Reaktion. Mit meiner Geduld am Ende, gleichzeitig aber auch mit den Emotionen, klatschte ich ihm nochmal eine auf die Kruppe, und siehe da.... ich hatte mal die Phase 4 gefunden, denn der Billy schwang sein Hinterteil aber sowas von elegant nach rechts, dass ich die Version, er könnte das einfach nicht, sofort ad acta legte.
Ab da zählte ich meine Phasen mit: 1-Biegen, 2-GEwicht verlagern, 3-Schenkel, 4-KAWUMM! Und es dauerte ungefähr 5 Minuten, und Billy schwebte über das Viereck, so sensibel auf den Schenkel und Gewicht, dass wir tanzten: 5 Schritte gradaus, Hintern nach rechts geschwenkt, 5 Schritte gradaus, Hintern nach links geschwenkt. Überschwengliches Lob. Billy schaute stolz und ... ich glaubte es kaum ... eifrig.

Nach diesem Ereignis hatte ich mal mächtig was zu Schlecken und zu Kauen. Ich dachte an David Lichman's Kurs, wo er vom "sharpening your tools" gesprochen hatte; und ich beschloss, die Taktik so diszipliniert wie möglich weiter anzuwenden. Keine neue Taktik war das natürlich, denn es war einfach nur das konsequente Anwenden einer wirklichen und echten Phase 4.

Ich wendete die Phase 4 als nächstes konsequent mitzählend bei Billys Schlurf- und Schleichschritt an - und habe nun ein am Schenkel hochsensibles, ordentlich vorwärtsschreitendes stolzes Ross.
Ich wendete die Taktik erhöhter Anforderungen und konsequenter Phase 4 beim Rückwärts an. (Man erinnere sich, noch immer hatte ich regelmäßige Diskussionen, die mich im Endeffekt für jeden Schritt rückwärts dankbar sein ließen). Ich war für 1 Schritt rückwärts nicht mehr dankbar. Billy kann mehr. Ich wusste das jetzt und forderte es ein. Ich verlangte, dass er sich rückwärts lenken lässt - und reite nun 8er, Slalom und sonstige Bahnfiguren rückwärts.
Ich verlangte viel und mehr, und mit Konsequenz, und Billy biss sich durch. Das lustige dabei: Ich erwartete während der Wochen, in denen ich mich so sehr um diese Konsequenz bemühte und so viel einforderte, dass jederzeit der Moment kommt, wo Billy die Zusammenarbeit völlig einstellt. Tat er aber nie. Im Gegenteil. Er scheint aufzublühen! Bei der Bodenarbeit ist er übermütig und hat ordentliches Go. Er galoppiert 10 Runden am Stück. Er macht fliegende Wechsel und hat Spaß daran. Er lässt sich rückwärts durch einen Slalom schicken. Er lässt sich am Ende des Lassos relativ genau durch ein Tor, oder davor oder dahinter vorbeidirigieren.
Am genialsten ist aber seit einigen Wochen einfach das Reiten. Durch die hohen Anforderungen und die Konsequenz hat er seine Geschmeidigkeit sehr schnell wiedererlangt und noch um einiges gesteigert. Wir traben einen Achter mit abwechselnder Innen- und Außenstellung. Er trabt einen Slalom nur über mein Gewicht. Wir beherrschen die Schaukel Galopp-Halt-Rückwärts-Galopp. Ich kann dirigieren, mit welchem Fuß er zuerst über eine Stange steigt.

Die Leichtigkeit, die Feinheit - ein Traum! Endlich streiten wir nicht mehr ständig, sondern tanzen!

Letzte Woche hat er irgendwas (ich weiß nicht mehr was es war, aber das Gefühl von "unglaublich toll" ist noch da) so toll gemacht, dass ich einfach nicht anders konnte, als abzusteigen und mich vor ihm in den Sand zu knien ;-).

Und ich werde mich ab sofort bemühen, auch mehr Konsequenz an den Tag zu legen, was die Dokumentation unserer Fortschritte im Blog anbelangt. Versprochen ;-).

2 Kommentare:

Manuela hat gesagt…

Wow - super fein ! Ich gratuliere dir zu diesem "Aha-Effekt", man spürt förmlich, wie dir der Knopf für Phase 4 aufgesprungen ist. Weiter so - und eine fette Umarmung dem Billy;
lg
Manuela

BB hat gesagt…

Hallo Manuela!
Danke für die Gratulation! Ich freu mich ja schon sooo auf unsern Kurt-Kurs!! Hoffentlich bleibt die Hochphase bis dahin erhalten ;-)

LG, Judith