Und schon wieder bin ich soo stolz auf den Billy. Ich glaube heut hab ich beschlossen, dass er eine Zukunft als Trail-Pferdchen hat.
Zum ersten Mal seit Eeewigkeiten hab ich mich entschlossen, mich allein auf einen Ausritt zu wagen. Wir haben ja jede Menge Confidence gesammelt, aber immer nur in der Gruppe. Ein bisschen Bammel hatte ich, dass das womöglich alles nur noch schlimmer gemacht hat, sprich: Wir allein überhaupt nicht mehr weiterkommen und er sich weigert, mit mir allein weg zu gehen.
Der Bammel war aber unbegründet, das viele Ausreiten scheint eher tatsächlich geholfen zu haben - und sei es nur, dass ICH nun confidenter bin. Das ist ja ohnehin unser Haupt-Knackpunkt.
Ich hatte zuvor eine kleine Runde zu Fuß erkundet, durch einen Wald am Straßenrand, wo wir noch nie waren und wo man der STraße quasi auf Waldwegen ausweichen kann. Ein wunderschöner Wald, unser STallbesitzer und Anrainer nennen ihn "Märchenwald". Unter anderem deshalb, weil sich schon so gut wie jeder der Anrainer drin verritten hat. Aber äh, dachte ich, so groß ist das doch nicht, und solange es bergab geht, ist die Richtung ok *g*.
Billy und ich machten uns also bei langsam herannahendem Gewitter auf unsere kleine Runde. Er war richtig toll. Ließ sich brav vom Stall wegreiten, machte brav die "Nichtfressen-"Übungen mit (grooooße Fortschritte *freu*) und stapfte mit fleißigem Vorwärts die Wiese entlang und ließ sich von mir nur mit Schenkel auf der Linie halten, die ich wollte - mittlerweile gehen wir auch schon meistens durch Pfützen und sowas durch wenn Fraulis Schenkel es so wollen ;-).
Dann gings kurz durch den heimischen Wald, wo uns unten das von früher so gefürchtete Rinnsal erwartete. Das war heute wirklich nur 5cm breit, außerdem ist da ein Bagger gefahren und hat netterweise die großen Felsbrocken entfernt. Wir haben es in wunderschöner Manier hinter uns gebracht: Billy blieb stehen und beäugte das ganze. Ich ließ ihn. Billy fragte ob er umdrehen dürfte. Ich sagte nein. Billy durfte weiter den 5cm breiten, reißenden Fluß begutachten. Und beschloss dann seufzend, dass ers halt versucht, senkte den Kopf, wählte exakt wo er hintrat und überwand so die reißenden Fluten ;-). Bestes Pferd der Welt :-).
Danach gings ein Stückchen die Straße entlang. Aufgeregt nahm Billy zur Kenntnis, dass der Nachbarstall schon angeweidet hat. Frechheit! Mit großen Augen starrte er die fremden Pferde oben auf der Anhöhe an. Da war ich ein bisschen angespannt, ob er das wohl nervlich packt, aber er packte ;-).
Dann kam der große Moment, wir bogen von der Heimwärts-Straße ab und näherten uns selbigem Nachbarstall für ein paar Meter. Da sind wir noch nie gegangen, allein schon gar nicht. Aber auch hier gehorchte er superbrav nur Schenkel... ok, gemma halt hier, auch recht. Die fremden Pferde - nun näher und auf Augenhöhe, brachten ihn trotzdem etwas aus dem seelischen Gleichgewicht. Da bogen wir aber schon in den Wald ab, und dort wars einfach nur herrlich. Zuerst durfte er einmal ausgiebig grasen, weil da war so schönes büscheliges Gras. Durchsetzt mit ein paar "Nicht-Fressen-"Übungen.
Dann donnerte es in der Ferne, und Frauli befand, man sollte vielleicht besser weitergehen, um langsam heimzukommen. Wir gingen den Weg entlang, den ich vorher entdeckt hatte. Wir kamen zu der lichten Stelle, die ich vorher durchquert hatte, wo der eine Weg aufhört, nach ein paar Metern durch den Wald aber der andere anfängt und wieder retour auf die Straße führt.
Nur: Frauli fand den anderen Weg tatsächlich nicht mehr! Verwünschter Märchenwald, zefix!
Dafür entdeckte ich einen anderen Weg, wunderbar markiert, so richtig für Dummies aus der Stadt, alle paar Meter ein großer dunkelblauer Punkt auf Bäumen, links und rechts, und ein sehr ausgelatschter, aber sehr schmaler Pfad. Muss ja auch wohin führen, nicht wahr?? Billy und ich folgten dem blau markierten Pfad.
Und wieder bewies er die Trail-Pferde-Qualitäten, ich war ja so stolz! Da lag ein Baumstamm quer überm Weg. Egal, Billy stieg drüber (ohne Anzustoßen). Da lag ein ganzes Dickicht an Zweigen im Weg. Egal, Billy suchte sich seinen Weg. Da waren Stufen aus Wurzeln. Egal, Billy kletterte. Eine Böschung, bergauf und bergab. Billy klettert. Ein Reh kreuzt unsern Pfad. Billy schaut nur. Ein Matschloch. Billy schlappft durch.
Das war herrlich, ein richtiger Trailparcours!
Irgendwann endete der schmale blau markierte Pfad und mündete in einen Weg, der nur wenige Meter von der Straße entfernt parallel zu dieser verläuft. Den kenne ich, er führt auf die Straße und nach Hause. Doof nur: Die Kreuzung, gekennzeichnet auch noch von einem wirklich tiefen Graben, der nur an einer Stelle gut passierbar ist, war von einem gefallenen Baum derart blockiert, dass ich keien Möglichkeit sah, dorthin zu gelangen. Hm. Donner kam langsam näher.
Billy gewendet (und gefreut über die schön saubere Hinterhandwendung, da war nämlich nicht mehr Platz) und alles wieder zurück. Wurzelstufen bergab, Matschloch durch, Böschung rauf und runter, Zweigelabyrinth durchritten, Baumstamm drübergestapft. So, wieder auf der Lichtung. Wo war nur dieser blöde Weg, der unten am Bach entlang führte. Immer bergab, hatte ich gesagt, nicht wahr? Also los. Bergab.
Dickicht wurde leider immer Dickichtiger, Billy walzte sich seinen Weg da schon durch, aber es wurde doch langsam unangenehm, und der Förster freut sich auch... nö, hier gehts nicht weiter. Nochmal gewendet auf noch kleinerem Raum, dann einfach möglichst seitlich ans Pferd gehängt und Billy den Weg zurück auf die Lichtung suchen lassen.
Es donnerte nun schon ziemlich nahe und Wind kam auf. Ich konnte unten den Bach SEHEN aber kam nicht hin, und ich konnte die Straße auch SEHEN, aber kam nicht hin. Verflixter Märchenwald aber auch! Ich beschloss, alles wieder zurückzureiten, bis zu den Koppeln des Nachbarstalls. Nach kurzem Suchen diesen Weg sogar gefunden, dann gings alles zurück: Wieder über 2x trockene Bachbetten, bergauf, bergab, über Wurzeln, über Baumstämme und durch engstehende Bäume durchgefädelt. Ah, da ist er ja, der Weg. Dort gabs Matschlöcher zu Hauf, Billy trottete brav durch wenn ich wollte oder umrundete sie, wenn er durfte.
Dann kamen die Koppeln und die fremdnen Pferde in Sicht, uff, geschafft. Am Waldrand, als die andern Pferde in sein Sichtfeld kamen, erschrak Billy so sehr, dass es ihn mit allen Vieren ein paar Meter seitwärts versetzte (dank Zentrierung war das aber eigentlich nur lustig) und dann alle Viere von sich spreizte und starrte, bis er erkannte, dass das eben die gerade gesehenen Pferde waren ... dann ging er brav, wenn auch etwas aufgeregt, die Straße entlang, und dann waren wir ja auch schon fast zu Haus.
Im heimischen Wald mussten wir noch einen ganzen Baum mitsamt Ästen überklettern (da kommt dann der Bulldozer in Billy wieder zum Vorschein - einfach Augen zu und durch, was mir nur bis zur Brust geht, kann ich plattwalzen *g*) und das früher noch viel mehr angstbesetzte Gatschloch überwinden - siehe da, da kann man jetzt nicht nur drüber, sondern REIN steigen, nicht mehr in einem 5-M-Satz drüberhopsen! Bestes Pferd der Welt!
Noch eine Trail-Pferde-Prüfung hatten wir zu bestehen, auf dem heimischen Weg kamen uns ein paar Pferde uneres Stalls entgegen. Kurz angehalten, geplaudert, und dann wie selbstverständlich allein in unserer Richtung weitergeritten.
Hach, bestes Pferd der Welt.
Da beste aller Pferde durfte noch grasen, bis die ersten Regentropfen fielen, dann flüchteten wir uns in den Putzraum vor dem ausbrechenden Platzregen und Gewitter.
2 Kommentare:
was fuer ein abenteuerlicher ausritt!! bin wie immer "mitgeritten". braver billy bub!! gib ihm mal ein dickes bussarl von mir! xx
Ah, deshalb gings so gut, weil du mitgeritten bist ;-))).
Ich werds ihm ausrichten :-).
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