Billy hat Stress. So viele fremde Pferde, fremde Umgebung, und Frauli ist auch noch hektisch und aufgeregt und gedopt mit Aspirin.
Billy giftelt also gegen alles und jeden, beim Putzen, Satteln, Hufemachen und überhaupt. Ich übergehe das souverän (naja....), am Nachmittag wird es schon besser.
Der Kurs ist klar durchstrukturiert und der Zeitplan wird genau eingehalten, sehr angenehm.
Peter Kreinberg kontrolliert am Anfang bei jedem Zaum und Sattelzeug, überzeugt sich, dass nichts kaputt ist oder absolut nicht passt. Ich bin als einziger bunter Vogel mit meiner Knoti-Hackamore + Gebisszaum drüber da (ebenfalls in bunt gehalten). Die Farbzusammenstellung beleidige ein wenig seine Augen, bemerkt Peter augenzwinkernd, ich darf aber trotzdem so weiterreiten und bekomme wertvolle Tips (Gebiss mit Genickriemen ÜBER das Knoti und nicht drunter).
Jede Reiteinheit beginnt Peter mit Abkau- und Biegeübungen am Gebiss. Mit sanftem Massieren, Schrägstellen des Gebisses, auseinanderziehen des Gebisses, bringt er das Pferd zum Abkauen. Hie und da mit einem kleinen sanften Ruck auch zum Heben des Halses, wenn er allzu zu tief ist. Anfassen soll man dazu nicht die Gebissringe (die Einwirkung wäre dann zu ungenau), sondern ganz nah an den Gebissringen am Zügel, und zwar nur mit Daumen und Zeigefinger. Als wichtig lernen wir: Der Mensch muss locker sein („Alexanderhaltung“): Knie leicht gewinkelt und federnd, Schultern locker. Man kann auch die Schultern langsam kreisen und dabei das Gebiss mitnehmen und so das Pferd mit-lockern.
Mit kleinen Sidesteps bewegt man sich - das Ziffernblatt einer Uhr vorgestellt - von 6h auf 7h, 8h, maximalst 9h und nimmt das Pferd sanft in eine Biegung mit. Immer nur eine Nuance mehr. Sobald was klemmt, bleibt Peter an diesem Punkt oder geht wieder in weniger Stellung zurück, massiert, bis das Pferd abkaut und nachgibt. Auf Nachgeben des Pferdes folgt Nachgeben am Gebiss.
Diese Übung immer vor und nach dem Reiten, sodass das Pferd ein angenehmes Gefühl hat, wenn sich Muskelblockaden lösen und lockern.
Billy hat anfangs sehr rebelliert, war auch stark verspannt im oberen Hals. Als Kreinberg selbst Hand anlegte, ging es viel besser, und irgendwas hat er wohl gelöst.
Dann ging es in den Sattel, und zum ersten Mal seit 25 Jahren brachte mir mal eindlich einer bei, wie man Zügel richtig hält. ;-) Ich ritt ja mit der Kombination aus Gebiss und Knoti-Hackamore, hatte also 2 Paar Zügel in der Hand. Hier lernte er mir gleich, die Zügel getrennt zu halten (ehrlich gesagt, bisher packte ich sie immer irgendwie, meist alles zusammen): Die Hackamore-Zügel zw. Ringfinger und kleinem Finger durch, ganz "normal" also, und den Gebisszügel jeweils unter den kleinen Finger legen. Das ging erstaunlich gut.
Dann gings ans Üben der Zügelführung. Kreinberg verkürzt und verlängert in winzigen Nuancen, ich wurde gleich gerügt, nahm gleich 10cm auf einmal an ohne es zu merken. Immer nur 1, 2 cm, dafür den Griff ganz schnell hintereinander öfter. Um links zu verkürzen: Linken Zügel mit rechtem Daumen und Zeigefinger kurz halten, rausziehen, wieder mit links schließen, Ellbogen winkeln. Ein wichtiger 3-er-Schritt: Ziehen-Schließen-Winkeln. Zum Verlängern sagte er nichts konkretes, ich ließ sich einfach cm für cm wieder rausrutschen. Das ließ er uns üben bis es uns zu den Ohren rauskam: In jeder Ecke, mit Slalom (hier 3x hintereinander den Griff pro Seite!), in Volten.
Weiters wichtig: Die Daumenbasis muss locker sein. Der Zügel wird nicht hauptsächlich mit Daumen und Zeigefinger festgehalten, sondern mit dem Ringfinger. Kreinberg demonstrierte mir, wie das unterschiedliche Auswirkungen auf die Muskelspannung im Ellbogen und v.a. der Schulter hat. Das war tatsächlich faszinierend. Wenn man mit Daumen und Zeigefinger schließt, versteift sich der Ellbogen, man kann nicht mehr abwinkeln und mitfedern, v.a. aber auch nicht mehr schnell nachgeben! Hält man mit dem Ringfinger, kann man ebenso fest z.B. gegen Gegendruck halten, aber das Nachgeben wird viel schneller und weicher. Immer wieder sollte ich die Hände lockern, indem ich die Daumenbasis kreisen lasse. Schultern lockern: Einzeln (!) kreisen lassen, langsam und sanft, als würde man einen da oben sitzenden Papagei vorsichtig schaukeln. Einzeln deshalb, weil man sonst keinen Unterschied zwischen den Seiten bemerkt.
Danach erklärte Peter, wie er Schenkelimpulse einsetzt. Bei ihm gibt es 2 Arten von Schenkelimpulsen:
1) Pendelschenkel, um mehr Fleiß zu entwickeln. (Am 3. Tag auch fürs Rückwärts).
2) Massierenden Impuls mit der Wade von hinten nach vorne drehen (Fußspitzen nach außen drehen), zur Aktivierung des inneren Hinterbeins und für Biegung.
Wir lernten fühlen, mussten benennen wann das äußere Vorderbein (und somit im Schritt kurz darauf das innere Hinterbein, im Trab gleichzeitig) vortritt. Ging gut, dank meiner Centered Riding-Stunden. Wir übten, den Schenkelimpuls im richtigen Moment zu geben: gleichzeitig mit Vorschwingen des Hinterbeins innen (= Vorschwingen des äußeren Vorderbeins).
Es folgten Übergänge Schritt-Trab. Angetrabt wird durch Pendelschenkel, abwechselnd mit „Sitzimpulsen“ (letztere hab ich nicht genau verstanden, ich denke Gesäß anspannen). Billy driftete ständig v.a. auf der linken Hand ganz ganz schlimm nach innen. Dafür: Gewicht in äußeren Bügel, mit dem Innenschenkel massieren, nicht überfallen. Nach einigen Durchgängen ging es besser. Sonst waren meine Übergänge gut, am letzten Tag bekam ich sogar ein „Tiptop!“-Lob dafür *stolzschau*.
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