you live you learn you love you learn you cry you learn you lose you learn you bleed you learn you scream you learn you grieve you learn you choke you learn you laugh you learn you choose you learn you pray you learn you ask you learn you live you learn
Alanis Morissette

Samstag, 24. Mai 2014

Unverhofft kommt oft... meistens ja eher ... "was dazwischen", aber heute wars genau umgekehrt; ursprünglich dachte ich, ich komme heut eh nicht zum Reiten, aber dann ging es sich überraschend doch aus :-). Blöd nur, dass meine Hackamore sich nicht im Stall, sondern - formenderweise eng die Whisky-Flasche umschlingend - zu Hause in meinem Wohnzimmer befand, wo sie immer ihre Feierabende verbringen darf.

Macht ja aber nichts, ritt ich wieder einmal mit dem Knotenhalfter. Da wurde ich dann auch gleich wieder an die Limits desselben erinnert: Laterale Biegung ja, das ging noch gut; die Anfrage für Genickbeugung versteht Billy aber schon nicht mehr. Auch das Stellen und Biegen geht mit dem Bosal in feineren Nuancen.
Ich ließ das viele sinnlose Gezuppel dann lieber sein und ritt wieder einmal Freestyle. Billy durfte wieder einmal nach Herzenslust galoppieren ;-). Wir übten Übergänge, zuerst in den unteren Gangarten zwischen Schritt, Trab, Halt und Rückwärts, und später dann versuchte ich mir einen ruhigen Galopp am völlig losen Zügel zum Ziel zu setzen. Immer noch wirft sich Billy mit Kraft in den ersten Galoppsprung, regt sich außerdem ganz untypisch auf und zackelt dann im Trab dahin wie ein Weltmeister. Also blieb ich in Trab und begann einfach "million transitions" in den Galopp. Galopp-Trab-Galopp-Trab-Galopp-Trab usw. usf. immer wieder und wieder und wieder, bis Billy aufhörte, sich aufgeregt in den Galopp zu werfen.
Es wird schon noch Übung brauchen, bis das richtig flüssig und selbstverständlich wird, wie ich das gern hätte.

Donnerstag, 22. Mai 2014

Wir üben brav und fleißig weiter!
Zum Aufwärmen mache ich gern ganz simple Übungen zur Innenstellung, also am Hufschlag entlang und schauen, wie lang Billy die Innenstellung am losen Zügel hält. Das geht jetzt manchmal schon ein paar Schritte. Wichtiger ist mir aber, dass Billy jetzt viel besser auf mein Gewicht hört. Es passiert immer seltener, dass er auf einen Impuls am Innenzügel abbiegt, weil er ignoriert, wo mein Gewicht ist (nämlich in der MItte für "weiter geradeaus").
Aus der simplen Innenstellungs-Übung hab ich dann heute ein Spiel mit der passiven Schulterkontrolle und eben der Reaktion auf meine Gewichtshilfe für die Richtungsänderung entwickelt. Wir gehen also mit Innenstellung auf dem Hufschlag, Fraulis Gewicht sagt: weiter geradeaus, Billy macht, sehr brav! Ich lasse alles wie es ist, verlagere aber mein Gewicht nach innen bzw. blicke nach innen - wir biegen ab :-). Ich lasse wieter die Stellung wie sie ist, verlagere aber das Gewicht nach außen - wir gehen in passiver Schulterkontrolle wieder 2, 3, Tritte bis zum Hufschlag. Für letzteres braucht es noch manchmal eine Schenkelhilfe, aber im Großen und Ganzen orientiert sich Billy jetzt mehr auf mein Gewicht.
Am meisten aber freut mich, dass das Ganze etwas später dann sogar im Trab zu funktionieren begonnen hat! Da hat er sich richtig bemüht, der Bub.

Das Untertreten/Kreuzen mit dem Hinterbein im Stilltand haben wir auch wieder geübt, auch das wird immer besser und braucht immer weniger Schenkel. Jetzt nehme ich dann demnächst den zweiten Teil der Übung dazu, d.h. nach dem Weichen der HH ein Weichen der Vorhand.

Und galoppiert sind wir auch noch ganz hübsch, wobei ich Billy tw. deutlich machen musste, wohin die Reise zu gehen hat - er wollte sich gern wieder oben in seiner Ecke einschleifen, denn dort waren die Kumpels auf der Weide. Kaum kommt etws mehr Energie zu der Sache, meint er schon mich ignorieren zu können. Wir sind daher viele schöne Zirkel geritten, quer übers Viereck verteilt.

Donnerstag, 15. Mai 2014

Es schüttet ohne Unterlass, daher waren Billy und ich faul die letzte Woche.
Umso mehr Zeit, endlich meinen ausführlichen Kursbericht zu verfassen!!

Donnerstag, 8. Mai 2014

Hab heute wieder die Technik von Kurt mit Übungsabfolge von Kreinberg kombinieren können, und zwar die Vorderhandwendung. Bei Kreinberg haben wir im Kurs 4 Hütchen in einem Quadrat aufgestellt, und an jeder Ecke war die Übung anzuhalten, dann mit 2, 3 Tritten die Hinterhand 90° herumschwenken zu lassen und dann wieder geradeaus weiterzureiten bis zum nächsten Hütchen.
Kurt hat uns ja gezeigt, dass das Übertreten der Hinterhand auf Anheben des Innenzügels (bzw. halt einfach Innenstellung) plus Gewicht nach außen-vorne (Hinterhand Platz machen) weichen soll, und zwar wenn möglich ohne Schenkel. Der Schenkel kommt dazu, wenn das Pferd nicht aufs Gewicht reagiert.
Tja, und Billy reagierte natürlich ... nicht! Er war komisch drauf, während ich ihn gebogen hielt und wartete, ob er vielleicht doch … knabberte er ungeduldig am Fender, nahm ihn richtig zwischen die Zähne und versuchte mich so von seinem Rücken zu ziehen, glaub ich. ;-) Jedenfalls fand er es doof. Ich blieb aber einfach dran, und irgendwann schwenkte er die HH schön, allerdings fast immer mit Schenkel.

Die Übung auf das Quadrat zu verlegen, half enorm. Hier konnte ich besser dran bleiben, ohne ihn so sehr zu nerven, weil es ja dazwischen immer wieder geradeaus geht. Also einfach: Zur Ecke geritten, Innenzügel hoch, Innenstellung herstellen, Gewicht nach außen/vorn (sehr deutlich vorerst noch!), 10 Sekunden warten, wenn keine Reaktion kam, den Innenschenkel dazu, ganz leicht nur nötig, und die HH schwenkte (er kennt es ja!); gleich geradeaus weitergeritten zum nächsten Hütchen, dasselbe von vorne. Irgendwann hatte ich dann plötzlich den ersten Erfolg, Billy hatte die Übung auswendig gelernt und schwenkte die Hinterhand ohne das Zutun von meinem Schenkel. Es gab ein riesiges Lob. Dann noch dasselbe auf der anderen Hand, ebenfalls so lange und so oft wie nötig, bis er wenigstens einmal das ganze ohne Schenkel machte. Brauchte wieder ewig viele Wiederholungen, aber plötzlich war es da. Und ab da funktionierte es abwechselnd auf beiden Händen, hab es noch 2x getestet. Innenstellung + Gewicht nach außen heißt für Billy jetzt: Schwenk die Hinterhand unter den Schwerpunkt!

Einheit erledigt, fertig!

Dienstag, 6. Mai 2014

Heute gings gleich los, das beim Kurs gelernte in die Praxis umzusetzen! Trotz später Stunde kletterte ich auf den Billy, der war etwas baff ob dieser Spätschicht.

 Auf dem Programm stand Kreinbergs Übung „Voltenslalom“. 4 Hütchen aufgestellt und dann mit normalem Slalom begonnen, dabei immer schön links und rechts gedehnt mit kleinen Impulsen. Billy bog sich nach rechts sehr gut, nach links hatte er Schwierigkeiten. Ich muss aufpassen, dann nicht am Innenzügel hängen zu bleiben. Wir gingen dann über zu Volten + Slalom im Schritt, d.h. eine volle Volte um ein Hütchen, dann Richtung wechseln und zum zweiten Hütchen, Volte in die andere Richtung, wieder wechseln, Volte in die erste Richtung um das 3. Hütchen usw.. Billy bemühte sich sehr, obwohl die anderen Pferde neben dem Viereck grasten.

Zwischendurch gingen wir dann über zu einem frischen Trab, Billy war gut drauf und trabte flüssig und flott. Den Trab nützte ich, um das Nachgeben im Genick im Trab zu üben. (Schritt und Stehen hat gut geklappt). Mit wechselnden Impulsen links und rechts, manchmal auch gleichzeitig (Innenzügel etwas anheben und angehoben lassen und mit dem Außenzügel nach der Seite Impulse geben) gelang es dann immer schneller, dass Billy im Genick ganz kurz abkippt. Jetzt muss er nur noch lernen und üben, das über immer mehr Schritte zu halten. So 2,3 Tritte geht das hie und da schon, danach wurde er auch immer super gelobt.

Wir kehrten dann zurück zu dem Voltenslalom und probierten ihn im Trab. Genial! Billy bog sich super, zumindest rechts. Links fiel ihm einfach schwer, ich begnügte mich mit anständigen Bemühungen. Aber rechtsrum, genial: Kurz gezupft und er hielt oft die Innenbiegung für fast eine ganze Volte (ca 8m-Volten). Rechts kippte er auch fast automatisch im Genick ab. Und das allergenialste war, dass er begann, im Trab zu federn und zu schweben, wie ichs bisher nur von der Gebissreiterei kenne. Linksrum blieb das schweben aus, aber auch da bemühte er sich zumindest um Biegung, war auch ganz gut.

Dann fragte ich noch kurz das Rückwärts mit Soft Feel ab. Soft Feel -->warten --> dann erst rückwärts. Billy horchte nicht gleich auf den Sitz, also schaltete ich den Schenkel zu, sobald die Rückwärtsbewegung ins Stocken geriet, hörte wieder auf mit dem Schenkel (rückwärts-Sitzen bleibt natürlich), solange er die Bewegung aufrecht erhielt, bei drohendem Absterben wieder Schenkel dazu. Ein paar Minuten, und Billy horchte auf den Sitz :-) . Dann noch kurz drauf konzentriert, das Soft Feel zu behalten und abwechselnd, mit absolut keiner Änderung der Zügel- und daher Kopfposition, vorwärts und rückwärts geritten. Klappte super. Das hat er entkoppelt, der Billy: Soft Feel bedeutet nicht automatisch Rückwärts. Und Rückwärts bedeutet nicht automatisch Nachgeben im Genick.

Super Einheit!

Sonntag, 4. Mai 2014

Hackamore-Kurs mit Kurt Murauer, 3.-4. Mai 2014

 

Es war soweit!! Kurs mit Kurt!

Wie schon vor dem Workshop im Jänner war ich so aufgeregt wie ein Kind vor Weihnachten, sodass ich schon  am Freitag um 3:30 aufwachte und nicht mehr einschlafen konnte. Die beiden Kurstage gings mir nicht viel anders ;-)

Noch am Freitag abend schlug leider das Wetter – wie schon lange vorhergesagt – um, und es gab ein Gewitter mit Platzregen.
Das schlechte Wetter hielt am Samstag leider an, sodass wir in die Halle auswichen.
Zuerst gab es aber noch die Theorie im Stüberl. Kurt verteilte Unterlagen, zeigte seine Hackamore, erklärte kurz woraus sie besteht und wie sie wirkt, wie sie passen muss und die Grundpfeiler der altkalifornischen Reitweise.
Wir waren 4 Teilnehmer mit Pferd und 7 Zuschauer!

Danach bildeten wir 2 Gruppen: Die ersten beiden waren Hackamore-Neulinge (ok, eigentlich waren wir das alle). Sie probierten zuerst verschiedene Hackamores an, bis die richtige für die jeweiligen Pferde gefunden war. Kurt zeigte uns gleich wie man die Zügel beim Führen richtig verknotet. So führten sie die Pferde in die Halle. Dort gleich der nächste Knoten: Wie montiert man ordentlich das Führseil an den Sattel (bis heute hab ichs nicht mehr zusammengebracht!)?

Dann gings los. Gruppe 1 und Gruppe 2 machten jeweils die gleichen Übungen. Wir schnitten die Übungen immer nur an, Kurt ließ sie uns probieren, bis wir die Hackamore korrekt handhabten und die erwünschten Reaktionen von den Pferden bekommen hatten; danach ging es meist gleich weiter zur nächsten Aufgabe. Wir sollten einfach ein möglichst großes Repertoire an Übungen bekommen, damit wir dann nach Ende des Kurses mit unseren Pferden alleine üben könnten. Dabei baute immer ein Schritt auf dem nächsten auf, alles wurde ausführlich erklärt, geübt, Fehler ausgebessert, nochmal probiert, und auch die Zuschauer wurden immer wieder extra miteinbezogen, wenn sie Kurts Erklärungen gegenüber den Reitern nicht hatten hören können.

So erarbeiteten wir uns mit unseren Pferden die folgenden Übungen:

1) Allgemeine Grundlagen 

a) Lenkung
Gelenkt wird "altkalifornisch" mit dem Gewicht. Das Gewicht gehört immer in Bewegungsrichtung. Gut üben kann man das, indem man den inneren Arm mit relativ lockerem Hackamore-Zügel in die Richtung weist, in die man möchte (nach vorn/seitlich, nicht nach hinten oder unten). Das Handgelenk ist dabei nach oben gedreht. Die äußere Hand bleibt am Vorderteil des Sattels liegen, der äußere Zügel hängt ganz durch. Durch die weitausholende Bewegung des Armes verlagert sich das Gewicht automatisch nach innen. 
 b) Armhaltung
Um die Hackamore richtig zu bedienen, sollten wir die Arme eher strecken als zu weit anwinkeln, "wie ein Dirigent" (ein enthusiastischer ;-). Dabei bleiben die Hände immer vor dem Sattel. Nur ja nicht die Ellbogen an den Körper pressen, denn von dort ist es dann nicht mehr weit, die Arme zugleich nach hinten zu ziehen.
Im Zusammenhang damit: Die Zügel nicht lang wie Wäscheleinen lassen, denn auch das verleitet dazu, die Arme schlussendlich nach hinten zu ziehen. Also besser: Zügel kürzer und Arme vor.


2) Innenstellung
Zuerst vom Boden, dann vom Sattel aus, mit kleinen Zupfern zur Seite, wird das Pferd gestellt. Unsere Pferde hatten allesamt Horsemanship-Hintergrund, daher war das prinzipiell für keinen ein Problem.
Dann aber kommt irgendwann der schwierige Part: Pferd soll verstehen, dass es die Stellung so beibehalten soll, auch wenn wieder etwas Slack im Seil ist. Denn das wichtigste Um und Auf: Es wird immer nur mit Impulsen geritten, niemals sollte man an den Zügeln "hängenbleiben". Aber irgendwann nach der Lernphase ist auch ein ständiges Zupfen unerwünscht - lästig für beide Seiten, Pferd und Reiter. Wie also dem Pferd klarmachen, dass es die Stellung beibehalten soll, wenn es sie einmal eingenommen hat? Das war eins der Dinge, an denen ich mit Billy ja vorher bereits scheiterte, wir gerieten in ein ständiges Zupfen.
Und das hat funktioniert: Den Pferd in diesem Fall nicht den "Fehler machen lassen", um es danach (wenn es den Hals wieder gerade hält) neuerlich zu stellen. So denkt Pferd nur, dass dies die neue Übung ist: Stellen - gerade - stellen - gerade. Ist es aber nicht. Es hilft daher, nach dem ersten Stellen nur minimalen Slack im Zügel zu behalten und das Pferd, sobald es ansetzt, den Hals wieder gerade zu stellen, mit einem zweiten kleinen Impuls dazu zu bringen, die Stellung zu behalten. So oft und so lange, bis es sichtlich verstanden hat.
Die Entlassung in die gerade Halshaltung erfolgt auf ein deutliches Signal, z.B. ein Stimmlob und deutliches Hingeben des Zügels oder Streicheln.
Die Methode hat erstaunlich schnell und gut funktioniert bei Billy, der hatte das in kürzester Zeit begriffen.

3) Innenstellung in die Bewegung übertragen
Klappt das Halten der Stellung gut im Stillstand, kann man dann nach und nach dazu übergehen, die Stellung in der Bewegung (zuerst einmal Schritt natürlich ;)) zu verlangen und dann wiederum nach und nach über einen, zwei, dann immer mehr Schritte zu halten.
Sobald man sich in Bewegung setzt und die Innenbiegung fordert, gehen die meisten Pferde naturgemäß ihrer Nase nach, sprich: wenden nach innen ab. Das bedeutet, dass einfach die Lenkung von der Biegung noch nicht genug "entkoppelt" ist. Mit dem Innenschenkel (in Impulsen, nur wenn nötig) und Gewichtshilfe kann man das Abwenden verhindern, bis Pferd kapiert hat, dass der Zügel nur die Kopfstellung anspricht, die Richtung aber vom Reitergewicht (und als Verstärkung desselben dem Schenkel) bestimmt wird.
Wichtig dabei: An der Bande gibt es jeweils nur Innenstellung. Außenstellung oder einen Wechsel zwischen Links- und Rechtsstellung immer nur im "freien Raum". Ja, das hatte einen Grund, aber der ist mir hier zu kompliziert ;-)

4) Genickbeugung
Von der gelungenen Innenstellung gehts dann weiter, die Genickbeugung abzufragen. Zur Innenstellung  kommen seitliche Impulse mit dem Außenzügel. Sofort wenn das Pferd im Genick abkippt, nachgeben, loben. Im Stillstand hatte ich das mit Billy schon geübt und das klappte ganz gut. Wir übertrugen es dann noch in die Bewegung, Schritt und sogar Trab. Natürlich immer nur für Momente; 2-3 Tritte dies zu halten war dann schon ein Fortschritt. Billy glaubt nach dieser Übung dann hie und da, dass das Genick-Abkippen nun die Antwort auf alles ist ;-). Mit ein bisschen Geduld bringt man ihn aber dann schon noch dazu, zu differenzieren. ;-)

5) Passive Schulterkontrolle
Eine ganz wichtige Übung, deren Name mich aber schon im Jänner bei unserem ersten Workshop verwirrt hat. Schulterkontrolle versteh ich ja noch, aber was soll passiv bedeuten?? Nun ja, im Grunde bedeutet es für mich simpel "Reiten in Außenstellung" bzw. "Halsstellung unabhängig von Bewegungsrichtung". Man stellt also z.B. rechts und reitet nach links. Theoretisch kein Problem, schließlich "lenkt" man ja ausschließlich mit dem Gewicht. Theoretisch. Praktisch wissen wir, dass Pferde gern ihrer Nase nachgehen, man braucht also dann zusätzlich den Außenzügel mit Impulsen zur Seite und/oder Innenschenkel zur Verdeutlichung der Richtung.
Wir übten das auf einer Acht, bei der wir eine Hälfte mit Innenbiegung, die andere mit Außenbiegung ritten (sprich: Die Stellung nach z.B. rechts bleibt gleich, man wechselt auf der 8 aber die Hand). Die gleiche Übung kenne ich wieder einmal von Kreinberg :-). Etwas fortgeschrittener wechselt man von Außenstellung zu Außenstellung: Auf der linken Hälfte in Rechtsstellung reiten, auf der rechten Hälfte in Linksstellung.
Eine sehr gute Übung für den Anfang fand ich so einen "freien Slalom": Nur ganz wenige Schritte werden mit passiver Schulterkontrolle geritten (Außenstellung), danach wechselt man gleich wieder die Richtung für ein paar Schritte und reitet in die andere Richtung, nun Innenbiegung. Man bewegt sich dann in einem kleinen Slalom übers Viereck. Es macht die Übung zu Anfang leichter, weil man immer nur 2, 3 Tritte fordert und zu "normaler" Innenbiegung (durch simplen Richtugnswechssel, die Biegung bleibt immer gleich) übergeht. Man kann so auch das u.U. verlorengegangene Vorwärts wieder gut herstellen.
Am 2. Tag haben wir das dann sogar schon im Trab probiert (die Betonung liegt auf "probiert" ;-).

6) Anhalten zum Rückwärts
Beim Rückwärts war Kurt ganz wichtig, dass die Rückwärts-Bewegung von der Genickbeugung "entkoppelt" wird. Und tatsächlich ist es ja bei Billy so, dass er die beiden Dinge miteinander assoziiert. Da ich doch immer noch den Zügel annehmen muss für das Rückwärts, beugt er das Genick, dann geht's rückwärts. Fertig mit Rückwärts bedeutet für ihn automatisch fertig mit Genickbeugung. Das soll entkoppelt werden. Wir übten daher, aus dem Schritt (später Trab) anzuhalten durch einsitzen, Genickbeugung abfragen, aber zuerst noch ohne Bewegung, dann durch Gewicht (Steigbügel nach unten drücken) rückwärts, wieder anhalten, aber weiter Genickbeugung abfragen, dann erst Zügel hingeben als Release. D.h., Pferd soll die Genickbeugung vorher und nachher beibehalten, auch ohne die Rückwärtsbewegung. Wenn man das versucht, merkt man erst, wie sehr man ankonditioniert hat, dass beides zusammengehört.... Wir übten dann auch weiter, abwechselnd  rückwärts und wieder vorwärts zu gehen, immer nur ein paar Tritte, und dabei die Hände völlig unverändert zu lassen. Wie beim Wenden zur Seite wird die Richtung auch im Fall von vorwärts oder rückwärts alleine durchs Gewicht bestimmt (Schenkel bedeutet in beiden Fällen: "beweg dich [schneller]", wobei die Schenkellage beim rückwärts schon etwas weiter vorn ist als beim vorwärts). Also weiterhin alles total logisch aufgebaut: Gewicht bestimmt: vorwärts, rückwärts, links und rechts;Schenkel sind eher für die Bewegungsintensität zuständig, und die Zügel widmen sich rein der gewünschten Kopfstellung. (Wenn ich denn nu alles richtig verstanden hab ;-).

7) Diagonalkontrolle
Die "Diagonalkontroll"-Übung bestand für mich aus 2 Teilen. Teil 1 lässt die Hinterhand herumschwenken (also Vorhandwendung), gleich im Anschluss die Vorhand herumschwenken, also Hinterhandwendung. Die Übung kenne ich mittlerweile von allen Horsemanship-Richtungen. Parelli nennt sie "Indirect-Direct-Rein-Ballett", Richard Thompson hat sie uns gezeigt (vom Boden und vom Sattel aus) und Buck Brannaman verwendet viel Zeit darauf in seiner "7-Clinics"-DVD-Reihe. Und auch sonst überall sieht man sie: Hinterhand weichen lassen, Vorhand weichen lassen.
Wie üblich war Billys Vorhand etwas "sticky", die weicht immer noch nicht gerne ;-)
Interessant war auch der 1. Teil der Übung, also die Hinterhand weichen zu lassen. Billy hat es so gelernt, dass Innenzügel ohne Schenkel = Biegung und stillstehen. Innenzügel + Innenschenkel = Biegung + Hinterhand weichen. Nun mussten wir beide umlernen, denn Kurt lehrt das ganze so, dass der Innenzügel Innenstellung gibt, dann aber kein Schenkel kommt, sondern nur eine Gewichtsverlagerund (in Bewegungsrichtung und etwas nach vorn, um die Hinterhand frei zu machen, damit sie wieder unter den Schwerpunkt treten kann). Schenkel sollte nur dazu als letzte Phase, wenn keine Reaktion kommt. Und natürlich kam bei uns keine, ich hab Billy ja ausführlich beigebracht, dass er stillzustehen hat und erst auf Schenkel seitwärts weichen soll. DAs hat er auch brav gemacht, sprich, er tat nix. Wir werden das üben, um es umzukonditionieren. Mit Gewicht hab ich beim HH-Weichen noch nicht wirklich bewusst gearbeitet.
Warum das ganze aber überhaupt? Kurt erklärte den Zusammenhang: Übt man fleißig, dass die Hinterhand mit Innenstellung und Gewichtsverlagerung kreuzt, so kann man das später in die Bewegung übertragen und erreicht, dass das Pferd später bei einem Impuls am Innenzügel mehr oder weniger automatisch das gleichseitige, innere Hinterbein mehr unter den Schwerpunkt bringt, die Effekte werden sozusagen automatisch gekoppelt. Fand ich sehr interessant und bin gespannt, ob wir einmal da hin kommen ;-).

7) Angalopp
Ganz zum Schluss widmeten wir uns noch ganz kurz dem Angalopp. Theoretisch hab ichs verstanden, praktisch hats nicht so wirklich geklappt, aber deshalb, weil Billy a) schon etwas ausgepowert und stinkig war und b) die Vorübung, nämlich die passive Schulterkontrolle, noch besser werden muss.
Um den jeweiligen Handgalopp zu bekommen, sollten wir etwas von der Bande wegreiten, dann mit passiver Schulterkontrolle die Schulter nach außen verschieben (sodass man also in eine Kruppherein-Stellung kommt; aber eben nicht, indem man die Kruppe herein schiebt, sondern indem man die Schulter hinaus schiebt); dadurch ist das Gewicht außen, wo es auch beim Angaloppieren sein soll (um das innere Vorderbein frei zu machen).

NAch den zwei Kurstagen war mein Kopf (und der von Billy glaube ich auch) solchermaßen voll bis oben und ich brauchte erst einmal so ca. 15 Stunden Schlaf ;-)
Jedenfalls ganz toll, danke Kurt! :-)))




Samstag, 3. Mai 2014

Was für ein Kurs!!! :-)

Endlich war es soweit, unser Bosal-Kurs hat stattgefunden! Und was für ein Kurs das war! Wir haben alle so unglaublich viel gelernt und hatten gleichzeitig unglaublich viel Spaß. Selten hab ich so viel in einem Kurs gelernt!
Kurt führte uns von Übung zu Übung, aufeinander aufbauend, immer nur kurz angeschnitten, sodass wir einen Überblick bekamen, wie man mit der Hackamore einwirkt und arbeitet, und welche Dinge man sich - eins nach dem anderen - so erarbeiten kann, von der lateralen Stellung im Stehen bis hin zum Angaloppieren. Ich jedenfalls habe jetzt eine wirklich gute Vorstellung davon, wie ich - endlich!!! - mit der Hackamore gebisslos all die tollen gymnastizierenden Übungen reiten kann, die ich von meinen Kursen bei Peter Kreinberg mitgenommen habe - die aber bisher immer nur mit Gebiss wirksam waren.

Ich hoffe, ich kann vielleicht bald einen ganz ausführlichen Kursbericht posten, vorher muss ich aber ein bisschen Schlaf nachholen ;-).

Besonders gefreut hat mich das durchgehend positive Feedback von allen Teilnehmern und Zuschauern.

Super wars!! Bericht folgt!

Samstag, 22. März 2014

Das Wetter war herrlich heute, und Billy und ich haben es für einen schönen Spaziergang genutzt. Über eine Stunde sind wir schön durch den Wald spaziert, Billy war großteils entspannt und superbrav. Einen großen Teil, wo die Wege es zuließen, sind wir auch gemeinsam getrabt, das war herrlich! Billy passt sich toll meinem Tempo an, und nur ein paarmal verfiel er in Schritt, meist bedingt durch die Wege (z.B. bergab oder wenn Frauli sehr langsam wurde). Kein Überholversuch und kein Rempeln, alles perfekt. Inklusive gemeinsamem Hüfper über einen Baumstumpf :-)
Geschwitzt haben wir beide ordentlich bei über 20°! Billy trägt noch den Winterpulli, und Frauli war auch zu warm angezogen. Macht nix, so ein bisschen schwitzen tut gut :-)
Schön wars!

Donnerstag, 20. März 2014

Letzte Woche hab ich eine Bodenarbeitseinheit eingelegt, in der ich mich einmal überwunden habe, das Lasso auszupacken. Neben Kurts Kurs im Mai haben wir im Stall am 29. + 30. März einen Kurs mit Michi Grohmann, wo ich vielleicht einmal daran arbeiten möchte, die Distanz zum Pferd etwas zu vergrößern. Dem weiche ich nämlich aus Faulheit ständig aus - immer noch kann ich mit dem Lasso nicht wirklich gut umgehen :-/

Das tolle ist, dass ich jetzt einen Reitplatz habe, wo man das Lasso auch richtig ausnutzen kann! Also gleich ein CG geübt, Lasso am letzten Zipfel. Übergänge, Handwechsel. Bei letzteren scheiterte es an meinem Handling *hüstel*, die Übergängen waren gut. Am schwierigsten war eben, Billy draußen zu halten, da musste ich ihm schon immer wieder bedeuten, weiter nach außen zu gehen, von alleine hielt er die Zirkellinie nicht.
Dann haben wir noch Seitwärts geübt, und zwar von mir weg und zu mir her, abwechselnd. Lange nicht gemacht, daher brauchte es etwas Einfummeln, danach ging es gut. Allerdings habe ich gleich wieder auf den Vorsatz, "mehr Distanz zum Pferd" vergessen bzw. ist das Sideways lange noch nicht gut genug dafür.

Reitenderweise haben wir auch weitergübt, mit Bosal. Allerdings ohne es zu verwenden, wir steckten irgendwann beim Lenken im Trab ohne Zügel fest. Ich ärgerte mich ein bisschen über Billys transusiges Umsetzen von Gewichtsverlagerungen. Er kann das besser, das weiß ich! Ich ärgerte mich auch über mich selbst, dass ich dann beginne, bei Nicht-Reaktion von Billy immer weiter und weiter zur SEite zu lehnen, als könnte ich ihn zwingen, oder als hätte ers nicht verstanden. Irgendwann verlor ich die Geduld, als er immer in die falsche Richtung abbog, und ich klopfte mal etwas fester mit der Wade hin. 2x noch musste ich es deutlicher erklären, aber danach hatte ich - als hätte man einen Schalter umgelegt - plötzlcih ein superfeines Pferdchen! So fein, dass meine Gewichtsverlagerungen viel zu stark waren und wir eiernd oder in scharfen Kurven daherkamen (eigentlich war das Ziel einfach nur ein korrekter Zirkel!!). Plötzlcih ritten wir im Trab durch das Stangenlabyrinth. Ein völlig neues Gefühl war das, ganz plötzlich. So fühlt sich ein kooperatives Pferd also an!! Es hagelte dann natürlich Lob und Leckerlis, und die Einheit war zu Ende. :-) Bin gespannt, ob das nächstes Mal auch hinzukriegen ist oder eine Eintagsfliege war. So feine und schnelle Reaktionen hatte ich echt noch nie!

Dienstag, 11. März 2014

Heute gabs wieder Zone-5-Spielereien. Schon wieder Fortschritte, damit hab ich gar nicht gerechnet.

Anfangs war es etwas schwierig, Billys Aufmerksamkeit zu bekommen. Denn unser kleiner Hengst ist nun bei seinen Stuten. Sie befanden sich grad alle auf einem Weidestück, das ans Viereck angrenzt. Da wollte Billy gleich zum Hengst, Hengsti hätte wohl auch gern einfach gespielt, gleichzeitig aber auch die neuen Stuten verteidigen, denk ich. Na jedenfalls war das für Billy anfangs interessanter als ich. Zum Glück haben wir ja genug Platz, und so ging ich ins weitest entfernte Eck des Vierecks, um uns einmal aufeinander einzustellen und aufzuwärmen.
Wie immer hantelte ich mich von vorn langsam (geht aber innerhalb weniger Minuten mittlerweile) nach hinten bis Zone 5. Nach wie vor verwende ich nur 1 Seil, mal links, mal rechts, so kann man auch das drüberschupfen gut üben. Ein bisschen die Lenkung justiert und dann einige Male durch die Hütchen Slalom. Ging noch besser als beim letzten Mal, ich brauchte kaum den Stick. Billy reagiert jetzt darauf, dass ich mich hinter ihm ein Stück nach links oder rechts versetze - er korrigiert seine Richtung dann so, dass ich wieder hinter ihm bin.

Als nächstes gingen wir wieder das Podest an. Mein Ziel letzte Woche war ja: Von Zone 5 aus drüberschicken. Drauf schicken mit den Vorderbeinen hatte schon geklappt, aber wenn ich ihn drüber haben wollte, musste ich nach vorn, um ihm das zu zeigen. Diesmal brauchte es auch einige Anläufe, aber dann - voilà - Billy traute sich über das Podest, mit allen Vieren draufstapfend, während ich hinter ihm war. Ziel schon erreicht (schneller als gedacht :-) ).

Zweites Ziel war, Billy über Stangen gehen zu lassen. DA war er letztes Mal überraschend penetrant ausgewichen. Heute: Kein Problem, ließ sich fein justieren. Ich probierte, Billy an einer ganz bestimmten STelle über STangen gehen zu lassen (also z.B. nahm ich mir die Mitte vor, oder das linke oder das rechte Drittel). Klappte hervorragend! 

Ich probierte dann noch quer übers gesamte Viereck, die Lenkung im Trab ebenfalls zu verbessern. Die ist noch ziemlich schlecht. Antraben geht gut, auch Zurückparieren in den Schritt, aber Lenken war noch nicht so richtig auf dem Programm. Wir haben hier so viel Platz, dass ich das gut üben kann jetzt. Und siehe da: Klappte besser als gedacht. Nur sobald Billy an den Zaun auf den Hufschlag geht, bleibt er "kleben", bzw. kann ich da dann mit meiner Methode schlecht eingreifen, denn der Zaun ist mir im Weg. Solange ich in der Mitte blieb, klappte die Lenkung aber auch hier schon relativ genau. Ich beschloss, die Probe zum machen und fädelte Billy im Trab in die Hütchenreihe ein. Und siehe da: Weave aus Zone 5 mit nur einem Seil, durchgehender Trab, 2 Längen, d.h. auch die Volte rund ums letzte Hütchen, sogar diese ohne in Schritt zu verfallen! Da war ich richtig stolz!

End of session, natürlich :-)

Montag, 10. März 2014

Strahlend blauer Sonnenschein, der Reitplatz mit perfekter Sandkonsistenz. Ich wollte ein bisschen ruhig Schritt und vielleicht etwas Trab reiten und hab für diesen Zweck meine Hackamore ausgepackt und entstaubt :-). Wir müssen ja üben für unseren Kurs im Mai!

Übung 1) Mal wieder reiten und lenken ganz ohne Zügel ;-). Klappte gut: Weave, Zirkel (möglichst exakte), Achten.

Übung 2) Biegung mit Impulsen im Stillstand herstellen. Billy soll die Biegung halten, auch wenn der Zügel wieder durchhängt. Das braucht immer so 3, 4 Erinnerungen, dann geht es. Billy döst mit der gewünschten Stellung in der Sonne ein.

Übung 3) Ich versuche, die Biegung ebenfalls über Impulse in die Bewegung zu übertragen. Klappt nicht mehr so gut. Ich stelle fest, dass ich Biegung über Zügel und Lenkung über Sitz noch mehr und deutlciher entkoppeln muss. Sprich: Noch glaubt Billy, er soll in die Richtung gehen, in die seine Nase zeigt, d.h. bei Innenbiegung biegt er gern nach innen ab; ich muss dann ständig mit dem inneren Schenkel „gegenhalten“. Er sollte ja aber auf meinen Sitz hören... also nochmal die Zügel weggelassen und wieder Slalom über Sitz geübt. Dann überlegt, welche Übungen das am besten Entkoppeln könnten. Ich versuchte einfach geradeaus zu reiten und die Biegung abwechselnd links und rechts zu fordern, das klappte dann zumindest am Zaun entlang ganz gut. In der Mitte der Bahn wird es eher eierig; also bleiben wir einmal am Zaun und üben dort: Innenstellung (Zügelimpulse), aber geradeaus gehen (Sitz). Der Zaun wirft herrliche Schatten, die uns ein paar Hufschläge vom Rand weg quasi eine doppelte gerade Linie auf den Boden malen, perfekt zum Üben :-).

Als nächste „Entkopplungsübung“ beschließe ich zu versuchen, den Slalom mit ganz flachen Bögen zu reiten und dabei die Kopfstellung unabhängig von der Bewegungsrichtung zu verlangen. Wir haben das viel geübt bei Peter Kreinbergs Kursen, aber eher mit Anlehnung. Können wir es auch mit Impulsen? Klappt erstaunlich gut! Wir reiten also einen flachen Rechtsbogen um unsere Hütchen mit leichter Linksbiegung und umgekehrt. Oder einen ganzen Slalom mit ständig beibehaltener Linksbiegung (egal ob der Bogen grad nach rechts oder links geht). Billy beginnt seine Richtung mehr nach Sitz und Schenkel auszurichten als nach den Zügelimpulsen. Auch das mit den Impulsen kriege ich ganz gut hin und bleibe immerhn nicht am Zügel hängen. Allerdings bemerke ich die Tendenz, Billy mit dem äußeren Zügel „rüberdrücken“ zu wollen, da kommt meine Hand dann über den Mähnenkamm, uiuiui.

Trotzdem recht erfolgreich, es freut mich v.a., dass wir nun die Biegung an einem wirklich durchhängenden Zügel halten können für ein paar Tritte. Bisher war, sobald Bewegung ins Spiel kam, selbige immer sofort futsch. Es wird!

Samstag, 8. März 2014

Heute waren wir bei herrlichstem Frühlingswetter eine Stunde spazieren und neue Wege erkunden. Billy war superbrav und stapfte mit seinen Schuhen völlig entspannt neben mir her. Sogar 3 Mountainbiker verkraftete er ohne sichtliche Aufregung (ich war eindeutig nervöser als er). Früher hatte er vor Radfahrern komischerweise Angst, ist immer zumindest zusammengezuckt oder machte einen Hüpfer (sehr untypisch). An unserem Stall fahren aber so viele Radfahrer vorbei, dass er sich inzwischen daran gewöhnt zu haben scheint. Jedenfalls waren die alle erstens sehr nett (boten sogar an, ob sie absteigen sollen), und zweitens interessierte sich Billy kaum für sie, nicht einmal für den, der von hinten herangebraust kam.

Donnerstag, 6. März 2014


Seit langem wieder einmal was gemacht. Dazwischen war Billy leider nicht ganz fit. Wir hatten im Februar so richtig schlimmes Blitzeis – sowas hab ich noch nicht erlebt. Innerhalb von Minuten überzog sich im Stall alles, inklusive Sand, Hackschnitzel und sogar der Rollsplit mit einer Eisschicht. Billy wurde zum Opfer des Eises, schließlich will pferd keinen Schritt zu viel tun (die anderen Pferde gingen über den besser begehbaren Sand, obwohl sogar der glatt war – aber Billy nahm die Abkürzung über den Betonboden, bevor wir streuen konnten) – da konnte ich dann nur stehen und hilflos schauen, wie er ruderte und ruderte und ruderte und schließlich mit einem lauten Whumpppp! zu Boden ging, während sich alle 4 Haxen in die 4 Himmelsrichtungen spreizten. Ein kleiner Trost, dass wenigstens der dicke Bauch und die Fettschicht einiges abgefangen haben müssen!
Nachdem das Eis ein paar Tage später weg war, wurde sichtbar, dass Billy lahmte. Nun ja, nach verschiedenen Diagnosen (No1: „das kommt vom Sturz“ – No.2: „das kommt nicht vom Sturz, das Pferd ist rundum locker und kein einziger Muskel verspannt“ – No.3 „die Sohle ist viel zu dünn“ – „da pulsiert alles hochgradig“ – No4: „da pulsiert nix und die Sohle ist sicher nicht zu dünn, aber wieso hat No.3 die hohle Wand nicht bemerkt?“) und fast 1 Monat Schonung scheint nun wieder alles in Ordnung und wir fangen langsam wieder an. :-)

Heute hab ich mir das lange Seil geschnappt und beschlossen, dass ich ja wieder einmal was in Zone 5 tun könnte – super auch für ruhiges Schrittarbeiten. Das wurde eine herrliche Session! Mit einem Seil machten wir Weave, Zirkel, Volten, Übergänge von Schritt zu Trab und zurück, auch Anhalten und sogar Rückwärts klappte toll! Ich war ganz überrascht! Außerdem schickte ich Billy zum ersten Mal aus Zone 5 auf das Podest, auch das war nicht schwierig; nur wenn ich möchte, dass er drübergeht, musste ich vor in Zone 3 und ihm das deutlicher zeigen. Das wird dann unsere nächste Aufgabe, direkt übers Podest drübergehen aus Zone 5.

Ich legte dann das Seil ganz über Billys Rücken und wir machten das gleiche noch einmal, fast genauso gut; besonders stolz bin ich auf Liberty-Anhalten und Rückwärts aus Zone 5! Nur 2 Stangen zu übertreten hat er verweigert, der Schlawiner, keine Ahnung wieso, aber das kommt auch gleich auf die To-Do-Liste ;-).

Freitag, 31. Januar 2014

Podestspielereien

Tsss, wie schrieb ich beim letzten Post? ... außer es wird kalt und der Boden friert...
Ja genau, 2 Tage später wurde es kalt und der vom Regen sehr nasse Sand im Viereck gefror zu einer steinharten Muggelwüste.

Ich versuchte einmal verzweifelt, etwas Handarbeit zu machen, aber da war nix zu machen, ich konnte ja selbst mehr schlecht als recht gehen, da wollte ich von Billy keine gefinkelten Seitengänge verlangen.

Aber dann.....
fiel mein Blick auf das Podest! DAS müsste doch gehen. Und es ging. Die nächsten Trainingseinheiten haben wir endlich einmal viel Zeit genommen dafür. Anfangs, bei der ersten Einheit, blieb ich stur beim Versuch, Billy durch DG die Hinterbeine aufs Podest zu "driven". Die Vorderbeine sind ja nie ein Problem. Billy stellt einen dritten Fuß dazu, traut sich dann aber nicht, diesen zu belasten, er stellt ihn nur mit der Hufspitze ab. Er wagt nicht, Gewicht darauf zu legen und so den 4. Fuß (und sich als ganzer) hochzustemmen. Große Erfolge hatte ich so keine, einmal fast hätte er sich hochgestemmt, aber meistens geht er dann lieber gleich ganz mit den Hinterbeinen vom Podest.
Bei der nächsten Einheit dachte ich, dass eine STrategie, die seit Jahren nicht funktioniert, vielleicht abgewandelt werden sollte ;-). Ich kam plötzlich auf die Idee, Billy über das Podest drüberzuschicken wie über sonstige Hindernisse. Und tatsächlich war das ein Schlüssel, wir machten einen Riesenschritt in Richtung Vollerfolg (das wären alle 4 Beine am Podest). Wieder einmal konnte man sehr gut beobachten:
Anfangs versuchte Billy krampfhaft zu vermeiden, dass er mit den Hinterbeinen aufs Podest draufsteigt. Lieber ließ er sich vorne runterrutschen und machte mit den Hinterbeinen einen Riiiiesenschritt über das ganze Podest drüber. Ich blieb geduldig dran, wieder und wieder musste er drüber. Mit jedem Mal wurde er sicherer, irgendwann stieg  er mit einem Hinterhuf drauf, zog es zwar gleich wieder weg, aber immerhin. Der nächste Schritt war, dass das Wegzucken wegfiel, er vertraute nun darauf, dass das Podest auch das Gewicht des Hinterbeines tragen würde ;-). Zum ersten Mal ging er fast "normal" drüber wie eben über eine kleine Stufe. Als nächster Schritt trat er mit beiden Hinterbeinen drauf beim Überqueren (das rechte war deutlich schwieriger), und er wurde sicherer und sicherer. Irgendwann konnte ich ihn mit beiden Hinterbeinen am Podest stoppen (vorne unten, hinten oben) und loben.
Weiter gings. Höhepunkt und weitester Fortschritt bisher war, dass er mit drei Beinen oben stand und auch verharrte, das vierte Bein hing in der Luft.
Riesenlob und aus für diesmal!

Tja, so hatte ich in 20 Minuten mehr Fortschritt als die letzten 5 Jahre, und wieder gelernt: Der Grundsatz: "Wenn du Dinge immer gleich machst, wirst du immer das gleiche Ergebnis bekommen; willst du ein anderes Ergebnis, ändere was!" - der stimmt.

Donnerstag, 23. Januar 2014

Es werde LICHT!!

Licht, Licht, LICHT, wir haben Liiiiicht am Reitplatz! *freu* *tanz* *hüpf* Und ordentliches noch dazu, der Riesenplatz wird beleuchetet, dass man sich wie im Fußballstadion fühlt!

Natürlich wollte ich das sofort ausprobieren, wie es sich da spielt. Leider war ich planlos, ich hatte nicht mit beleuchtetem Platz gerechnet und wollte eigentlich nur kurz nach dem Rechten sehen und gleich wieder fahren.
Nun ja, Billy eingepackt und für Bodenarbeit vorbereitet. Wir spielten ein wenig simples Yoyo, Circling Game mit ganz ganz vielen Richtungswechseln in Schritt und Trab, und dann über den gesamten, hellerleuchteten Platz Travelling Circles auf einen kleinen Cavaletti-Sprung zu, der in der Gegend herumstand.
Als Billy mit den Travelling Circles direkt vor dem kleinen Sprung ankam, rammte er verwundert die Beine in den Boden und machte einen ganz tollen Stop. Schließlich war der völlig plötzlich aus den Untiefen des Bodens aufgetaucht, nicht wahr? War ja nicht so, dass er gerade 10x davor, dahinter, innen und außen vorbei getrabt wäre ;-))).
Ab dem 2. Versuch fand Billy dann aber überraschend viel Gefallen an der Springerei, es sieht nun auch schon richtig nach Springen (statt Drüberstolpern wie früher einmal) aus. Aus dem Trab kann er die Entfernung schon gut taxieren und springt flüssig und in angemessener Höhe und Weite, trabt danach auch flüssig weiter. Ich ließ ihn ein paarmal am durchhängenden Seil drüberhüpfen in beide Richtungen. Focus war wichtig, wenn ich mich auf den Sprung konzentrierte, tat sich Billy leichter, in mittig zu nehmen und flüssiger.

Dann forderte ich ihn auf, den Sprung aus dem Galopp zu nehmen. DAS haben wir noch kaum gemacht. Billy tut sich schwer zu taxieren und sich die Galoppsprünge einzuteilen. Immer wieder fiel er in Trab vor dem Sprung. Danach galoppierte er brav wieder weiter. Auf beiden Händen durfte er es so oft versuchen, bis er es einmal jeweils flüssig aus dem Galopp heraus schaffte. Danach gab es sofort ein Bringback, und nachdem er das auch auf der linken Hand geschafft hatte (da brauchte es mehrere Anläufe, fällt ihm schwer!), waren wir fertig für heute.

Tja, und ab heute gibt es keine Ausreden mehr! Den Weg im Finsteren zur Halle muss ich jetzt höchstens noch absolvieren, wenn die Temperaturen soweit fallen, dass unser Platz mugglig friert. Aber sonst! Ab jetzt wird ernsthaft *ähem* trainiert!

Samstag, 18. Januar 2014

Ich war ausreiten!! So richtig echt, mit obensitzen und so!

Natürlich nicht allein, davor hab ich immer noch die Hosen voll, ist leider so. Aber ich habe nicht weit entfernt einen Bekannten, der langjähriger Wanderreiter und ein Mensch mit sehr viel Leadership ist. Seit ich mit Billy umgezogen bin, hat er mir stets angeboten, ich könnte mich ihnen anschließen, er würde mir ein paar schöne Runden zeigen und würde ohnehin regelmäßig an unserem Stall vorbeireiten. Ich lehnte die Angebote immer ab, erstens passte - wie so oft - einfach immer irgendwas nicht (Zeit, Ausrüstung, Dunkelheit, Wetter ... jaja, es gibt viele Ausreden!!) und zweitens habe ich mich - ich gebs zu - auch ein wenig geniert wegen meiner Ängstlichkeit. Er gehört eher zu den Menschen, die sowas nicht kennen und vermutlich auch nie kennenlernen werden. Die Angebote, mich mitzunehmen, wurden mit jeder Absage meinerseits dann seltener und seltener, klar. Er dachte wohl, ich will einfach nicht. Aber am Freitag hab ich mir ein Herz gefasst, schnell angerufen bevor ichs mir anders überlegen konnte, und für Samstag vormittag einen gemeinsamen Ausritt vereinbart.

Ich wurde sogar vom Stall abgeholt! Und da konnte ich auch gleich erleben, was Leadership ausmacht, sei es von Menschen oder Pferden. Ich wurde also abgeholt, die beiden Mitreiter saßen auf ihren Pferdchen und ich kletterte auf den Billy, schon etwas skeptisch, was er heute wieder für eigene Pläne haben würde. Wir hatten gerade eben das Stallgelände verlassen, das Tor lag einen Meter hinter uns. Die anderen beiden ritten los- und Billy folgte ihnen. Faszinierend. Er stapfte von alleine hinterher, obwohl es zwei völlig unbekannte Pferde waren, und der Stall gerade hinter ihm lag. Man merkte einfach auch sofort, dass sowohl Menschen wie Pferde völlig routiniert und selbstsicher und völlig entspannt sind. Seine Stute, meinte mein Bekannter, müsse überhaupt eine für Pferde sehr gewinnende Ausstrahlung haben, denn fast alle Pferde würden sich ihr sofort anschließen. Leadership halt ;-). Jedenfalls fand auch Billy, dass er sich in sicheren Händen/Hufen befand, und trottete tiefenentspannt hinter den beiden her. Hie und da hielt ich kurz an, um mehr Abstand zu gewinnen, das funktionierte problemlos, er hörte also schon auch noch auf mich ;-).

So ritten wir - die Straße entlang, AUF der Straße ein kurzes Stück, am Nachbarstall entlang, wo die Pferde ziemlich ausrasteten, als wir knapp an ihrem Zaun entlang ritten - unsere Leaderstute zuckte mit keinem Ohrwaschel, und ebenso (fast) nicht der Billy. Wir kletterten Böschungen rauf und stapften durch Pfützen, über Äste und Stämme, alles höchst gemütlich. Bei einem lauten Geräusch im Wald schaute der Billy genau einmal auf, war dann aber sofort wieder entspannt. Tja. Muss mir nur noch wer lernen, so zu sein wie unsere Leaderstute oder ihr Herrli ;-)

Dann kam der große Moment, wo wir uns trennten, und ich allein auf unbekannten, aber genau geschilderten Wegen nach Hause sollte. Ich war unsicher, ob das unproblematisch vor sich gehen würde und stieg sicherheitshalber ab. Und blieb übrigens auch unten den Rest des Weges ;-). Ich musste allein bis zur Straße, dann ein kurzes Stück direkt auf der Straße (hätte ich mich NIE getraut, wenn mich die nicht einfach hier "ausgesetzt" hätten - ich musste ja irgendwie heim kommen!), dann eine Straßenüberquerung, und das alles noch dazu in mittlerweile so dichtem Nebel, dass es auch Nieselregen sein hätte können. Wir fanden die beschriebene Wegmarkierung und folgten ihr durch schmale Wegelchen durch den Wald. Billy ging völlig zufrieden mit mir mit, er stapfte über alles drüber: Wurzeln, Stufen, Straßengraben, wir spazierten an Häusern entlang, an fremden Pferden vorbei, bis wir auf den Teil des Wanderweges kamen, den ich schon kenne, und kamen nach insgesamt 1:40 flotten Schrittspaziergang wieder zu Hause an.

Stolz bin ich auf uns!!


Donnerstag, 16. Januar 2014

Etwas, was ich mit Billy schon seit ewigen Zeiten nicht mehr gemacht habe, ist klassische Handarbeit. Das fiel mir wieder ein, als eine der Teilnehmerinnen beim Bosal-Kurs das Buch von Oliver Hilberger "Gymnastzierende Arbeit an der Hand" in der Tasche mit sich schleppte ;-).
Und DANN fiel mir ein, dass Handarbeit sich ja total gut eignet, um auf dem kleinen beleuchteten Fleck des Sandpaddocks im Auslauf ausgeführt zu werden. Denn da braucht man kaum Platz, man kann ja immer hin und her gehen und diverse Seitengänge üben. Für eine Volte ist auch genug Platz, und mehr brauche ich nicht. Trabende Seitengänge an der Hand sind noch in weiter Ferne, überhaupt nach dieser (jahre?)langen Pause.

Also, rauf mit dem staubigen Kappzaum auf die Billy-Nase!
Zuerst bin ich unseren Rundlauf des Stalles 3x flott rundherum gegangen mit Billy, zum Aufwärmen. Es war etwas neblig anfangs, aber der Nebel lichtete sich, und der Vollmond ging auf. Statt dunkler und dunkler wurde es heller und heller. Irgendwann fand ich, die Stirnlampe auf dem Rundlauf nicht mehr zu brauchen. Und dann fand ich, wenn ich auf dem Rundlauf genug sehe, dann ja wohl auch auf dem Viereck!

So war es auch, wir hatten zum 2. Mal eine tolle Einheit im Mondenschein. Das hat schon was!

Ich begann mit mehr oder weniger normalem Führen, dann mit Biegung, dann mit etwas Beizäumung. Dann auf beiden Händen abwechselnd immer wieder ein paar Schritte Schulterherein eingebaut, das klappte bald recht flüssig, hat Billy toll gemacht. Dann gingen wir über zu Kruppherein, und ich erinnerte mich bald dran, dass das immer schon recht schwierig gewesen war. Ich zerlegte es in kleine SChrittchen: Kommando für "Kruppe her!" etablieren, im Stillstand. Dann in Bewegung, aber unabhängig von der Biegung oder Stellung (woraufhin Billys Kopf natürlich stark nach außen zeigt). Dann habe ich versucht, gleichzeitig Biegung und Kruppherein zu kriegen, naaaaja. Billy verstand mich nicht oder konnte es einfach nicht und wurde langsam wieder grantig. Ich ließ es sein und probierte Renvers, also 2. Hufschlag, und Kruppe hin zur Bande bei Biegung nach außen. Aaaaha, das ging schon besser. Ich erinnerte mich vage, dass ich das bisher immer nur nach außen, von mir weg, gehend hingekriegt hatte.
Nach ein paar guten Versuchen entließ ich Billy dann. Er durfte sich zur Belohnung aufs Podest stellen und dann noch wälzen. Er kam dann nach einer Weile in den Wald schauen freiwillig zu mir und wir konnten gemeinsam heimgehen.

Ach ja, und coming soon: Reitplatzbeleuchtung!!! Die Lampen lagern schon seit einiger Zeit in der Werkstatt, und für nächste Woche wurde ihre Montage angekündigt. Ich bin sooo gespannt und freu mich riesig! :-)))

Sonntag, 12. Januar 2014

Unser 2. Hackamore-Ritt :-)

Heute hab ich nicht mit Knoti vorher angetestet, sondern ging gleich in voller Montur zum Reitplatz. Der war, wie gestern erwähnt, frisch abgezogen. Eine Riesenfläche, glatt wie ein stiller See....
Was tun heute mit dem Billytier? Ganz klar, wir reiten ein Muster in den frischen Platz :-) - Perfekt für ein Riesen-Clover-Leaf, perfekt um unsere Wendungen zu perfektionieren.

Billy war brav und eifrig. Im Schritt ein bisschen transusig wie immer, aber im Trab dann in angenehmem Tempo unterwegs, ohne jegliche Anstalten, den Trab zu unterbrechen. Das ist wirklich toll geworden. Im Gegenzug bemühe ich mich, nur ja nicht zu micromanagen, auch nicht mit den Schenkeln. Die bleiben jetzt weg.
Jede Wendung im Clover-Leaf probierte ich als Phase 1 ausschließlich übers Gewicht zu reiten. Das klappte auch gut, immer dann, wenn die Wendung in Billys Sinne war - nämlich hin zum Stall, zum Kraftfutterautomat oder zu den Kumpels. Die Wendungen in die andere Richtung brauchten dann schon mehr, manchmal reichte es die Hand auszustrecken, an bestimmten Punkten wollte er partout aber immer in die andere Richtung, da gab es dann eben als nächste Phase einen kurzen, aber deutlichen Impuls. Spätestens das wurde dann immer verstanden, und mit der Zeit auch immer unnötiger, auch an diesen "heiklen" Stellen.
Es juckte mich sehr, das Clover Leaf zum ersten Mal in meinem Leben im Galopp zu reiten. Das habe ich nie geschafft, die Wendungen waren immer zu eng für Billy auf unserem früheren "normal" großen Viereck. Ich habe es aber heute sein lassen, ich wollte nicht gleich die ganze in dieser Einheit gewonnene Feinheit wieder verderben.

Stattdessen begann ich zum Abschluss, Billy im Stand zu biegen. Das geht einfach, er kennt das vom Knotenhalfter. Die Biegung aber nach dem kurzen Impuls halten ist schon schwieriger, aber 2x mehr ein Impuls, und Billy beschließt, dass es einfacher ist, den Kopf in der Flexion alleine zu halten, als dauernd wieder hergezupft zu werden. Erfolg!
Beim letzten Versuch, ihn zu einem wenigstens kurzen Nachgeben im Genick zu bringen, brauche ich dann noch einmal Geduld. Billy versteht und versteht nicht... er beginnt sich zu ärgern, strampft auf, kriegt dann einen seiner cholerischen Anfälle und beginnt nach allem zu schnappen, was in seiner Reichweite ist - wie z.B. nach meiner 150-Euro-Mecate! Neiiiinnnnnn! *g*
Aber 5 Sekunden später hat er dann einmal die richtige Antwort gegeben, kurz im Genick nachgegeben, Oberlinie rundet sich hübsch -- Ruhe und Lob gekriegt und ab da hatte ers kapiert - "ach so, das willst du"... zupf-knick, zupf-knick, zupf-knick --> Danke schön und Feierabend, Herr Billy! :-)

Mal sehen, ob er sich nächstes Mal noch erinnern kann ;-)

Samstag, 11. Januar 2014

Tadaaa, unser erster Ritt mit Hackamore ist absolviert!

Billy ist recht zufrieden mit dem Ding auf der Nase, was sich vor allem darin zeigt, dass er auch am zweiten Tag des Wochenendes bereitwillig selbige hinhielt, als ich ihm das Bosal hingehalten habe. Da war ich erleichtert, ich habe nach dem allerersten Ritt am Samstag schon gefürchtet, dass er vielleicht davor flüchtet, wie vor dem Gebiss (nicht dass es einen Grund dafür gegeben hätte, aber bekanntermaßen braucht Billy ja nicht immer einen Grund, um irgendwas doof zu finden). Aber ganz im Gegenteil, ich hielt die Hackamore vor seine Nase, und Billy steckte sie freiwillig und zufrieden hinein.

Am Samstag bin ich großteils mit Knotenhalfter geritten; irgendwie habe ich das in den letzten Wochen und Monaten vernachlässigt. Wenn ich schon nur am Wochenende Zeit und Licht zum Reiten hatte, dann wollte ich halt auch immer unsere Übungen à la Kreinberg machen, wo die so schön klappen - aber halt mit Gebiss und zwar leichtem, aber doch stetigem Kontakt. Lieber wäre mir immer gewesen, ich könnte die gleichen ÜBungen mit der gleichen Biegung mit bloßen Impulsen reiten- was mir nur nie gelungen ist (auch mangels Trainer, der es so vermittelt) - nun, nach dem Workhsop mit Kurt, habe ich neue Ideen und neuen Mut und auch Hilfe wenn nötig, das konsequent auszuprobieren. Mal sehen, ob wir's hinkriegen!

Zuerst also auf Knoti warmgeritten. Quer über unser Riesenviereck, das war leergeräumt, weil es danach frisch abgezogen wurde. Ich hab darauf geachtet, Billy wieder mehr auf Lenkung durch Gewichtverlagerung zu konditionieren. Dabei auf einige Punkte geachtet, die wir im Hackamore-Workshop gelernt haben:
  • Oberkörper tendenziell weiter vor als zurück.  Tatsächlich hatte ich beim Workshop das Gefühl, völlig vorderlastig zu sitzen, als ich in Wirklichkeit (und von allen Teilnehmern bestätigt) den Oberkörper in der Senkrechten hatte. Den meisten anderen ging es ähnlich.
  • Arme weit vorstrecken, die Hände bleiben jedenfalls immer VOR dem Sattel(horn). Kurt wollte uns mit recht weit ausgestreckten Armen das Pferd "dirigieren" sehen (er hatte den Vergleich mit einem Dirigenten, der den Arm aus der Schulter bewegt, statt nur aus dem Ellbogen oder gar dem Handgelenk). Angewinkelte Ellbogen verleiten dazu, rückwärts zu ziehen. Tatsächlich ist rückwärts ziehen mit ausgestreckten Armen so gut wie unmöglich. 
  • In Wendungen sollten wir den jeweils inneren Arm nach vorne/seitwärts ausstrecken, mit dem Handrücken nach oben, "als wollten wir auf die Uhr schauen". Das - wie wir später auf der Holzbank ausprobierten und deutlich spüren konnten - führt ganz automatisch dazu, dass das Gewicht nach innen verlagert wird, und somit zu einem weiteren wichtigen Punkt:
  • Gewicht immer in Bewegungsrichtung!
  • In Wendungen bleibt die äußere Hand unten und vorne am Sattelblatt fixiert, um auf jeden Fall zu verhindern, dass man mit beiden Händen agiert. 
Zwei der Punkte stehen dabei in einem direkten Gegensatz zu dem, was ich in 4 Kursen von Peter Kreinberg eingetrichtert bekommen habe: Peter wollte die Ellbogen stets angewinkelt an den Körper und das Gewicht in vielen Fällen (v.a. in Volten, beim Slalom etc.) nach außen! Ersteres begründete Peter, wenn ich mich recht erinnere, mit der Gefahr sonst zu verspannen; zweiteres begründete er mit seiner Erfahrung, nämlich nicht dass er das Gewicht eigentlich nach außen haben wollte, sondern vielmehr, dass die meisten Reiter v.a. in Volten oder engeren Wendungen, oder um Pylonen herum, die innere Pferdeschulter mit ihrem Blick fixieren, also nach unten schauen. Das ist tatsächlich ein Punkt, gilt auch für mich. Peters Logik weiter: Durch das Nach-unten-schauen komme viel zu viel Gewicht nach innen/vorne und blockiere eben das innere Vorderbein. Er wollte daher, dass wir explizit nach außen/hinten sitzen, ließ uns auf einem Slalom sogar aufstehen und bewusst nach außen sitzen. Allerdings mit dem Ziel, die Innenlastigkeit der meisten Reiter zu korrigieren, sodass sie halbwegs mittig sitzen.
Ich selbst sitze mal außen, mal innen. In seitwärts-Bewegungen "schiebe" ich den Billy gern vor mir her, einfach weil es bisher immer besser funktioniert hat. Freilich verwirrt das ganze vielleicht, und ich werde jetzt einmal eine Zeitlang versuchen, konsequent in Bewegungsrichtung zu sitzen.

Nachdem Billy und ich uns so langweiliiiig über den Platz bewegt hatten, saß ich ab, schnallte das Knoti ab und die Hackamore dran, und weiter gings wie gehabt. Ich bemühte mich, den Zügel wenn möglich gar nicht zu verwenden und über Gewicht zu reiten, Schritt und Trab. Tja, und dann war unser erster Hackamore-Ritt auch schon beendet!

Hier ist nun mein Programm für die nächste Zeit:
  • Wendungen wieder perfektionieren, sodass sie auch ganz ohne Kopfstück fein justiert funktionieren. 
  • Biegung mit der Hackamore mittels Impulsen herstellen und Billy beibringen, diese zu halten.
Auf geht's! :-)







Sonntag, 5. Januar 2014

Bosal Workshop mit Kurt Murauer

Gegen Ende November ging es los mit zählen: noch 38x schlafen, noch 37x schlafen, noch ... Am 23. Dezember begann der Feiertagscountdown: noch 13x schlafen!! Moment... 13x?
Jaaa, weil Weihnachten war gestern - heute war endlich endlich unser Bosal-Workshop bei Kurt Murauer in OÖ!

Eine Handvoll (wörtlich) Hackamore- und Altkalifornien-Enthusiasten machte sich in aller Herrgottsfrühe im Dunkeln von Wien und Umgebung auf nach Ried zu Jac's Stable. Wir wurden super herzlich mit Kaffee empfangen, und dann gings auch schon los:
Zuerst einmal stand Theorie auf dem Programm. Was bedeutet altkalifornisch überhaupt? Wir erfuhren Grundlegendes zur Reitweise und zur Bedienung Hackamore. Und dann gings auch schon los zur Praxis und ans Pferd. 4 Teilnehmer durften sich jeweils eine Stunde auf Kurts und Manuelas Hackamore-Pferden in das "neue Gerät" einfummeln.

Ich war gleich als allererste dran und durfte auf dem toll ausgebildeten Jac reiten. Anfangs gab es Infos zum Sitz, Handhaltung und Impulsgebung. Und dann sollten wir uns doch tatsächlich in Bewegung setzen auch noch! ;-) Der arme Jac! Wir kamen ein bisschen wie ein betrunkenes Pärchen daher, denn die Justierung der Gewichtshilfen ist bei Jac so fein, dass ich mich - verglichen mit "Bulldozer Billy" - auf einem Formel-1-Pferd wähnte. Jac versuchte verzweifelt mich zu verstehen und bot sein Können an: Du da oben, meinst du vielleicht einen Seitengang? Diesen? Nein? Diesen? Auch nicht? Aaaaah, einfach eine Volte, na sag das doch gleich, statt da oben herumzuturnen! ;-)

Die Lenkung erfolgt bei Kurts Pferden so gut wie ausschließlich über das Gewicht; dies soll immer in Bewegungsrichtung liegen. Wir übten das auf zunächst großen, dann auch immer enger (sehr eng!) werdenden Zirkeln. Für die Gewichtsverlagerung sollten wir den jeweils inneren Arm nach vorne-innen strecken. Die äußere Hand sollte unten am Sattel bleiben. Denn wichtig bei der Hackamore: Niemals an beiden Zügeln ziehen, und auch niemals rückwärts ziehen. Jac und ich begaben uns auf einen Achter, das klappte sogar halbwegs (nachdem ich mit Hilfe zweier Hütchen die Orientierung in der Halle wieder gewonnen hatte - so einfach ist das schließlich nicht!!). Kurt zeigte uns, wie sich Jac mit Impulsen an der Hackamore stellen ließ und schließlich - mit Innen- und Außenimpulsen in Kombination - dann auch im Genick nachgab. Denn die Zügelhilfen dienen im Altkalifornischen Westernreiten ausschließlich dazu, dem Pferd die Kopfposition zu signalisieren, die man möchte. Gelenkt wird, wie gesagt, rein mit Gewicht, ebenso angehalten oder rückwärts gegangen. Kurt demonstrierte das schön, indem er von mir und Jac einen Achter in Außenstellung verlangte - Gewicht in Bewegungsrichtung, aber Kopf mit Impulsen in Konterstellung positionieren. Das klappte sogar ganz gut :-)

In den nachfolgenden Stunden gab es dann noch Erklärungen zum Rückwärts, Anhalten, Schlangenlinien und somit jede Menge Input, was wir anfänglich mit unseren Pferden zu Hause üben können.

Zum Abschluss des Praxisteils zeigte uns Kurt, was der Woody so alles drauf hat, wenn man es abfragen kann ;-). Eine sehr schöne Darbietung.

Danach ging es zurück ins warme Stüberl und es folgte noch ein sehr ausführlicher Theorie-Block zur Ausrüstung selbst. Auswahl der Hackamore für die eigenen Bedürfnisse und die des Pferdes, Arten, Qualität, einiges zur Mecate, zur Anpassung, und auch zur Terminologie sowie Tips zum Einkauf.

Zum Abschluss sahen wir uns gemeinsam noch ein Kapitel aus Jean Claude Dyslis DVD an, ein schöner Ausklang.

Und nun heißt es ran ans Gerät! Mein Bosal ist formenderweise eingespannt und wartet auf die Billy-Nase. Fortsetzung folgt! :-)